Dein privater 10-Bett-Dorm

Dein privater 10-Bett-Dorm

 

Anmerkung der Redaktion:
Einige Bilder zeigen chaotische Zustände in Hostels, die von Profis oder unter Aufsicht von Profis herbeigeführt wurden. Dies ist keine Anleitung oder Animierung zur Verunreinigung von oder Randale in Hostelräumen. Du bist kein Rockstar! Lookin for Jonny empfiehlt keine der beschriebenen Aktivitäten nachzuahmen. Alle in diesem Artikel erwähnten Tiere wurden pfleglich behandelt, bis sie (im Falle von Kakerlaken) hoffentlich oder (im Falle des Nagers) leider Gottes (aber nicht mit Absicht oder durch meine Hand und vielleicht sogar an Altersschwäche) zu Tode kamen.

Lookin for Jonny distanziert sich von jeglichen Schäden, die durch Befolgung der hier beschriebenen Vorgehensweise entstehen. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

(Heutzutage muss man sich ja gegen alles und jeden (Idioten) absichern.)

Für die emanzipierte Gemeinde sei festgehalten: Jegliche Beschreibung meines Insiderwissens der Hostel-Damenwelt ist an keiner Stelle diskriminierend oder frauenfeindlich zu verstehen (bitte bitte, schreibt mir nicht!).

Das nervigste überhaupt nach einigen Monaten der Reise sind Dorm Rooms. Alleine das Wort kommt mir nur noch mit einem Grausen über die Lippen.

„Und Du willst ein Backpacker sein?“

„Ja!“ Doch wenn man seine Reise in Asien beginnt und in den Genuss eines privaten, strohbedeckten Strandbungalows kommt, der direkt einem Kitschfilm entsprungen zu sein scheint – unter wehenden Palmen mit Blick aufs Meer – für lächerliche 6 Euronen die Nacht, dann ist es nur schwer zu verkraften in Australien, Neuseeland oder Singapur den dreifachen Obulus für ein stinkendes 10 Bett Dorm auf den Tisch zu legen.

Ein Raum voller Bariton schnarchender, verschwitzter Backpacker, rücksichtslos laut, keine Minute Schlaf, ein ständiges Ein- und Auschecken, der käsige Duft von müde gelatschten Schweißquanten, im Minutentakt beepende Handys bei Nacht, die ständige Konfrontation mit nackten Männerärschen…ein Traum!

Wer jedoch glaubt, der Männerdorm sei die Folterkammer des Travellers, der hat noch nicht mit 7 Mädels in einem Raum genächtigt. Jonny hat!

Australien 2011:

„Jonny, i only have a room with 7 girls inside, are you ok with that?!“

„Sorry???“

8 Bett Dorm mit 7 Mädels und ein Bett ist noch frei, ob das ok für mich ist?

OK?!

JACKPOTTTTT!!!!

Jonny Phantasien:

Mich erwartet ein nach Rosenblüten duftender Raum voller elfenhaft schlanker, abenteuerlustiger Backpacker-Amazonen. Eine ruhige Nacht, mit süß hauchenden Ladies. Alles ist akkurat aufgeräumt. Der Raum gleicht dem Showroom eines Möbelhauses. Alles hat seinen Platz und Jonny kann seine Instant Noodles vom Boden essen, weil gleich nach der Reinigungskraft, die Mädels freudig erregt mit einem feuchten, duftenden Tuch nachwischen.

Ein rücksichtsvolles, respektvolles Miteinander. Das Bad ist bei offener Tür niemals durch mehr als drei blonde, schwedische Drillingsschwestern belegt, die gemeinsam ein Bad nehmen. Auf einer pinken Wäscheleine, zwischen 2 Betten gespannt, hängen lustige Hello Kitty Strandtücher zum trockenen und aus sanft summenden Vibrations-Iphones in bunten Straßstein-Schalen, trällert Jack Johnson gechillte Surfmelodien als Klingelton. Ständiges, gut gelauntes Mädchengekicher, das wie eine monotone Einschlafmelodie meine rosaroten Träume einläutet…

Die bittere Realität:


Bad? Vermutlich hatten wir eins, ich könnte es nicht mit absoluter Sicherheit beschwören. Da war dieser Raum – er war zu jeder Tages- und Nachtzeit verschlossen. 7 Frauen in einem Raum bedeutet, Du wirst ein eventuell vorhandenes Badezimmer nie zu Gesicht bekommen, denn es ist dauerbelegt! Von Körperpflege abgesehen, ist das Bad der passende Ort für jegliche Form von Gossip und Frauengesprächen.

Ein Meer an Plastiktüten flutet den Schlafraum, gefüllt mit unnötigen Souvenirs, die kein Backpacker der Welt transportieren könnte, worüber wir uns Gedanken machen können, wenn der Rucksack wieder gepackt werden muss.

