KL für KL

KL für KL


KL steht für KL, niemand sagt hier Kuala Lumpur zur pulsierenden Megamotropole Malaysias, gleichzeitig Hauptstadt und ein bunter Mix aus Muslimen (40%), Buddhisten (40%), Christen und Hindus, aus Chinesen (52%), Malaien (39%), Indern, Arabern, Sri Lankers, Indonesiern und Europäern. Setz Dich 15 Minuten in ein Straßencafe und Du wirst nicht zwei Menschen sehen, die sich ähneln. So viele Nationalitäten und der Mix aus diesen, macht die Stadt kunterbunt und multikulturell.

Auf der Jalan Bukit Bintang, dem lebendigen Stadtmittelpunkt, wird nachts auf arabisch philosophiert, große Gruppen dunkler, bärtiger Männer bevölkern die Straßen, sobald es Nacht wird in KL.

Die Menschen

Ich komme direkt aus Thailand, der Wechsel von Trauminsel zu Großstadtdschungel, ein riesen

KULTURSCHOCK!

Ein Gefühl, das mir bisher fremd war, beschleicht mich…Kulturohnmacht. Ein Mix aus Begeisterung und Entsetzen. Alles ist laut, der Verkehr extrem, so viele Menschen und dann ist noch reichlich Raum für Vorurteile gegeben…bereits im Vorfeld wurde mir gesagt…Malaysia…pass da bloß auf!

Als ich anreise und den ersten Frauen begegne, sind diese komplett vermummt, teils nicht mal die Augen frei…nur ein transparenter Stoff ermöglicht einen verdunkelten Blick in die bunte Außenwelt. Die Männer stehen gruppenweise am Straßenrand und schenken mir ihren furcht erregendsten Blick, düster dreinschauend, ich bin verunsichert! Auch über die Entscheidung hierhin gereist zu sein. Als Europäer falle ich auf wie ein Albino im tiefsten Afrika.

Hunderte von Frauen und Männern bieten Fußmassagen am Straßenrand an, ich meide den Blick, weiß nicht, wie sie reagieren, wenn ich offensiv ablehne. Dann steht mir eine Gruppe Männer direkt im Weg und sprechen mich an:

„Good evening Mister.“

„Hello!?“

„Do u like KL?“

„Oh yes, i just arrived, but it looks amazing.“

„Oh thank u very much!!!“ Überschwängliche Freude. Ein Grinsen geht über das Gesicht das Mannes, auch die beistehenden Männer nicken zufrieden. „God bless u. KL is the best city oft the world, u will love it. Its safe and the people are friendly, u will see my friend! You will be surprised.“

Ich warte darauf, dass er mir was verkaufen will, aber es kommt nichts.

„Where do u come from?“

„Germany“

„Oooooh we LOVE the germans!!! We LOVE U“

„Thank u very much my friend.“

Mein Güte, wie überfreundlich, „irgendwo ist ein Haken“ will mir mein Misstrauen einreden.

„Man, we are proud to welcome u, wish u some fantastic days in our lovely city, thank u for visiting us. THANK U!!!“ und aus 6 Mündern schallt es freundlich „Thank U Mister.“

Mit einem zufriedenen Lächeln schütteln mir 6 Malaysier die Hand und schauen mich dankbar an.

Und während ich nicht ganz begreife was hier vor sich geht, mache ich mich weiter auf den Weg.

Ich beginne, die Menschen anzulächeln, und…sie lachen begeistert zurück. Der Eindruck bestätigt sich mit jedem weiteren Gespräch. Selbst Kopftuch tragende Frauen mit männlicher Begleitung lächeln offen und freundlich westliche Touristen an, in Deutschland undenkbar!!! Ich könnte von dutzenden positiven Begegnungen Berichten, aber eine ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben.

Mitten in der Nacht laufe ich aus einem Club durch eine kleine dunkle Seitenstraße, es ist 4 Uhr. Inzwischen bin ich 2 Tage in KL, bin begeistert von der Freundlichkeit der Menschen, habe Vertrauen in die Sicherheit der Stadt und bin frei von Vorurteilen. Dann passiere ich ein geschlossenes Cafe, in einer dunklen Ecke sitzen 3 Gestalten

„Hey Mister. Where are u going?“

„Home“

Sofort steht einer auf und kommt angelaufen, ich drehe mich um, niemand sonst um diese Zeit auf der Straße. Dann ist mir doch etwas unwohl. Er stellt sich mir in den Weg, noch unsicher und fragt, was ich von Malaysia halte, die übliche Frage. Natürlich antworte ich, dass ich begeistert bin, die Menschen liebe und überrascht bin. Ein Strahlen geht über sein Gesicht.

„Really???“

Mit stolzgeschwellter Brust hält er mir die Hand hin

„I am a Malay, born in Pakistan, thank u sir, thank u.“

Und dann folgt eines der beeindruckendsten Gespräche meiner bisherigen Reise, vielleicht meines Lebens. Ich stehe in einer dunklen Seitenstrasse KL´s und unterhalte mich mit einem Pakistani über Gott und die Welt. Er sagt mir, wie begeistert er von den Deutschen ist und aus welchen unzähligen Gründen. Demütig entschuldigt er sich für die Politik seines Landes!!! Er sagt mir, dass das Land zu den schönsten der Welt gehöre und ich von der Freundlichkeit der Menschen begeistert wäre, dass die Pakistani der Welt gerne zeigen würden, wie Pakistan wirklich ist, jedoch Medien und Politik einfach zu mächtig sind und alles kontrollieren.

