Mit dem Tuk Tuk um die Welt

Mit dem Tuk Tuk um die Welt

73.000 km, 4 Jahre, 47 Länder auf 5 Kontinenten – Das sind die beeinduckten Fakten einer unvergleichlichen Reise um die Welt. Nicht per Flieger, nicht per Schiff oder Zug, nein 35.590 km per Fahrrad und 37.410 km mit einem alten thailändischen Tuk Tuk.

Mit dem Tuk Tuk um die Welt. Ein Ereignis von dem wohl nicht viele Menschen einmal ihren Enkeln erzählen werden können. Daniel Snaider und Susi Bemsel, in ihren früheren Leben Fotograf/Grafikdesigner und Intensiv-Krankenschwester, steigen aus und machen sich auf eine 4jährige Reise um die Welt. Nach unfassbaren 47 Ländern kehren sie zurück.

Das Interview

1. Bevor Ihr mit dem Tuk Tuk losgebrettert seid, war ja zunächst eine Reise per Fahrrad bis Neufundland angesagt. Wie verlief die Route genau, wie habt ihr Ozeane überquert und könnt ihr nach Euren Erlebnissen die Reise per Fahrrad empfehlen?

Die ursprüngliche Idee war, mit dem Radl von Deutschland nach Feuerland zu fahren. Nach Feuerland deshalb, weil ich in Südamerika aufgewachsen bin und das südlichste Ende ist nun mal Feuerland. Die Route haben wir eigentlich nur ganz grob geplant: Von Deutschland los bis Norwegen mit der Fähre nach Island und von dort weiter nach Nordamerika. Einmal dort drüben, kann man sich sowieso kaum verfahren. Hält man sich immer südlich, dann kommt man schon in Feuerland raus. Das Fahrrad ist das beste Reisetransportmittel.  Ansonsten würde ich aber nie auf ein Fahrrad steigen.

2. Wie ist dann die verrückte Idee entstanden, mit dem Tuk Tuk weiterzumachen und wie war die weitere Route per Tuk Tuk?

Der erste Kontakt zu einem dreirädrigen Gefährt mit Antrieb hatten wir in Peru. Wir steckten gerade mitten in den unbarmherzinge Anden. Hinter uns ein 5000m Pass und vor uns auch. Dort heißen die Dinger Mototaxis. Der Ehrgeiz aber auch wirklich in Feuerland einzuradeln hatte den Umstieg damal nicht zugelassen. Doch in Asien lag Feuerland längst hinter uns und der Rest ist bekannt….

3. Ist es überhaupt möglich in jedes Land mit so einem ungewöhnlichen Gefährt einzureisen?! Ich könnte mir vorstellen, dass der deutsche TÜV da ein Wörtchen mitreden würde. Gab es irgendwelche Probleme bei der Einreise in bestimmte Länder?

Im Grund gibt es an jeder Grenze, an jedem Check Point und an jeder Polizeikontrolle Probleme. Da wir aber alle nötigen Papiere hatten, war das meiste dann nur eine Zeitfrage. Unser Vorteil war, wir hatten Zeit. In Deutschland sind wir mit thailändischen Kennzeichen eingefahren. Das war kein Problem. Nachdem es dann verzollt wurde, mußten wir erstmal zum TÜV, aber das ist ein ganz andere Geschichte.

4. Ist das Tuk Tuk auch mal irgendwo stehen geblieben und wie rettet man sich dann aus so einer Misere? Habt Ihr die Fähigkeit gehabt, das Tuk Tuk im Bedarfsfall auch selbst zu reparieren?

Jeden Tag und nicht nur einmal. Vieles konnten wir selber reparieren. Ersatzteil und Werkzeug hatten wir dabei. In Kasachstan beispielsweise hatten wir einen Motorschaden. Einen Mechaniker haben wir nicht gefunden, zumindest keinen der sich das zutraute. Dafür aber einen Koch und zwei begabte Teppichhändler mit denen wir das Ding wieder ans Laufen brachten. Die Kunst auf so einer Reise ist, immer die richtigen Leute zu finden. Es gibt immer einen Weg…!

 

5. Habt Ihr in Eurem Tuk Tuk auch übernachtet? Habt Ihr keine Angst vor Überfällen gehabt, so ein Tuk Tuk liefert ja nicht unbedingt den Schutz eines PKW´s oder Wohnmobils?

Zum Schlafen wars dann doch zu klein. Meist haben wir neben dem Tuk Tuk auf dem Boden geschlafen. Kurz vor Dunkelheit haben wir uns ein verstecktes Plätzchen gesucht und noch bevor uns der Hirte im Morgengrauen entdecken konnte, waren wir wieder auf der Straße.