Eine Tonne bewusstseinserweiternder Drogen wäre nötig, um den strengen, Schleimhäute wegätzenden Gestank von 7 Nägel lackierenden Girls, nach Rosenblüten duften zu lassen. Ordinäres einfarbiges Nägel lackieren war gestern, wer nicht einen halben van Gogh auf dem Nagel spazieren trägt, ist sowas von out!

Die Sichtweite beträgt trübe 50cm, nachdem sich die wilde Horde mit einem pro Kopf Verbrauch von 500ml Haarlack einnebelt.

Während im Männerdorm der ein oder andere zarte Schnarcher meinen wohlverdienten Schlaf störte, vernichten 7 Frauen munter ein kanadisches Mammutbaum-Sägewerk. Ja, dass Frauen nicht schnarchen, ist ein Mythos!

Auf weitere Details möchte ich meines Email-Postfachs zuliebe nicht weiter eingehen.

Singapur 2011:

Ich sollte meine Stratege ändern. „Sorry, do u have Gay Dorms?!“ dürfte jedoch nicht die beste Idee für eine ruhige Nacht sein. Irgendetwas muss anders werden. Ich brauche Schlaf, nach einigen Monaten des Reisens das kostbarste Gut des Backpackers…erholsamer, wohltuender Schlaf. Hotelzimmer in Singapur sind unverschämt teuer. Und so entwickle ich für meinen langen Aufenthalt in Singapur, die ultimative Strategie für ein Einzelzimmer in einem Mehrbettdorm…6 Wochen lang!!!

Solch ein Raum für Dich alleine!? Jede Nacht ein frisches Bett?
Mit der Jonny-Strategie kein Thema mehr!

Phase 1
Ergattern eines leeren Dormrooms

Täusche schwere Krankheit vor, huste tuberkulös und mache der Rezeptionistin glaubhaft, dass Du Dich ganz schlimm erkältet hast und Deine Bazillen über die Aircon die übrigen Gäste des Raums infizieren könnten. Berichte von hohem Fieber und frage nach einem unbelegten Dorm Room, um Dich auskurieren zu können und die Gesundheit der anderen Gäste nicht zu gefährden.

Sei einfach die Seuchenschleuder in Person. Erkläre ihr den wissenschaftlichen Vorgang der Viren-Kontamination und die bestehenden Risiken für die asiatische Bevölkerung, wenn nicht eine umgehende Quarantänisierung eingeleitet wird.

Phase 2

Revier abstecken und Messi-Bombe zünden

Rucksack auspacken, alles was geht! Der Inhalt eines 70l Rücksacks ist locker imstande mindestens 5 Betten zu belegen. Besser ihr seid zu zweit. Dann ist die Eroberung eines 8- oder 10-Bett Dorms kein Thema mehr.

Hier ein Beispiel für ein 8-Bett Dorm, belegt von mir und meinem Schweizer Messi-Kollegen Jo.

Deutsche Seite

Schweizer Seite (Bett 2 und 4 auf der rechten Seite wirken noch gefährlich belegbar-hier muss Jo noch eine Menge lernen.)

Keinesfalls ordentlich die Klamotten zurechtlegen. Rubbish Look ist angesagt. Es muss aussehen wie bei Euch zu Hause, als wäre die gemeine Messi-Bombe eingeschlagen. Wenn ihr nicht genügend Material dabei habt, einfach irgendwelchen Müll von der Straße besorgen. Leere Vodka-Flaschen verteilen. Schuhe nie auf den Boden stellen, sondern grundsätzlich aufs Bett (Bild 1), schließlich habt ihr große (und meist berechtigte) Angst vor Kakerlaken. Auch Tiere machen immer eine gute Figur. Streunende Katzen oder Hundebabys, ganz nice! Ich entscheide mich für den gemeinen Nager. Futter in Form von Maulwurf großen Kakerlaken für den Kleinen, liefert das Hostel in der Regel for free.


obligatorische Mitbewohner in vielen Hostels weltweit

Phase 3

Präsentations- und Überzeugungsphase

Der Raum ist eine derartige Katastrophe, dass die Reinigungskraft nicht lange zögert, dem Inhaber umgehend Meldung zu machen. Zuvor hast Du ihr glaubhaft versichert, dass ein Reinigen des Raums beim besten Willen nicht von Nöten ist, weil es gleich anschließend ohnehin wieder ganz genauso aussehen würde. Beim Raumcheck durch den Inhaber und entsetztem Auffordern die übrigen Betten zu räumen, lautet die einleuchtende Erklärung:

„Sorry, doch beim besten Willen, WO bitteschön, soll ich denn meinen ganzen Kram hinräumen?! Es gibt ja nicht mal einen Schrank in diesem Hostel.“ (Es gibt nie Schränke in Hostels. Aber wen juckt das schon).

