Cook Island Adventisten (Part I)

Cook Island Adventisten (Part I)


ACHTUNG: Dieser Artikel enthält christlichen Inhalt.

Ich hätte da noch etwas von den Cook Islands nachzuliefern.

Hier wimmelt es nur so von kleinen Kirchen aller möglichen (noch nie gehörten) Glaubensrichtungen, die jedoch alle dem Christentum angehören:

  • Protestanten
  • Katholiken
  • Siebenten-Tags-Adventisten
  • Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (wow, what a name)
  • Zeugen Jehovas
  • Assembly of God
  • und
  • Apostolic Church.

Neben Protestanten (55%) und einigen katholischen Kirchen, fällt auf, dass die Siebenten-Tags-Adventisten stark vertreten sind, sowohl auf Rarotonga, als auch auf Aitutaki. Sie sind die drittstärkste Vertretung des christlichen Glaubens auf allen Cook-Inseln.

Auf Rarotonga alleine gibt es 4 Kirchen und eine Schule auf einem riesigen Areal der Adventisten, inkl. dazugehörigen Strand, der jedoch für die Öffentlichkeit nutzbar ist und keinerlei Anzeichen auf Privatbesitz aufweist. Auf Aitutaki gibt es 3 Kirchen. Bei einer Einwohnerzahl von 1.800 peoples ist das ne ganze Menge. 600 der 1.800 Inselbewohner sollen laut dem örtlichen Prediger Adventisten sein (zugegebenermaßen kam die Antwort sehr zögerlich, ich würde also nicht meine Hand dafür ins Feuer legen). Das ist eine Horde Adventisten auf so einem winzigen Eiland. Der Papst würde Kamelle schmeißen, wenn er die Quote auch nur annähernd erreichen würde.

Advent…Adventwhat?

Adventisten!

Klingt zunächst mal nach einer Sekte – sind sie aber nicht. Es sind Christen! Nichts anderes! Der christliche Glaube besteht eben nicht nur aus Katholiken und Protestanten. Mit Adventisten ist es ein bisschen so wie mit Aitutaki, das muss man sich mit eigenen Augen ansehen und ist nur schwer zu beschreiben. Adventisten sind ein ganz schön sympathischer Haufen, der sich äußerst bemüht und es auch schafft, Glauben mit Leben zu füllen und nicht nur alten Papyrus zu blättern.

Wer genug hat von altbackenem Chorgesang und nach einem modernen ausgerichteten, christlichen Glauben sucht, sollte sich mal eine Predigt antun. Die Kirche in Deiner Nähe findest Du hier:

www.adventisten.de

Ich beschließe also eine Adventisten-Kirche zu besuchen und treffe zur Eröffnung des Sabbaths am Freitag Abend auf einige Cookies (Locals) und den Prediger, 82 Jahre alt (nein, in Deutschland sind sie wirklich jünger).

Ich berichte, dass ich aus Deutschland komme und gerne einen Eindruck ihrer Kirche bekommen würde. Sie sind begeistert und heißen mich herzlich willkommen. Für sein Alter ist der Prediger eine ganz schön coole Sau. Ich frage ihn, ob die Sache hier eine oder zwei Stunden dauern wird. Er schaut mich entsetzt an und antwortet: „Nein mein Junge, eigentlich wollte ich hier schneller wieder raus sein. Vielleicht 30 Minuten.“

Er schafft es in 24!

 

Die Predigt beginnt. Gebannt hänge ich an seinen Lippen…mmhh???


Irgendwas stimmt da nicht. Was zum TEUFEL Geier erzählt der da?

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=V8fV_mwG1Co[/youtube]

Englisch ist die Landessprache, aber so schlecht spricht im nüchternen Zustand niemand Englisch. Der Typ predigt auf Cook Island Maori. Ich verstehe kein Wort, höre jedoch zwischendurch immer mal wieder meinen Namen,

„ahasapjv pjturabie Jonny“
„amopoajva kvaükv nvnain Jonny“
„Jonny kreptumi habtromini“

Er bezieht mich in seine Predigt ein. Schön. Schön. Nur, dass ich nichts verstehe. Dennoch, die Sprache ist faszinierend.

Irgendwann werde ich nach vorne gebeten, um mich vorzustellen und vom fernen Deutschland zu erzählen. Sie hören mir dankbar zu und sind ganz begeistert, als ich Kirchen in Deutschland beschreibe. Bis auf einige „Auserwählte“, die zu einem Kirchentag durch halb Europa reisen konnten, weiß die übrige Gemeinde rein gar nichts von Deutschland. Nur der Missbrauchskandal der katholischen Kirche ist bis in die Südsee bekannt geworden und so stellen sie einige Fragen dazu, die ich nach bestem Wissen beantworte.