6. Ihr habt einfach auf der Straße geschlafen? Ohne jeglichen Schutz? Ihr seid durch relativ arme Länder gereist, in denen das womöglich nicht unbedingt ratsam ist.

Wir haben überall draußen neben den Rädern oder dem Tuk Tuk selbst geschlafen. Mal mit Zelt, oder auch einfach ohne. Mitten auf der Straße haben wir natürlich nie geschlafen, sondern daneben. Immer so, dass man uns nicht entdeckt. In Kambodscha und Laos haben wir Aufgrund der Minengefahr meist auf billige Unterkünfte zurückgegriffen.

7. Wie haben denn Einheimische auf Euch reagiert? Gab es da Begegnungen, die Euch in Erinnerung geblieben ist?

Wenn man offen und freundlich auf die Menschen zu geht, bekommt man das meist ebenso zurück. Bis auf ein paar kleine Ausnahmen haben wir nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit dem Tuk Tuk dann, hatten wir noch einen Bonus.

8. Was kostet so ein Tuk Tuk überhaupt? Ihr habt es ja auch ein wenig umbauen müssen, was für Umbauten waren das und wie viel Kosten sind dabei entstanden?

Das Tuk Tuk hat uns gar nichts gekostet, weil wir für eine thailändische Firma sozusagen eine kleine Testfahrt gemacht haben. Die Firma hat auch die Umbauten und den Papierkam in Thailand erledigt. Als Ausländer ohne Hilfe hätten wir nie eine Chance gehabt, das Land mit einem Tuk Tuk überhaupt zu verlassen. Durch Zufall gerieten wir an einen thailändischen Geschäftsmann, dessen größter Traum die Teilnahme an der Rally Paris-Dakar ist…mit einem Tuk Tuk. Er selber besaß eine Firma in der Tuk Tuks restauriert und repariert wurden. Er fand unsere Reise so genial, dass er uns das Tuk Tuk sozusagen gesponsert hat. Er wollte wohl auch sehen, ob das Fahrzeug Paris-Dakar tauglich ist….

9. Welche Länder haben Euch auf Eurer Reise am besten gefallen und welche am meisten enttäuscht?

Island ist einzigartig, die USA haut Dich um, Argentinien ist sensationell, das australische Outback sollte man gesehen haben, Japan ist sehr speziell, die Mongolei irgendwie entspannend einsam, der Iran ein tolles Land,….wir müßten die Reise nochmal machen!

10. Ihr habt Euren Traum zur „Einkommensquelle“ gemacht, davon träumen viele. Es ist unglaublich viel Arbeit das Erlebte in einem Buch zu verarbeiten. Ihr habt es getan. Was sicher viele interessiert: Lohnt sich das auch finanziell oder ist es eher eine persönliche Bedürfnisbefriedigung, die Erlebnisse zu Papier zu bringen? Und Dia-Vorträge gebt ihr auch, wie kommen die beim Publikum an?

Naja, im Grunde waren Buch und Live-Show nie geplant. Wir haben die Reise eigentlich nur für uns selbst gemacht. Das wir danach eine der erfolgreichsten Live-Shows mit über 60 000 Besuchern in Deutschland, Österreich und der Schweiz produzieren und ein Buch herausbringen, das mittlerweile in der 4. Auflage erschienen ist,  überrascht uns selbst wohl am meisten. Diese Einnahmequelle hilft uns tatsächlich dabei, wieder in Deutschland sesshaft zu werden. Denn als wir nach 4 Jahren von der Reise zurückkamen, waren wir absolut pleite…aber glücklich!

Eine inspirierende Story. Vielen Dank Daniel und Susi.

My 5 cents

Eine wirklich einzigartige Reise und zwei Globetrottern, die sicher einiges zu erzählen haben. Die Geschichte inspiriert sicher jeden auf ihre eigene Weise. Mich in dieser Hinsicht:

Hier geht es nicht um ein Tuk Tuk oder die bombastische Kondition zweier Fahrradfahrer, die 35.000 km abgerissen haben. Mich fasziniert insbesondere das Follow up. Im Anschluss dann tatsächlich ein Buch zu veröffentlichen und eine erfolgreiche Show umzusetzen die 60.000 Besucher anzieht – das ist

eine der verdammt coolsten Erfolgsstories überhaupt!