Die Aufforderung zur Räumung der leeren Betten wird ggf. täglich erfolgen. Doch meiner Erfahrung nach, habt ihr den Raum nun fast schon für Euch!

Versucht das Hostelpersonal dennoch andere Gäste einzuchecken, habt ihr etwas falsch gemacht. Dann seid Ihr kranke Ordnungsfanatiker, einfach nicht messi genug! Sorgt vor! Für diesen Fall sollte der Raum gleich nach Phase 3 in einen wesentlich schlimmeren Zustand gebracht werden, falls der Zustand sich noch steigern lässt. (Glaubt mir, er lässt sich immer steigern).

viel zu aufgeräumtes Hostelzimmer in Santa Monica.

Phase 4
Ground Zero (Tatsachenbericht Singapore)

Mitarbeiter betritt mit neuem Gast den Raum.

„Ok, Du kannst Dir ein Bett aussuchen.“

„Welches denn, die sind doch alle belegt?! Ich dachte es sind nur 2 Personen im Raum?!“

„Ja, sind es auch.“

„Nein, es sieht aus, als wären alle 8 Betten belegt.“

Mitarbeiter bewegt sich in Deine Richtung, Dein Körper liegt scheinbar leblos im Bett. (Besser noch: nackt und leblos.). Du hast die ganze Nacht gesoffen, wie ein Treibstoffvergaser. Jetzt Tot stellen!

„Sorry…please wake up.“

Tot stellen!

„Sorry…HELLO?!“

Tot stellen!

„Jonny?“

Erfolgsquote 100%!

Hier checkt heute niemand mehr ein. Sie bringt den Gast in einen anderen Raum.

Phase 5
Du hast es geschafft… (Tatsachenbericht!)

…wenn die Tür lediglich einen Spalt weit aufgeht und der Kopf des Hostelmitarbeiters hineinlugt, nur um sich zu vergewissern, dass der Zustand des Raumes sich nicht verändert hat. Die Bettwäsche in der Hand, den neuen Gast im Rücken, wird sie vermeiden, dass dieser den Raum überhaupt zu Gesicht bekommt.

Sie verlässt rückwärts und wortlos den Raum und bringt den Gast ohne jede Diskussion in ein anderes Zimmer.

Warum nicht gleich so…

Wie bei jeder erfolgreichen Strategie, gibt es auch bei dieser leider nicht nur Gewinner. Hier mein treuer Freund, named Speedy Gonzales, gefangen in der klebrigen Masse einer Lebendmausefalle. Er war mir ein treuer Diener.

Möge er in Frieden weiter (k)leben!

True Story!

 

 

 

 

 

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11 comments

  1. Einmal mehr unterhaltsam zu lesen, wenn auch sehr weit hergeholt. Dass mag in diesem einen Hostel in Singapur funktioniert haben, doch die meisten Hostels haben Ihre Software und schicken Dich alleine auf Dein Zimmer. Da kann es noch so belegt aussehen, wenn ein neuer Gast kommt musst Du eben Platz machen. Zudem klauen Backpacker (besonders in Australien) sehr viel, wer da sein Zeug ausbreitet ist selber schuld.

    • admin

      yo, ich würde sogar ehrlicherweise sagen: in jedem anderen Hostel wären wir hochkant rausgeflogen 😀 deswegen schrieb ich ja „bloß nicht nachmachen“.

      Der Artikel ist logischerweise also nicht zu ernst zu nehmen 😀

  2. Pingback: Die besten Reise-Blogposts im Juli | Planet Backpack

    • admin

      Wenn man sich erstmal eingenistet hat, geht das schon 🙂

  3. Tim

    Netter Bericht.
    Man liest gar nicht mehr wo du steckst?! Mitten in der See? (Laut Googlekarte)

    • admin

      In der norwegischen See, um genau zu sein 🙂

  4. Sandra

    Ich kann gut verstehen das du es irgendwann satt hast,
    aber stell dir vor da bist du nicht der einzige Backpacker.

    Jeder Backpacker der länger als zwei Monate unterwegs ist kommt an den Punkt an dem man sich nicht mehr sicher ist wie die Worte Privatsphäre und Hygiene geschieben werden.
    Ich finde es toll das du in deinen Bericht selbst sagst, das du sicher wo anders rausgeflogen wärst, das das hier besser keiner machen sollte und alles auch nicht wirklich erst zu nehmen ist.

    „Also bitte versteh mich nicht falsche und bitte, bitte halte fest, dass meine Meinung keineswegs als diskriminierend oder männerfeindlich aufzufassen ist“, aber so ein Beitrag kann wirklich nur von einem Mann kommen, auf solche Ideen würden wir nicht mal kommen.