Die Jugend

Am nächsten Tag besuche ich das Treffen der Adventisten-Jugend. Ein Mix aus Jung und Alt, von 8 bis 80. Und hier bestätigt sich das positive Bild der Siebenten-Tags-Adventisten Deutschlands. Ich befinde mich mitten in einem interaktiven Gottesdienst, in den jeder mit einbezogen wird. Hier sitzen keine untoten Christen, die durch Anwesenheit glänzen, um ihr Gewissen zu glätten. Dies bedeutet allerdings auch für mich, dass jegliche Versteckstrategie nicht funzt, vor allem nicht, wenn man katzenberger-blond ist.

Es werden Arbeitsgruppen gebildet und vier Bibeltexte werden verteilt. Die einzelnen Gruppen sollen nun den Inhalt des Bibeltextes interpretieren, das Ganze als Theaterstück aufführen und ein passendes Lied dazu singen. Die gesamte Gruppe ist sich einig, dass nur ICH das Ganze vortragen kann, GANZ tolle Idee. Wer sonst, wenn nicht ich! Mit einer Hingabe die seinesgleichen sucht, übernehme ich den Part.

Auch beim Gesang ist der Charakter der Adventistenmusik ähnlich der Deutschen. Nur eben das auf Englisch gesungen wird. Mit Gitarrenbegleitung, in Deutschland selbst mit Schlagzeug, Keyboard und E-Gitarre, Leute, da könnt ihr mir doch nicht erzählen, dass ihr Euch lieber lateinischen Singsang im Kölner Dom reinzieht. Schaut mal hier, wie toll die Kleinen singen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=AnrKCMcNhAs&feature=related[/youtube]

Einige der Besucher kennen mich bereits vom gestrigen Tag. Es hat sich herumgesprochen, dass der blonde „Junge“ aus dem „fernen“ Deutschland gekommen ist. Man bittet mich, nochmals nach vorne, um mich vorzustellen und etwas aus Deutschland zu erzählen.

Gar kein Thema. Also erzähle und erzähle ich…ich erzähl mir einen Wolf und muss mich selbst zügeln. Es macht Spaß, den interessierten Locals aus dem eigenen Land zu berichten, das für sie dermaßen unbekannt ist, dass ich vom Taka-Tuka-Land erzählen könnte und man würde mir glauben. Während ich so erzähle, kommt selbst mir Deutschland strange vor und man wirft mir kopfnickend Blicke zu, die den Anschein erwecken, dass ICH aus dem Busch komme und mich gerade im Mittelpunkt der Zivilisation befinde.

Dann halten sie mir eine Bibel unter die Nase. Ich soll einen Bibeltext ins Deutsche übersetzen. Der Sinn ist mir nicht ganz klar.

„Versteht hier jemand Deutsch?“ Alle schütteln den Kopf. Nein.

„Dann werdet ihr nichts verstehen. Richtig?“

„Das müssen wir nicht. Wir möchten unbedingt einmal Deine Sprache hören.“

Ok, jetzt ist es amtlich. Für die BIN ich ein Außerirdischer.

Neugierig hängen sie an meinen Lippen und nicken zufrieden, wie eine Gruppe Wissenschaftler, die eine neuentdeckte Spezies untersucht, als ich meinen Text auf Deutsch vortrage.

Anschließend wird gesungen. Nicht die gesamten Kirchenbesucher singen von ihren Plätzen, sondern von vorne kommt die Ansage:

„Ok, jeder der etwas Schwarzes trägt, kommt zum Singen nach vorne.“ Und wer trägt sein kleines Schwarzes? Richtig!

„Leute, ich kenn den Text doch gar nicht?!?! Null!!!“ Interessiert irgendwie niemanden. Beschämt erzähle ich, dass wir in Deutschland nicht sooo weit entwickelt sind und tatsächlich ALLES auf Deutsch praktizieren (interessant finde ich übrigens, das in kaum einem Land die „Synchronisation von Filmen“ bekannt ist. Entweder man spricht im Film die lokale Sprache oder schaut auf Englisch.)

Also gut, ich stelle mich wie ein schüchterner Messdiener in die Gruppe und glänze durch entsetzliche Gesanglosigkeit. Wenn ich mir das Ganze auf Video ansehe…finde ich, dass dies kaum aufgefallen ist?! Wie ein Chamäleon verschmelze ich mit den Locals,

ich bin der Chor!