„I feel so sorry and so ashamed Mister. Sorry.“

WOW…ohne Worte.

Mehrfach bedankt er sich für diesen einmaligen Moment, sich mit mir unterhalten zu dürfen. Aufgrund seines muslimischen Aussehens würde er glauben, abschreckend auf Touristen zu wirken, er würde gerne viel öfter mit der westlichen Welt kommunizieren, ist jedoch verunsichert, denn nicht alle bleiben stehen und unterhalten sich mit ihm, so wie ich. Die meisten laufen verängstigt weiter, vor allem Abends.

Ich beichte ihm, dass auch ich mit Vorurteilen angereist bin, die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen mich jedoch in kürzester Zeit gerührt hat und ich diese Stadt liebe! Dass er nicht auf die Knie fällt und mir die Füße küsst, ist alles. Es sprudelt nur so aus ihm heraus, wir unterhalten uns eine halbe Ewigkeit, etwa 30 Minuten redet er am Stück, sodass ich nicht zu Wort komme. Eigentlich bin ich totmüde und will ins Bett, aber dieser Mensch gibt mir so sehr das Gefühl, dass dieses skurrile Gespräch für ihn ein ganz besonderes Erlebnis ist (wie auch für mich), dass ich es nicht übers Herz bringe, ihn zu unterbrechen. Er erzählt mir von riesigen schwarzen Schmetterlingen, die ich in seinem Land sehen würde und großen bunten Blumenfeldern, von pakistanischer Musik, die zu den besten der Welt gehört und zahlreichen Filmen als Filmmusik dient. Er ist stolz, mir all dies erzählen zu können, um meinen Eindruck von Pakistan ins rechte Licht rücken zu können. Ich müsse Pakistan unbedingt besuchen. Er erzählt mir von deutschen Maschinen, mit denen er am liebsten arbeitet, von der deutschen Frau eines führenden pakistanischen Wissenschaftlers, deren Gesicht noch niemand im Land gesehen hat und die verehrt wird, wie eine Heilige, weil sie sich wie kein anderer Westlicher für Pakistan einsetzt. Er erzählt und erzählt und erzählt…bis er irgendwann selber das Gespräch beendet, weil er mich „nicht aufhalten möchte“.

Das war überirdisch…und ich denke noch lange über dieses Gespräch nach…und über Pakistan als neuen Routenpunkt auf meiner Reise?

Das Stadtbild

Das Stadtbild ist geprägt von modernen Wolkenkratzern der Finanz- und Versicherungsbranche gepaart mit baufälligen dreckig, heruntergekommenen Häusern der ärmeren Bevölkerung. Arm und Reich leben hier gemeinsam in Frieden. Es gibt kaum Bettler oder Obdachlose. Der Stadt geht es gut.

Sightseeing

Zu sehen gibt es hier einiges, die Hauptattraktion ist jedoch die Stadt an sich mit ihrem Mix an verschiedenen Kulturen und Menschen. Die offizielle Hauptattraktion sind die Petronas Towes, bekannt aus Film und Fernsehen (z.B. James Bond oder von dem französischen Klettermaxe, der die Türme „per Hand“ beklettert hat). Die Twintowers sind gigantisch und besonders abends zwischen 19 und 00 Uhr ein Erlebnis, wenn die Beleuchtung eingeschaltet ist. Ein Ticket zu kriegen wird allerdings zur besonderen Herausforderung und bedeutet einen frühmorgendlichen Marathon von mehreren Stunden. Wer nicht bereits um 7 Uhr mehrere Stunden Schlange steht, läuft Gefahr, nicht eine der begehrten 1000 limitierten Tagestickets zu ergattern. Vom 86. Stock des über 450m hohen Gebäudes hat man dann einen gigantischen Blick über KL.

Ein Spaziergang durch Chinatown oder das historische Viertel lohnt. Hierfür sind die Hopp on hopp off Busse geeignet, die per Tagesticket für ca. 10 Euro eine komplette Stadtrundfahrt anbieten. Man kann den Bus so oft verlassen, wie man möchte.

Es gibt diverse buddhistische oder hinduistische Tempel oder Kirchen und Moscheen zu besichtigen.

Etwa 1 Bahnstunde von KL entfernt befindet sich der Batu-Höhlen-Tempel, der einen Besuch wert ist. Der Eintritt ist frei.

Auch das Nachtleben KL´s ist ok. Eine relativ kleine Barmeile bietet zu horrenden Preisen die Möglichkeit auf einen Drink.

KL ist eine absolute Ausnahmestadt, ein außergewöhnliches Erlebnis und ein MUSS für jeden Traveler.

Die Einwohner sind sehr interessiert an Touristen, derer nicht überdrüssig, wie vieler andererorts. Sie sind unfassbar freundlich.

KL, I LOVE U!

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