Cook Island Adventisten (Part III) – Schule auf cook-isländerisch

Cook Island Adventisten (Part III) – Schule auf cook-isländerisch

Ich muss noch einmal zurückkommen auf die wunderbare Zeit auf den Cooks und die Begegnung mit den lokalen Adventisten. Während meines zweiten Besuch auf Rarotonge habe ich eine Schule besucht. Sie wird von Adventisten geführt, nimmt jedoch dankbar auch Schüler jeder anderen christlichen Kirche auf. Meist dauert es nicht lange, bis die Eltern unmittelbar zu den Siebenten-Tags-Adventisten wechseln. Hier eine 4. Klasse, die scheinbar bestens aufs Fratzen schneiden trainiert zu sein scheint.

Die Schule unterrichtet 129 Schüler in üblichen Fächern wie Mathematik, Schreiben und Lesen, Sport, Englisch, usw. Der Stundenplan beinhaltet jedoch außerdem morgendliche Bibelstudien, Fischen (!) und Maori.

Das ist Greg, der Direktor der Schule. Er führt seine Schüler in den nächsten Stunden ans Außenriff Rarotongas, um ihnen zu zeigen, wie man mit dem großen Netz, Speer und anderen Fangwerkzeugen der Maorikultur die dicksten Fische an Land zieht.

Eine der wichtigsten Fächer im Inselreich des Südpazifiks, denn nur so ist es den Locals möglich ihre Basisverpflegung aus den eigenen Obst- und Gemüseplantagen mit eiweissreichem Fisch anzureichern. Die Preise der lokalen Supermärkte sind auf Touristen ausgerichtet und könnten von den Cookies, die nicht vom Tourismus leben, kaum bezahlt werden. Man trifft sie in den Supermärkten an (schließlich kann man sein abendliches Bierchen nicht selber brauen) jedoch findet die hauptsächliche Ernährung durch selbst angebautes Obst und Gemüse und eben Fisch statt. Und wer sich kein Bier leisten kann, produziert tatsächlich seinen eigenen Wein…aus gegärten Bananen. Sehr gewöhnungsbedürftig aber hochprozentig! (nein, EKELHAFT!)

In Maori lernen die Kinder die Sprache und Kultur ihrer Vorväter und –mütter. Auf dieses Fach wird hier besonderen Wert gelegt, immer das abschreckende Beispiel Neuseelands vor Augen, die ihre eigene Kultur, nach Ansicht der Cookies, nahezu verloren haben.

Die Schule ist für Inselverhältnisse erstaunlich gut ausgestattet, ich wundere mich über eine gut ausgestattete Bibliothek und einen Computerraum, den ich zu meiner Schulzeit nicht hatte (was daran liegen könnte, dass es vor gefühlten 200 Jahren gerade mal eine gewaltige Machine namens Comodore 64 gab).

Von der ersten bist zur sechsen Klasse besuchen die Kids die erste Stufe des Lehrsystems, bevor sie dann bis zur zehnten die High-School und wer mag und dazu fähig ist, anschließend das College besuchen. Sofern man das 16. Lebensjahr vollendet hat, ist man dazu berechtigt, vor Abschluss einen Job anzunehmen.

Der christliche Glaube und ein menschliches Miteinander stehen im gesamten Schulsystem im Vordergrund, so wird den Pionieren der Siebenten-Tags-Adventisten ein Ehrenplatz in der Bibliothek gewidmet.

Für die ganz Kleinen gibt es auch so etwas wie eine Vorschule mit einem dazugehörigen Spielplatz. Dies ermöglicht Eltern das Arbeiten und bereitet die Kids bestmöglich auf den Schulalltag vor.

Ich zeige den Schülern einer 4. Klasse wo Deutschland liegt und erkläre ihnen, mit wie vielen Flügen und Stops  und in welcher Flugzeit ich aus Deutschland auf die Cooks reisen kann.

Dann fragt die Lehrerein, ob sich jemand vorstellen kann, wie viele Einwohner Deutschland hat und die Kinder fangen munter an zu raten.

