Highway No. 1 – von Monterey über Neuseeland bis LA

Highway No. 1 – von Monterey über Neuseeland bis LA

5 Stunden für ein Viertel der Strecke?! Ich beschließe heute GANZ früh rauszukommen, will den Rest der Strecke heute durchziehen. Also gesagt getan, zur unmenschlichsten Zeit, mittags um 12 starte ich (Morgenstund ist ein Arsch!).

Big Sur steht an. Dort

„…wo sich Berge und der Ozean zu einem dramatischen Rendezvous treffen. Das ist die schönste Begegnung von Land und See, die es auf der Erde gibt.“

wie Robert Louis Stevenson (Die Schatzinsel) Big Sur beschreibt.

Die schroffe Felsküste setzt sich fort. Die Berge werden immer höher und erreichen mit dem Cone Peak, dem höchsten Gipfel des kalifornischen Küstengebirges, 1571m. Nicht viele Fahrzeuge teilen sich mit mir die Straße, die Natur wirkt jungfräulich unberührt und die Fahrt ist, wie bereits am Tag zuvor, mehr als überwältigend. Der einzige Eingriff in die Natur, scheint der Bau dieser Strasse zu sein. Das Gebiet ist kaum besiedelt, die USA hat ganz schön viel Land….mächtig viel. Zum ersten mal wird mir die Größe der USA bewusst und das obwohl ich nur an der Küste entlang fahre. Und ich entwickle ein Verständnis für den Stolz der Amerikaner auf diesen wunderschönen Flecken Erde.

Inzwischen werden die Berge von tiefen Schneisen durchzogen. Riesige fotogene Brücken mit Rundbogenstützen sitzen wie Legobrücken in den Bergen, als hätte sie jemand zwischen die Felswände gekeilt. Immer, wenn ich glaube, mich gerade an der Landschaft und dem überwältigenden Anblick satt gesehen zu haben, ändert sie sich. Es wird grüner. Wälder und grüne Wiesen ziehen sich über die Berghänge. Einsam stehen Kühe irgendwo auf einer Weide und grasen. Das tiefblaue Wasser bekommt einen leicht türkisen Schimmer in Strandnähe. Ich bin in Neuseeland.

Rechts von mir geht es Hundert Meter in die Tiefe.  Nur eine schmale Leitplanke oder rein gar nichts trennt den Verkehr vom freien Fall Richtung Ozean. An einigen Stellen wird mir mulmig, als Schotter auf der Straße liegt und der Wagen leicht driftet. Ab und zu verwechsle ich km/h mit Meilen und mir wird bewusst, dass ich zu schnell fahre. Im Radio läuft die perfekte Roadtrip Musik, als wenn alles rundherum auf  das ultimative Highway No. 1 Feeling abgestimmt sei, bis irgendwann das mächtige Gebirge keine Radiowellen mehr durchdringen lässt. Nur noch ein Rauschen…(aber wozu hat man einen ipod). Weit weit unten grunzen Seelöwen um die Wette.

Die Fahrt ist purer Genuss. Ich bin alleine und genieße dies in vollen Zügen. Und zum 1000sten mal bestätigt sich der Vorteil des Alleinreisens. Ich bin froh, dass niemand auf dem Beifahrer sitzt, niemand der mich vollquatscht und von meinen Eindrücken ablenkt. Ich sauge gierig alles in mich auf. Ich sitze in völliger Einsamkeit am Abgrund der Steilküste, zwischen mir und dem Meer rein gar nichts.

Ich fühle mich frei, kann stoppen, 1 Mio. Fotos schießen und tun und lassen, was ich will. Die USA -und ich dachte immer das wäre nichts anderes, als eine leere Phrase- vermittelt definitiv ein Gefühl von Freiheit, insbesondere die Fahrt über den Highway No 1. Nicht auszudenken, wenn ich jetzt noch einen anderen Menschen bei mir hätte oder schlimmer noch, eine Frau!

Auf einem Parkplatz lege ich eine Pause ein. Sofort kommen Eichhörnchen angerannt, stellen sich auf die Hinterfüße und schauen mich neugierig an.

„Ja was guckst Du so blöd?!“

Das Eichhörnchen antwortet: „Ich will eine Nuss.“

(Diese Passage war reine Fiktion.)

Nach einer Weile erreiche ich einen weiteren Parkplatz. Dutzende von Menschen glotzen auf einen Strand. Als ich mich nähere, sehe ich weshalb. 100 Tonnen Fett am Strand. Oh, ich bin in England.

Der Highway No 1 entwickelt sich zum reinsten Zoo.

Hunderte von Seelöwen fläzen ihren fetten faulen Körper im Sand, die Speckhaut schimmert silbern in der Sonne und sie geben (unartig) tiefe grunzende Laute von sich. Ab und zu bewegt sich eines der Tiere, richtet seinen schweren Körper auf, beschließt dann jedoch, sich wieder in den Sand plumpsen zu lassen, weil jede Bewegung zum unnötigen Fettabbau führen könnte (ich weiß genau, wie er sich fühlt).