Viele Reisende haben nach ihrem Trip den Wunsch ihre Erlebnisse in einem Buch festzuhalten und mit der Welt zu teilen (falls man nicht bereits die Möglichkeit für sich in Anspruch genommen hat, die Welt mit einem Blog zu nerven). Meist hat sich der Gedanke jedoch nach Diskussionen mit Zweiflern und Kritikern und der Kenntnis ernüchternder Zahlen über Buchverkäufe und Profit auch schnell wieder erledigt. Schneller als man denkt, hat einen der Alltag wieder eingeholt.

„Wer kauft schon mein Buch.“
„Ich bin doch kein Schriftsteller.“
„Ich habe eigentlich auch gar keine Zeit ein Buch zu schreiben.“
„Geld verdient man damit auch kaum.“
„…und wer zahlt schon im Facebook-Zeitalter Eintritt, um sich meine Fotos anzuschauen.“

Die Erfolg der beiden zeigt vor allem eines: Du musst kein Schriftsteller sein, um ein erfolgreiches Buch zu veröffentlichen. Du musst kein Moderator sein, um eine Live-Show zu moderieren, Du msust im ürbgien uach kien Duetsch studiret heban, um eienn Bolg zu schrieben.

Authentizität ist alles! Aber: Du musst etwas zu erzählen haben und wer reist, hat ganz besonders viel zu erzählen. Es gibt immer Menschen, die sich für Deine Geschichten interessieren. Was aus einer Weltreise entstehen kann, als Blog, Buch, Dia-Show oder Business ist so gar nicht im Vorfeld absehbar.

Es wird immer Menschen geben, die alles Unkonventionelle als Träumerei abtun, für die alles Kreative, Abstrakte und Visionäre nichts als Naivität ist. Menschen, die Deinen Traum vom Buch, Film oder Blog müde belächeln und mit einem abwertenden Kommentar zerstören können. Das sind oft Menschen, die nicht begriffen haben, dass es nicht immer um Profit geht, sondern um die Verwirklichung von Träumen und Visionen.

Und selbst wenn es doch (ein ganz kleines bisschen) um Profit geht, es wird immer Menschen geben, die nicht wissen, dass die erfolgreichsten Blogger bis zu zweieinhalb Million $ im Jahr (!) machen (cheers!), jugendliche eBook Autoren, mit Null-Investition und Hunderttausenden von gedownloadeten Exemplaren die neuen Millionäre im Bücherbusiness sind, und….tja…wer sich beim Stichwort „Dia-Vortrag“ eine dunkle, staubige Kaschemme mit 15 Pfeife rauchenden Rentnern vorgestellt hat,

There you go:

Daniel  & Susis Publikum während einer der Live-„Dia“-Shows 

Meist findet eine regelrechte Persönlichkeitstransformation während solch einer langen Reise statt. Vom Bürohengst zum risikofreudigen Träumer, Visionär und Macher! Unkonventionell, kreativ, unangepasst und weltoffen. Man wird zur wahren Inspiration für andere Menschen. Die größte Verschwendung solch eines Wachstums ist, sich einen Augenblick später wieder im alten System von Pessimismus, Angepasstheit und Oberflächlichkeit wiederzufinden. 

Wovon auch immer Du träumst – MACHEN!

Hier geht’s zur Homepage von Daniel & Susi.

Und hier zum Buch:

Fotos: Daniel Snaider und Susi Bemsel

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18 comments

  1. Super Interview! Auch ich bin eine der Besucherinnen des Vortrages von Daniel und Susi, welchen ich spannend, informativ und unterhaltsam fand. Ihre Erlebnisse sind beeindruckend und die zwei einfach sympathisch.
    Dein Fazit zum Interview ist toll, du hast absolut recht, vor allem was „die grösste Verschwendung solch eines Wachstums“ angeht. Träume sind ja schliesslich zum verwirklichen da, oder?

    • admin

      Genau so siehts aus 😉
      Danke für Deinen Kommentar Sarah.

  2. Auf jeden Fall eine spannende Reise, die die beiden hinter sich haben. Das Buch werd ich mir wohl auch zulegen, du hast mir die Story schmackhaft gemacht 😀
    Laut der Homepage der Beiden scheint es momentan keine Vorträge mehr zu geben, oder ist diese einfach nicht aktuell?

    • admin

      Doch ich glaube da gibt es noch einige Vorträge dieses Jahr.

  3. 73.000 km, 4 Jahre, 47 Länder auf 5 Kontinenten – Das klingt im Lebenslauf schon nicht schlecht.
    Die Story von den beiden ist leider nicht für jeden so einfach machbar. Ich verwirkliche auch meine Träume, fahre an die Destinationen die ich schon immer sehen wollte. In der Regel bleibt mir dafür jedoch ein Zeitfenster von 3-5 Wochen, dann ist der Jahresurlaub auch schon weg.