1.000?

2.000?

5.000?

500?

20?

20.000?

15.000?

Alles jenseits von 20.000 übersteigt ihre Vorstellungskraft, was bei einer Cook Islands Bevölkerung von 18.600, davon alleine 14.000 auf Rarotonga nicht weiter verwunderlich ist. Auf den meißten Inseln bewegt sich die Einwohnerzahl bei 300-600 (Aitutaki 1800). Palmerston Island hat gigantische 50 Einwohner (bei dem Gedanken befallen mich klaustrophobische Anfälle).

Irgendwann ruft einer der Winzlinge spaßeshalber, um seine Schulkameraden zu belustigen

1 Million!!!!!!!!! und schaut mich mit verschmitztem Grinsen an.

„Ok, damit wären wir bei der Einwohnerzahl Kölns angelangt, das ist die Stadt, in der ich wohne.“

Riiiieeessiges Staunen in den Gesicherten der Kids.

Dann raten sie motiviert weiter:

1 Billion?

1000 Billionen?

20.457.293.904. Milliarden?

„Ok ok, 80 Millionen.“

„Wooooooaaaaarrrr.“

New Story…irgendwo anders…

Abends sitze ich noch mit einem Imbissbudeninhaber zusammen, der ebenfalls den Adventisten angehört (die sind echt überall). Während er sich für einige Zeit aus dem Staub macht, vertraut er mir seinen kleinen Sohn an. Der ist bei mir natürlich in den besten Händen.

Er will mit mir spielen. Ok, warum nicht. Solange ich nicht wieder im lustigen Wer-bin-ich-Bibelfiguren-raten abloosen muss. Nur was spielt man mit dem Sohn eines tiefgläubigen Christen sonst? 4 gewinnt? Malen nach Zalen? Hüpfekästchen?

Er rennt in die Hütte und kommt nach 2 Minuten strahlend wieder, stellt seine Soldaten und den Kampfhubschrauber in Position und schaut mich an:

 

„KRIIIIIIIIEG!“

Ich schaue mich um. Kein Vater weit und breit. Ich soll also KRIEG mit dem Sohn eines gläubigen Adventisten spielen. Man, fühle ich mich schuldig…(nicht)!!!

„OKEEEEY kleiner Mann, ich mach dich alle!“

Es folgen 2 Stunden intensivster gegenseitiger Bombardierung und der Kleine hat richtig Spaß. Er jauchzt vor Freude, wenn er meine Soldaten platt macht und baut seine einfach immer wieder auf, wenn ich seine Truppe niedermache.

Währenddessen erzählt er mir einiges, doch sein englisch ist noch schlechter als mein Deutsch und so verbringen wir einen gemeinsamen Abend ohne jegliche Verständigung – mit Kriegsspielereien und einem fantastischen fetten Burger von Papa.

Nach ausschweifendem Massaker versuche ich ihm mit Händen und Füssen das Prinzip von Himmel und vor allem Hölle näher zu bringen und dass er seinem Papa ja nichts von unserem Spiel erzählen soll, um mich nicht in selbige zu bringen.

Hat er nicht verstanden…

 

 

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6 comments

  1. Sehr liebe Geschichte. Sieht man irgendwie wirklich selten, dass man einfach so mal das Leben der Leute auf Reisen miterleben darf. Aber vielleicht fragen wir ja zu wenig?

    • admin

      Vielen Dank Sil! Ja ganz genau, wir fragen viel zu wenig. Wer Interesse zeigt kriegt so viel zurück! Es lohnt sich!

  2. Ladinho

    Hallo Jonny,

    danke das wir mit Dir reisen dürfen.
    Ist immer wieder schön hier zu lesen.

    Weiterhin viel Spaß auf deiner Reise.

    Gruß Ladinho

    • admin

      Hey Ladinho,

      vielen Dank! Freut mich sehr, dass Du „mitreist“ 😀

      Liebe Grüße

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