Grad jetzt fällt mir allerdings etwas anderes auf…vielleicht hätte ich nicht unbedingt in meiner Badeshort in die Kirche gehen sollen, (ich hab wenigstens ein T-Shirt an, also…).

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=CS1r7pPXTfc&feature=related[/youtube]


Man muss mir jedoch zugute halten, dass ich zum Schluss des Songs wenigstens den Refrain begriffen habe und mit Stolz einen Satz mitsinge!

Wie man auf dem Video sieht, sitzt hier niemand stocksteif auf der Holzbank. Das würde der Mentalität der Cookies auch gar nicht gerecht werden. Jeder fläzt sich irgendwie hin, wie es grad gemütlich ist und die Kinder bewegen sich frei umher. Niemand nötigt sie wider ihrer Natur, ruhig auf der Bank zu sitzen und zuzuhören, ist mir sehr sympathisch.

Next. Wir spielen ein Spiel. Toll! Und zwar „Wer bin ich?“. Das hab ich schon als Kind gern gespielt. Vier Personen sollen nach vorne kommen und stellen eine biblische Figur dar. Diese Person muss nun durch Fragen an die übrige Gemeinde, die nur mit Ja oder Nein antworten darf, erraten, wer sie ist. Ein kleines Kind, soll die 4 Personen aussuchen. Während ich noch errechne, wie hoch meine Chance ist, verschont zu bleiben, höre ich meinen Namen aus den hinteren Reihen

„asovönan Jonny!“

„aonövonv Jonny!“

Und dann tönt es auch schon durchs Mikro „Jonny!?“ Oh, ich danke euch, im biblischen Figurenraten bin ich ein wahrer Experte!

Man erklärt mir: „Es ist ganz einfach, Du fragst: Bin ich ein Mensch, bin ich ein Mann, bin ich jung, bin ich alt, habe ich Kinder, bin ich verheiratet, bin ich Prophet, usw. ok?“

„Ok!“

“Bin ich Jesus?“

Die Menge „Noooooo“

Scheiße!

Nach nicht enden wollenden 10 Minuten und 1000en von Fragen merkt man mir wohl meine Hilflosigkeit an und flüstert mir den Namen von rechts zu.

„pssst…Jonas“
(Who the fuck is Jonas???)

„Jonas?“

„YEEEEESSSS“

Die Menge strahlt mich an. Man ich bin so bibelfest wie ein Anal-phabet. Das muss sich unbedingt ändern! (Henrik – HELP!)

Scheinbar ist Jonas irgendwie im Maul eines Wales gelandet. Keine Ahnung. Was für eine strange Geschichte (denke ICH!). Jedoch scheinen hier selbst die Kleinsten die Bibel wie aus dem FF zu kennen. Bei den anderen drei, dauert das Erraten keine Minute.

In den weiteren Aktivitäten wird der Gemeinde der Glaube weiterhin spielerisch nähergebracht, kein stupides Bibellesen. Die Kids und Älteren haben Spaß. Vorne werden scheinbar (auf Maori) Fragen zum Alten und Neuen Testament gestellt, man muss nicht lange nach antwortenden Schülern suchen, wie im deutschen Kommunionsunterricht. Begeistert wetteifern die Kids untereinander, zeigen stürmisch auf und möchten jede Frage beantworten.

Das Abschlusslied. Zum Glück bin ich schwarz weiss gekleidet, diesmal definitiv gute Chancen davonzukommen.

Von vorne:
Räusper „Jeder, der etwas, rotes, gelbes, blaues, pinkes, grünes oder WEISSES trägt, kommt bitte nach vorne.“

Treffer, versenkt.



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4 comments

    • admin

      haha, Melissa, dont tell me u know him! I´ll check it when i am back to Singa. 🙂

  1. nadin

    Cooler Reiseblog! Kompliment! Bin auf dem Weltreiseforum auf Deinen Blog gestossen und amüsiere mich jeweils prächtig über Deine witzige Erzählweise! 😉 Muntert meinen öden Arbeitsalltag auf und verkürzt das Warten auf meine Weltreise in 12 Monaten…! 🙁
    Übrigens ist das ein WordPress-Blog? Und hast Du die „Gratis-Version“ ? Versuch(t)e auch einen Reiseblog auf WP zu gestalten aber irgendwie hab ich den Dreh noch nicht raus..Naja hab ja noch ein wenig Zeit! 🙂 Keep enjoy ur trip!!
    Gruss aus der Schweiz lg Nadine

    • admin

      Hey Nadin,
      ich danke Dir, das freut mich sehr.
      Ja, das ist ein WordPress Blog. Wenn er erstmal steht ist alles ganz easy!
      LG

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