    Um so beeindruckender ist es, dass es Daniel & Susi ihren Traum verwirklicht haben. Sie schreiben ja selber das während esolch einer Reise eine „regelrechte Persönlichkeitstransformation“ stattfindet. Das finde ich spannend. Durch deinen Artikel werde ich mir wohl das Buch kaufen müssen 🙂

    • admin

      Die Verwirklichung eines Traumes kann ja in vielerlei Hinsicht stattfinden. In Deinem Falle vielleicht, möglichst viel von der Welt zu sehen, während des Jahresurlaubes. Aber im Falle von Susi und Daniel war der Traum eher, sich eine längere Auszeit zu gönnen, wie das allerdings viele viele viele (und es sind tatsächlich SO unglaublich viele) andere auch tun.

      Und nach allem, was ich auf meiner Reise erlebt habe, bzw. den Stories anderer Reisenden nach, möchte ich mal sachte widersprechen:

      Die Story ist für jeden umsetzbar (sofern man nicht an einer schweren Krankheit leidet oder jemanden versorgen muss). Es ist halt wie immer, nur eine Sache der Prioritäten. Wer sich für die Reise entscheidet, gibt auch alles andere gerne auf. Egal wie gut der Job ist und egal wie die weiteren Umstände sind.

      Auch die Finanzen spielen da keine Rolle. Ich habe Leute getroffen, die mit 2000 Euro losgezogen sind und bereits 1 Jahr unterwegs waren…irgendwas geht immer. 😉

  4. Eine Wahnsinnsgeschichte und interessantes Interview. Besten Dank fürs Teilen, kannte die Story bisher nicht und werde mir das Buch nun sicherlich zulegen.

    • admin

      Hi Oliver! Freut mich 😉 Kannst ja dann mal berichten, wie das Buch war.

  5. JJ

    Überragend!
    Direkt bei Amazon bestellt das Corpus Delict !!
    Überaus inspirierende Geschichte der beiden und sehr schönes Interview.
    Das Fazit ist nicht von schlechten Eltern, hätte von mir sein können. Ich hoffe ich werde es bald mal schaffen meinen eigenen Reiseblog aufzuziehen, was ich schon so lange vorhabe.
    Mit meiner Anekdote, wie ich während meiner 4 monatigen Amerikareise einen Inder kennenlernte und einen Monat mit ihm reiste, der mit Massieren von Männern (inkl.HappyEnd) seine Reise durch Amerika finanzierte(was ich zufällig und erst später durch den Verlauf eines Laptops rausfand), kann ich schon ein halbes Buch schreiben.
    Danke für die unterhaltsamen Stories Dennis, weiter so.
    J

    • admin

      J, vielen Dank fürs Kompliment. hört sich interessant an, Deine Reise mit dem Inder. Ob ich Einzelheiten darüber wie er seinen Lebensunterhalt verdiente wissen möchte, kann ich gerade nicht entscheiden…mmmh vielleicht nicht 😉

  6. Inspirierender Artikel! Und ich stimme Dir völlig zu: Die größte Herausforderung ist es, nach einer solchen Reise nicht wieder in alte Muster zurückzufallen. Cool, dass die Beiden das geschafft haben!
    Mit Tuk Tuks habe ich übrigens meine ganz eigenen Erfahrungen, die nicht gerade dazu verleiten, selbst eine längere Strecke damit zurückzulegen….
    http://www.life-is-a-trip.com/the-tuk-tuk-run/

    In diesem Sinne, weiter so! Daniel, Susi und Du auch!

  7. Pingback: Fundstücke der Woche: Mit dem Tuk Tuk um die Welt, dem Fahrrad durch Bangkok, Elefanten-Polo und mehr › Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand › Faszination Südostasien

  8. Wow, wirklich genial, was die beiden getan haben. Tausend mal Hut ab! Woher nimmt man diesen Mut, so ein Abenteuer auch wirklich anzutreten? Oder gilt: Einfach machen? 🙂

    Danke für das Interview und den Buchtipp.

    LG

    • admin

      Gerne Valeria 😉
      Einfach machen, gilt immer!

  9. Klasse! Jetzt muss ich mir wohl auch das Buch kaufen 😉
    Dass 60.000 Menschen zu den Vorträgen kommen, zeigt auch, was für ein Bedarf nach solchen Geschichten besteht. Und nach Reisen – auch wenn sie bei mir etwas kürzer und weniger unkonventionell ausfallen. Daher schließ ich mich Deinem Fazit an: Machen!

    • admin

      Thanks Susi, schön dich hier zu sehen 😉

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