Die Landschaft wird nun deutlich flacher, ich fahre auf Meereshöhe. Links erheben sich weiterhin einige Hügel, die jedoch deutlich niedriger sind, als das Gebirge. Sie sind saftig grün, Nadelbäume zieren die Hügelspitzen, einige Häuser wurden in die Steigung gebaut…ich bin in Deutschland!

Nicht mehr weit bis LA. Vorher liegt Santa Barbara zu meiner Linken. Wenn ich es nicht eilig hätte, würde ich der Stadt definitiv einen Besuch abstatten. Santa Barbara ist komplett ins Tal, sowie ins Grünland des Berghangs gebaut, im Rücken eine riesige karge Gebirgskette und einen langen Sandstrand zum Abschluss mit perfekten Wellen und den ersten Surfern im Wasser. Ich bin in…Santa Barbara. Eine derartige Kombination aus Berg, Tal, Stadt, Strand und Meer, habe ich bisher nirgends gesehen.

Highway No. 1…eine Fahrt, die ich nie vergessen werde. Völlig entgegen meinen Erwartungen (Strand, Palmen und Meer?) zeigt mir Kalifornien Gesichter, die mir ebenso in Neuseeland oder Europa hätten begegnen können (zeigt doch wieder mal nur, wie einmalig Asien ist, ich sags doch!).

Irgendwann komme ich ziemlich erschöpft in Santa Monica, Los Angeles an. Die Fahrt war anstrengend, aber der Oberknaller. Und „anders“. Die USA bietet mir ein tolles Kontrastprogramm, zu allem, was ich bisher auf meiner Reise sah. Und ich habe definitiv die coolsten Eichhörnchen der Welt getroffen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=KVuyxco7FwU[/youtube]

 

 

 

Der Artikel hat dir gefallen?
Mehr coole Tipps direkt in dein Email-Postfach und die automatische Teilnahme an Gewinnspielen gibt's hier. Go VIP!

Weiterlesen macht klug

Leave a Reply

*

11 comments

  1. Melissa Lee

    Stunning! Both articles and photos. Now I wanna go to USA haha

  2. Freddy

    Sehr schöne Artikel!! 🙂

    Also eins scheinst du bei den Asiaten schon gelernt zu haben, den sogenannten: „scheis-hock-sitz“ (Eichhörnchenfütterung), finde ich ja wahnsinnig ungemütlich, aber die Indonesen können ja den ganzen Tag so hocken, für die ist es angenehmer so zu sitzen als zu stehen, hat mir mal einer erklärt^^…

    Ich weiß auch, warum du 2,5 Stunden länger gebraucht hast, als ALLE anderen für die Strecke, wie damals von Kuta nach Lovina…, weil du wie damals so schön einfach alle 2 meter stehen bleibst und Fotos machst, ich finds super so können wir uns auch daran erfreuen!^^

    beste Grüße aus dem wahnsinnig sonnigen Santiago

    • admin

      Ja, ich find den „scheiss-hock-sitz“ auch ganz relaxed…aber in meinem Alter machen die Knie das nur ein paar Minuten mit.

      Ich arbeite mich langsam durch die Karibik Richtung Kolumbien und Peru. Halt durch da unten…wenns mich packt, schaue ich mal vorbei. Oder komm für ein verlängertes Wochenende nach Kolumbien, wie wärs?! 🙂

  3. Dennis

    Hallo Johnny, Super Bericht. Amerika Überrascht doch immer wieder.
    Sitzen gerade in Bangkok am Hotel Pool. Haben auch schon
    einiges gesehen von der Stadt. Es ist aber soooooo heiß hier.
    Das ist der Wahnsinn. Ich weis nicht wie die Leute das aushalten.
    Wahrscheinlich haben die sich seit Jahrhunderten dran gewöhnt.
    Samstag gehts weiter Richtung Norden. Das haste ja im kleinen
    Film gesehen.
    Gruś Dennis

  4. Tach!

    Könntest du mir mal einen Gefallen tun?
    Lass mal einen waschechten Ami das Wort „Eichhörnchen“ aussprechen und nimm das dann mit der Cam auf! 😉

    Gruß Artis

  5. Jessica

    sind das wirklich eichhörnchen?haben auch ne gewisse ähnlichkeit mit chipmunks. whatever süß sind sie auf jeden fall 🙂

  6. Hi Johnny,
    sind Chipmunks nicht auch Eichhörnchen? Putziges Video und die Idee, Stationen auf dem Highway 1 mit anderen Ländern zu vergleichen: LIKE IT! Du hast meinen vollen Neid, du warst nämlich auf der Panamericana… will auch! Werd auch 🙂
    Viel Spaß noch und Grüße aus Berlin (*hust* wie öd)
    Claudi

  7. Pingback: Lookin for Jonny – Weltreiseblog | Lookin for Jonny

  8. Pingback: Lookin for Jonny – Weltreiseblog | Lookin for Jonny

Like what you read? Be a fan!schliessen
oeffnen