Die Insel…

Die Insel…

Es ist eine Geschichte wie aus einem leo-di-caprio-gewordenen Traum. Jede Reise hat ein Ziel. Nicht jedoch eine Weltreise. Wo ist da das Ziel? Eine Trauminsel? Das andere Ende der Welt? Lebend sein zu Hause zu erreichen? Vermutlich ist der Weg das Ziel. Doch dann ist man ständig auf dem Sprung, immer auf der Durchreise, nie wirklich angekommen. Ein Zustand, der Hetze und Stress verspricht. Das ist unbefriedigend. Nichts für mich. Es muss einen Höhepunkt geben, etwas, das alles andere in den Schatten stellt. Einen Ort, der an Schönheit nicht zu überbieten ist und dennoch so exotisch und wenig touristisch, dass ihn nicht jeder Pauschaltouri bereits bereist hat. Ich brauche etwas, wonach ich meinen Kompass ausrichten kann. Doch es muss etwas besonderes, einzigartiges, uniques sein. Ein Geheimtipp – ein ZIEL. Und ich habe eins, von Anfang an.

Es gibt da diese Insel.

Traveller, die wirklich alles gesehen haben, was gierige Globetrotteraugen erblicken können, berichteten mir von ihr. Zum ersten mal vor etwa 3 Jahren. Und dann wieder. Und wieder. Ich gehe also ins Reisebüro…und ernte nur fragende Gesichter. Vielreisende Freunde, denen ich von ihr erzähle, haben nie von ihr gehört. Und doch treffe ich immer wieder auf Langzeitreisende, die diese Insel kennen. Wer von ihr erzählt, hat diesen seltsam sehnsüchtigen Blick drauf, dann folgt meist Demut. Sie berichten von ihr, wie von einer Heiligen. Bringen die hart klingende exotische Inselbezeichnung so weich über die Lippen, wie den Namen einer Geliebten. Von Anfang an ist mir klar, dass hier von etwas Besonderem die Rede ist…und dass ich irgendwie dahin muss.

Wenn ich nach Details frage und betone, dass ich ein penibler Strandfanatiker bin, der auf alles, wirklich alles achtet und infrage stelle, dass der Strand meinen Ansprüchen genügt, da ich bereits bei anderen sogenannten Traumstränden bitte enttäuscht wurde, ernte ich nur mitleidvolle Blicke.

„Was auch immer Du bisher gesehen hast, wird nicht annähernd an das herankommen, was Dich dort erwartet. Und anschließend wirst Du den Begriff Traumstrand neu definieren. Vielleicht solltest Du besser nicht hinfahren, denn Du wirst nie wieder irgendwo auf dieser Welt jemals wieder zufrieden mit einem Strand sein.“

Die Gespräche über diese Insel gleichen einander, ein Überbieten der Superlative, ein Fixing meiner Erwartungen auf dem höchsten vorstellbaren Punkt meiner Skala für einen Traumstrand auf einer Trauminsel.

Sie befindet sich mitten im pazifischen Ozean, am anderen Ende der Welt, mitten im endlosen blauen Nichts des Südpazifiks. Auf einer Weltkugel nicht zu finden. Klein wie ein Staubkorn. Umgeben von einem beeindruckend geformten Riff. Wenn Sie am Horizont erscheint, soll ein Raunen durch den Flieger gehen. Menschen kleben mit ihren Nasen am Plexiglas, speichern jede Sekunde des atemberaubenden Anflugs…so die „Wissenden“, die ich nach den ersten Berichten beneide, wie den Zirkel eines elitären Geheimbundes, der das größte Geheimnis der Menschheit hütet. Diese Insel ist der heilige Gral as himself.

Wenn Australien für Dich das Ende der Welt bedeutet, Neuseeland der weiteste Flecken Erde ist, den Du Dir vorstellen kannst, dann unterschlägst Du den schönsten Teil unserer Erde, eine weitere Viertel Weltumrundung entfernt, 12 lange Flugstunden alleine von Nordaustralien. Die Welt hört in Neuseeland nicht auf, sie fängt dort gerade erst an…mit der

SÜDSEE – der Königsklasse des Strandurlaubs.

