Maupitis Höchster – Teura Faatui

Maupitis Höchster – Teura Faatui

Der Teura Faatui ist Maupitis höchster Teil des zerfallenen Vulkans, lächerliche 380 Meter, die ich heute besteigen werde. Voller Tatendrang und Übermut mache ich mich auf den Weg. Am Fuße des Berges treffe ich auf 2 junge Reisende Mitte 20, die gerade den Abstieg beendet haben. Ich begrüße sie, doch sie sind außerstande zu antworten und ächzen mir ein gequältes „B..jo..r“ entgegen. Schnappatmung bei einem Puls von 300, die beiden sind kurz vorm kollabieren.

Ich frage ob alles in Ordnung ist.

„du ve ter?“

„What?

„hter?

„Pardon??? Ische spresche gar keine fransösiesch.“

„U have Watr??? WATER??? PLEASE!!!“

Als hätten sie soeben die Sahara durchquert, betteln sie mich um Wasser an. Ich gebe ihnen meine Flasche, sie trinken gierig.

„Wtf happened?“

weiter hechelnd…„Oh nothing…its just…we are not fit.“ gequältes französisches Grinsen.

„But its only 380 Meters!?!?!?“ Ich bin der Meinung, die stellen sich was an.

„Yes…“ Sein Gesichtsausdruck wechselt in ein „Geh Du mal ruhig los Du Idiot…. und das alleine!“

Ich bin etwas irritiert. Vonseiten der Pension wurde mir bereits empfohlen, viel Wasser einzupacken, meine Telefonnummer zu hinterlassen und früh um 7 zu starten (Hallo? Never!). 380m kann doch kein Ding sein.

Ich starte nach gemütlichem Frühstück um 11.

Nach rekordverdächtigen 5 Minuten lege ich hechelnd die erste kurze Pause ein.

Ok! Dieser Berg ist ein Arschloch!

Es geht kontinuierlich im 45 Grad Winkel steiler bergauf. Immer wieder tauchen im Grün große Felsbrocken und kleine Felswände auf, die erklettert werden müssen. Das ist kein asiatischer Mountain Trek mit gemütlichem Reisfeldwandern, sondern tatsächlich Felsenklettern, auf (vermutlich lächerlichem) Niveau.

Die Besteigung dauert insgesamt etwa 1,5 Stunden inkl. kurzem regelmäßigem pausieren. Der Ausblick wird immer schöner, je höher ich komme und die Lagune leuchtet in den wahnsinnigsten Farben, die man sich vorstellen kann. Maupiti ist wirklich ein absoluter Traum. Unerwartet und daher umso gewaltiger haut mich jeder Blick über die Schulter Richtung Lagune um. Mir läuft die Suppe die runter und ich fühle mich wie ein hikender Rentner, doch der Ausblick entschädigt für den beschwerlichen Aufstieg.


Kurz vor dem Gipfel stehe ich vor einer 90 Grad Felswand. Während ich noch vermute, dass hier Schluss ist, erblicke ich…

…ein Seil? Ok, Leute das ist so krank!

Welche lebensmüde hat dieses Seil dort hingehangen, um mich aufzufordern hochzuklettern und mir das Gefühl zu geben, ich sei ein Looser, wenn ich jetzt auch nur eine Sekunde darüber nachdenke.

Niemals sind die 2 Pärchen, die ich unterwegs traf DA hoch geklettert. NIEMALS! Es geht in 2 Etappen ca. 12 Meter, inkl. leichtem Überhang die Felsspitze hoch.

Wie auch immer…ich klettere also auch noch das letzte Stück hinauf. Nach etwa 8 Metern senkrechter Felswand, wird die Sache allerdings so kriminell, dass ich abbrechen muss. Nun hänge ich mitten am Felsen auf einer kleinen Anhöhe und genieße den gigantischsten Ausblick überhaupt, während ich mich frage, wie zum Teufel ich hier wieder runterkommen soll.

Alleine am Seil hängen und an Ort und Stelle erstmalig feststellen, dass man nicht ganz schwindelfrei, ist ein unbezahlbarer Moment. Ständig habe ich das Gefühl zu einer Seite überzukippen. Und dann dieser kranke Drang, von allem Fotos zu schießen, der stärker ist, als meine Höhenangst. Ich hänge also horizontal im Berg, halte mich mit einer Hand fest und schieße mit der anderen Fotos über meine linke Schulter. Meine Mutter würde einen sofortigen Herzstillstand erleiden.

(An einem Arm am Seil hängend, braucht der Körper bei einer Magnesiumzufuhr von 0mg täglich, übrigens exakt 3:34 Minuten bis sich Krämpfe entwickeln. Sehr interessant.)

In Deutschland wäre ein derartiger Aufstieg ohne Sicherung niemals zulässig. Von hier oben wirken die Häuser winzig, wie eine Spielzeugstadt, die rote Kirche im Mittelpunkt. Wie ein Teppich belegt das helle türkisblau die Lagune an der Rundung des Riffs, mittendrin die kleinen palmenbewachsenen Inseln, eine Traumkulisse.

Innerhalb der Lagune lassen Plankton, Korallen und Sandbänke Maupiti in den schönsten Farben leuchten. Im hinteren Teil des tieferen Ozeans spiegeln sich die schneeweissen Wolken im Wasser.

Hier wie ein Affe am Seil zu hängen und diesen Ausblick zu geniessen ist unbeschreiblich. Einer der Momente, die ich niemals vergessen werde und für die es sich mal wieder gelohnt, hat diese beschwerliche Reise bis hierhin anzutreten. Dies ist einer der wunderbaren Momente, in denen ich mir bewusst machen muss, dass ich jetzt eigentlich in Köln in einem Betonbunker säße, um Dinge in einen Computer einzutippen, wenn ich diese Entscheidung nicht getroffen hätte! Ein Moment, in dem ich Gewissheit habe, alles richtig gemacht zu haben!

Nach 4 Tagen des kompletten maupitischen Runterkommens in totaler Abgeschiedenheit der Südsee ist dies hier nach anstrengendem Aufstieg die Krönung des Glücks! Komplette Erdung! Dagegen ist der exzessivste Wellnesstrip purer Stress.

So, „Jonny an Airwulf, bitte wieder vom Gipfel holen! Mir wird schwindelig“

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10 comments

  1. chiara

    Wurde auch höchste Zeit für einen neuen Bericht, Dennis. Ich hatte schon befürchtet, man hätte vergessen, Dich von der dritten Insel rechts wieder abzuholen. 🙂

  2. Absolut traumhaft! Jetzt hab ich noch ein Ziel auf meiner Bucket List, waaaaah!

    • admin

      Joah, da kann man schon getrost hinfliegen…

  3. Chrissi

    Ich liiiiiieeeebeeee deinen Blog! 🙂 Und nach jedem verdammten Eintrag habe ich das Gefühl, genau DA auch hin zu müssen 😀

    Hoffe, du hast dich von deiner Klettertour wieder erholt!

    Grüße, Chrissi

    • admin

      omg nice!!! danke!!!! 🙂 haha, ich hab mich blendend erholt, ja!

  4. Nadine

    Mit was für einer Kamera fotografierst Du eigentlich? *neugier* 😉

  5. Carla

    Hi Jonny, super das du immer so schöne Berichte auf deinem Blog schreibst. Dank dir kann ich meinen 4 wöchigen Aufenthalt in Französisch Polynesien jetzt viel besser planen!
    LG Carla

    • admin

      Gern geschehen 😉 Schreib mir dann, für welche Inseln Du Dich entschieden hast und anschließend auch, wie Deine Meinung so ausfällt! Danke.

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