Kobold-Makis – Selbstmord gefährdete Kulleraugenäffchen (Bohol)

Kobold-Makis – Selbstmord gefährdete Kulleraugenäffchen (Bohol)

Wir halten am Strassenrand, um eine Kobold-Maki Station zu besichtigen. Makis sind die possierlichen Tierchen mit den riesigen Monsteraugen, die wir bisher nur aus wenigen Dokumentationen im Fernsehen kennen. Die Augen der Makis sind im Verlgiech zur Körpergröße 150x größer, als die der Menschen und sie können ihren Kopf mit fast 360 Grad einmal um die eigene Achse drehen. Obwohl die Tiere nur 15 cm groß werden, springen Sie bis zu 5 Meter (!) weit. Begeistert betreten wir einen großen Käfig. Wir fotografieren uns gegenseitig mit den Tieren, erhalten Heuschrecken, um sie zu füttern und der Guide setzt uns ein Tier auf die Hand. Sie sind unfassbar niedlich und wie kriegen uns nicht mehr ein und lachen uns schlapp, als sich ein Maki nach dem Fressen genüsslich die Finger ableckt und so menschlich dabei wirkt.

Erst als wir uns im Nachhinein näher mit diesen Primaten beschäftigen und uns einiges im Internet anlesen wird uns bewusst, dass wir mit dem Besuch dieser Station maßgeblich zum Aussterben dieser kleinen Tierchen beigetragen haben. Dass sie dort in Käfigen gehalten werden, macht die Sache noch nicht zum Problem. Die ständige Konfrontation mit Besuchern, die im 5 Minuten-Takt den Käfig betreten, die Tiere begrapschen, um sie herum für Fotos posieren und sie wach halten ist für die Tiere eine übermässige Stressbelastung, die zum Versterben der Tiere führt, denn sie sind nachtaktiv! Es wird sogar darüber berichtet, dass die Tiere Selbstmord begehen. Stolz wird uns ein altes Pärchen in einem anderen Käfig gezeigt, das als Elterntiere aller hier gehaltenen Tiere ausgegeben werden. Die Praxis sieht allerdings vermutlich so aus, dass die Tiere regelmässig „frisch“ im Dschungel gefangen werden müssen, denn unter dieser Belastung gehen die Tiere nach wenigen Wochen oder Monaten ein. Während wir uns im Käfig aufhalten, betritt sogar ein Besucher das Gehege mit einer brennenden Zigarette und räuchert die Kleinen (und uns) ordentlich ein. Makis brauchen während des Tages absolute Ruhe und Schlaf. Stattdessen leben sie im Blitzlichtgewitter und werden von den Gehegebetreibern umgehend geweckt , wenn ein Besucher den Käfig betritt. Starr vor Angst lassen sie sich auf die Hände und Schultern oder den Kopf von Touristen setzen, um als Fotomotiv zu posieren. In freier Wildbahn würden die Tiere sofort wegspringen.

Makis sind heute vom Aussterben bedroht und verlieren durch die fortschreitende Abrodung der Regenwälder ihren natürlichen Lebensraum. Das Einfangen, der Handel und auch das Eingreifen in den natürlichen Lebensraum von Makis ist verboten. Die Haltung zu wissenschaftlichen Zwecken und zum Erhalt der Tiere ist zugelassen.

Es wird immer wichtiger, diese Tiere zu schützen und Ihnen nicht zusätzlich als Touristenattraktion zuzusetzen. In Bohol werden an jeder Ecke Standardtouren angeboten, die eine Reihe Attraktionen in einer Tour abdecken. Hier sind fast immer die fragwürdigen Maki-Gehege am Straßenrand beinhaltet. Wer sich wirklich für diese Tiere interessiert, macht einen großen Bogen um diese vermeintliche Attraktion. Nichtsdestotrotz wird ausreichend Geld zum Schutz der Tiere benötigt und die Neugier der Menschen und der Wunsch diese seltsamen Tiere einmal life zu erleben, ist nur allzu nachvollziehbar. Sprecht daher Anbieter von geführten Touren unbedingt darauf an, die Straßenrand-Foltereinrichtungen für Makis auszulassen. Zahlt ggf ein paar Euro mehr, um stattdessen die Philippine Tarsier Foundation, Schutzstation des in Bohol bekannten „Tarsier-Man“, zu besuchen. Etwa 15 km nordöstlich von Tagbilaran hat eine Foundation eine Schutzzone in einem 134 ha großen Reservat eingerichtet. In Canapnapan wurden 7,4 Hektar Land erworben und meterhoch eingezäunt, um die Makis vor Fressfeinden zu schützen. Das Gehege ist oben offen, sodass die nachtaktiven Tiere zur Nahrungssuche das Gehege verlassen können. Zum Schlafen kehren sie dann freiwillig zurück. Grundsätzlich sollten die Tiere auch dort ohne Blitzlicht fotografiert und niemals berührt oder auf die Hand genommen werden.

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