Und ständig muss mich mir anhören:

„Sowas hast Du noch nicht gesehen. Stell Dir den schönsten Strand vor, an dem Du jemals lagst, mit weißem puderfeinen Sand, türkisfarbenem glasklaren Wasser, palmengesäumt, irgendwelche Hulamädchen, die Dir Blumenketten um den Hals schmeißen, egal was. Dann hast Du immer noch keine Ahnung, zu was diese Insel fähig ist. Das ist mindfucking der höchsten Güte. Es übersteigt Deine scheiß Vorstellungskraft.“

„Diese Insel ist nicht von dieser Welt! Wenn Du dort nicht warst, bist Du nicht gereist. Wenn Du so ein Strandjunkie bist, flieg unbedingt hin! Die Anreise ist eine Tortur und Du scheinst unendlich lang zu fliegen. Es kostet Dich ein Vermögen aber es lohnt sich….glaub mir, es lohnt sich!!! Diese Insel ist ein Schatz! Das mag sich für Dich wie irgendein „The Beach“ scheiß anhören oder so, ist es nicht. Es ist 1 Mio. mal besser…nur ohne Hanfplantagen man, leider ohne Hanfplantagen.“

„Bora Bora? Von Bora Bora kann nur jemand sprechen, der noch nicht auf dieser Insel war. Flieg nach Bora Bora und Du wirst zu recht sagen, es war die schönste Insel DEINES Lebens, die schönste die DU je gesehen hast. Doch dies ist die verdammt nochmal schönste Insel dieses unendlichen Universums. Wenn du die perfekte Insel suchst, DAS ist sie.“

„Das war wirklich und ohne Übertreibung das Schönste, was ich jemals in meinem Leben gesehen habe, der wahrgewordene Südseetraum. Zu schön, um wahr zu sein. Die Reise wirst Du Dein Leben lang nicht vergessen. Es ist einfach unfassbar schön und nicht in Worte zu fassen.“

Ich hasse es, wenn Leute meine Erwartungen so hoch schrauben. Es wird also Zeit, fürs andere Ende der Welt. Ich plane meine Reise um diese Insel herum, sie bildet den zentralen Punkt meiner Reise. Koh Phangan, Koh Tao, Koh Samui, Ko Nangyuen, Bali, Lombok, Lembongan Island, Gili Islands, Perhentian Islands, Sentosa Island, Ceningan Island…ich bin ein Inselfanatiker, völlig eilandgestört, doch das war nur der Weg dorthin, das lockere Aufwärmtraining. 90 Tage der Reise durch Asien und nun ist es endlich soweit. Ich befinde mich in unmittelbarer Nähe, meinem Traum zum Greifen nah. Quasi in Rüberspuckdistanz. Die letzten 10.000km über Australien, Neuseeland und einen Großteil der Südsee ziehe ich in einem Stück mit 6 Flügen durch. Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich trete meinen vorletzten Flug Richtung Paradies an und fliege auf die Cook Islands, nach Rarotonga, um mein letztes Stretching vorzunehmen, und gut vorbereitet am Ziel meiner Träume einzutreffen. Nicht, dass mich beim bloßen Anblick sonst der Schlag trifft, nach dem, was mir die Leute da erzählen.

 

Die ernste Dame am CheckIn Schalter prüft mein Ticket mit apathischem Blick. Auf dem Ticket steht nicht mein Endziel, sondern Rarotonga. Dennoch weiß sie sofort Bescheid. Sie hebt den Kopf, sieht mir in die Augen, legt die Tickets bedächtig auf den Schalter und ihre beiden Hände darauf, als wolle sie sich daran wärmen (Leute ich übertreibe nicht, das ist wirklich alles so passiert. Ich schwörs!). Hinter mir eine 20 Meter lange Schlange. Die ersten Köpfe neigen sie rechts und links an den Wartenden vorbei (hier checken Passagiere für alle Ziele Air New Zealands ein, nicht nur nach Rarotonga). Sie nimmt sich Zeit, bei dem, was sie mir nun sagen möchte. Ich spüre, dass etwas in ihr vorgeht. Und nach einer bedächtigen Pause sagt sie:

Mein Herr, sie fliegen auf die schönste Insel dieser Erde.“ Ich smile sie an „Ich weiß. Ja, ich weiß“ „Nein das tun sie nicht, wirklich! Ich komme viel rum, ich war überall auf der Welt, ich habe jede verdammte Insel gesehen, die man auf einer Weltkarte mit bloßem Auge erkennen kann. Ich kenne die komplette Südsee, wie meine Westentasche. So viele wunderschöne Inseln. Aber dieser Ort ist das Paradies auf Erden. Unvergleichlich. Der Strand, das Wasser, die Unterwasserwelt, die Menschen, die Atmosphäre, einfach alles. Diesen Flair werden Sie nirgendwo auf der Welt wiederfinden und sie werden die freundlichsten Menschen der Welt treffen.“