    Vielleicht hast du noch nicht darüber nachgedacht das es vielen anderen genauso gehen könnte und die nicht so einen Affentanz veranstalten, sondern sich trotz allem wie „zivilisierte“ Menschen verhalten.
    Du musst ja schließlich in keinem Hostel schlafen, geh campen oder schlaf am Strand, informiere dich doch, du hast immer die Wahl und sich über eine selbstgetroffen Wahl zu beschweren finde ich äußerst grotesk.
    Vielleicht ist dir auch nicht bewusst, das Leute wie du es anderen Backpacker durch so ein blödes Verhalten in Hostels wesentlich schwerer machen.

    Zustände wie auf diesen Fotos „professionell“ herbeizuführen, finde ich jedoch in jedem Fall wirklich unprofessionell.
    Warum nicht ein paar mehr Fotos von everyday-dorms einstellen, das hätte ausgereicht um Angst und Schrecken zu verbreiten, wäre aber weit aus ehrlicher, realistischer und vielleicht sogar ein wenig informativ gewesen.

    Jedes Land ist anders und das ist doch auch der Grund warum wir reisen, oder?
    Das ein Hostel in Australien mehr kostet als eine Hütte in Birma ist allen klar, aber mit so einem Beitrag bringt man bescheuerte Leute nur auf noch bescheuertere Ideen.

    Lustig zu lesen war es aber alle Mal, dem Wort „nett“ kann ich mich jedoch nicht anschließen.

    • admin

      Wou wou wou…fühlt sich an als hätte ich rechts und links eine über die MÜtze bekommen 😉 Ich danke Dir für Deine Kritik Sandra.
      Wir haben doch keinen künstlichen Affentanz veranstaltet?! Thats the way we are…alles auf ganz natürlichem Wege entstanden…tse Jungs…

      Ich habe mich auch keineswegs über eine selbstgetroffene Wahl beschwert, wie Du richtigerweise kritisieren könntest, nein, ich habe nur das böse Übel zu meinem Besten gewendet und meine aus budgetgründen getroffene Wahl, etwas erträglicher gestaltet! 😉

      Und ich habe es durch mein Verhalten auch nicht anderen Backpackern schwerer gemacht. Genauer gesagt ist das Mädel an der Rezeption, das mich dort so lange ertragen mußte, inzwischen einer meiner besten und engsten Freunde geworden und lacht heute noch herzlich über den Zustand unseres Zimmers und Zitat (Achtung, jetzt ganz aufmerksam sein!):

      „Jonny, Mixdorms sind schlimm, Männerräume ekelhaft, aber was in Mädelsdorms abgeht, möchtest Du nicht wissen und wir manchmal nicht reinigen.“ Zitat Ende.

      Und um aus dem Nähkästechen zu plaudern…everydaydorm? Damit meinst Du sicher, ein realistisches Foto eines Dormrooms, wie es in Wirklichkeit ausschaut, ohne den Zustand künstlich herbeigeführt zu haben? GENAU das ist es! DAS sind alles realistische Fotos! Ich fands nur lustig, daraus diesen Artikel zu konstruieren, als wir eines Tages feststellten, dass wir tatsächlich keine neuen Gäste in den Raum bekamen.

      In diesem Sinne.
      Cheerz

  5. Ronald

    Hallo Jonny,

    irgendwie kann es doch nicht die Lösung sein, sich als Antwort auf das Messitum der Anderen noch messihafter zu verhalten, um menschenwürdig zu nächtigen. Ich vermute aber, die „Bitte“ an 7-9 Mitbewohner(innen), sich gemäß dem Kant´schen Imperativ zu verhalten, ist auch wenig fruchtbar.

    Gibt es denn keine Alternative zum Dorm? Ist es immer sooo schlimm? Kann man keine „Dormiquette“ erfinden (das wäre doch mal was…, falls sich jemand dran hält…)

    • admin

      Das hängt im wesentlichen davon ab mit welchen Leuten man zusammen wohnt und wie gut das Hostel geführt wird. 9 Leute, die gut drauf sind, nützen nichts, wenns ein Dreckshostel. Und das sauberste Hostel bringt Dir nichts, wenn Du mit 9 verwahrlosten Backpackern wie sie im Buche stehen zusammen lebst.

      Aber ich möchte der Backpacker Community zu Gute halten, dass ich zumindest eine Handvoll (das sind 5) Jungs getroffen habe, die ihr Bettwäsche morgens zusammen gelegt und das Kissen ausgeschüttelt und ihre benutzte Unterwäsche nicht über den Bettpfosten gehangen haben. Bravo!

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