Sie legt mir die Bordkarte in die Hand, als wäre sie aus purem Gold und lächelt mich mit ihrem runden sympathischen Gesicht zuckersüß an „Genießen Sie jede Sekunde.“, um sich dann mit harter Stimme an die wartende Schlange zu wenden „NEXT.“


Und es bestätigt sich auf meinem bisherigen Weg, dass es eine gewisse innere Leere nimmt, ein Endziel oder vielmehr Hauptziel zu definieren. Es gibt ein Ankommen, nicht nur ein ständiges Durchreisen. Ich zwinge mich in Koh Phangan, Singapur und Bali zu längeren Stopps von 2-3 Wochen, um zu Verschnaufen, mal runterzukommen. Das hilft zwar, doch die ständigen Gedanken um die Organisation der Weiterreise halten einen dermaßen auf Trab, dass man dem anhaltenden Reisestress kaum entkommt. Schrecklich, dann kein Ziel zu haben, nur eine Route, die irgendwann wieder zu Hause endet. Ich will es anders machen und definiere mein Ziel, es gibt der Reise mehr Sinn. Alles was danach kommt, ist das Sahnehäubchen, das ich von meinem Strandcornetto lecke, alles folgende, is nice to see, doch zunächst geht es 3 Monate lang nur um eins…ankommen. Ankommen im Paradies auf Erden, in der Königsklasse aller Inselträume – der Südsee. Und hier in den Rolls Royce der Südsee zu steigen…

 

AITUTAKI!

Oh das? Nein, das ist nur Rarotonga, die hässliche große Schwester Aitutakis.



 

 

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20 comments

  1. Dawid

    So hat jede Trauminsel mal angefangen…bis sie Touristen überrannt wurden.

    Lösche den Beitrag wieder und bewahre es in deinem Herzen…nur so kannst du wieder zurückkommen und dann das vorfinden, was du gerade das erste mal erlebst…

    Für MICH war Dreamland auf Bali ein Stück „vergessene Welt“ bis ich deine Bilder und diesen Hotelbunker gesehen habe…es tut weh zu sehen, wie Naturschönheit dem Tourismus zum Opfer fällt…

    ich freue mich für dich, Dennis! Du bist angekommen! Brenne dir die Erlebnisse in deinen Hirn, du wirst oft, sehr oft an diese Momente denken und nochmal durchleben…

    • admin

      Wahre und schöne Worte Dawid.

      Zum Glück sind die Cook Islands kein asiatisches Schnäppchenparadies, das gibt mir die Hoffnung, dass es hier nie wirklich so touristisch wird, wie auf Bali.

  2. Jo

    und ich sitze hier im Büro und es regnet draußen…;-(

      • Jo

        aber nur noch knapp 2 Wochen, dann werde ich in Südostasien für 6 Wochen ein wenig auf Deinen Spuren wandeln…;-)))

          • Jo

            3 Wochen Thailand, dann Laos, Kambodscha und aus Saigon zurück, insgesamt 6 Wochen – immerhin!

          • admin

            Sehr geil! Viel Spass dabei! Und nicht übertreiben beim Tubing 🙂

  3. Simone

    Hab mir den Namen in mein Hirn gebrannt, los, lösch den Artikel wirklich und bleib da! 🙂

  4. chiara

    Ich bin eigentlich kein neidischer Mensch, aber heute tue ich mich verdammt schwer mit dem „Gönnenkönnen“. Richtig, lösch den Artikel, zerreiß Dein Rückflugticket und genieße jede Sekunde. 🙂 🙂 🙂

    • Great article but it didn’t have evetryinhg—I didn’t find the kitchen sink!

  5. Kay

    Toller Bericht. Ich hatte bei meinem Besuch in Neuseeland eigentlich vor auf die Cook Islands zu fliegen habs aber leider nicht mehr geschafft, jetzt darf ich mich mal kurz ne Runde ärgern gehen… nächstesmal! Wie wärs mit nem Tipp für ne günstige Unterkunft am Traumstrand?
    Super Bericht mal wieder! 😀

  6. Pingback: Lookin for Jonny – Weltreiseblog | Lookin for Jonny

  7. Wieland

    Hi Jonny, wo hast du in Raro übernachtet? Hast du Tips? Bin dort in vier Monaten!

  8. Pingback: Kosten auf den Cook Islands

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