Mui Ne, Vietnam – Von coolen Kitesurfern und solchen, die es nie werden sollen

Mui Ne, Vietnam – Von coolen Kitesurfern und solchen, die es nie werden sollen

In Vietnam gibt es einen Ort, der von vielen Travellern gerne ohne Stop durchquert wird, dabei handelte es sich meiner Meinung nach, definitiv um einen der besten Spots des Landes. Coole Atmosphäre, cooler Strand, coole Leute, cooler Sport und abends ein paar coole Drinks in einer coolen Bar. Der Ort über den ich hier schreibe heißt: Mui Ne.

Eine Straße führt den Bus auf der Nord-Süd Verbindung nahe der Strandpromenade entlang, schmeißt in der Regel einige Kite-Surfer raus und macht sich dann weiter auf den Weg Richtung Ho-Chi-Minh. Mui Ne ist DER Hot Spot für alle Kite-Surfer und eben diese coolen Jungs und Mädels sind für die relaxte Atmosphäre an diesem Ort verantwortlich. Doch nicht nur die lässige Kiter-Atmosphäre, auch das coole Get-together in den Bars nach getaner Surf“arbeit“ und vor allem der Strand – der Schönste, den ich auf meinem Vietnam-Trip zu sehen kriege – machen Mui Ne zu einem Must-See auf Eurem Trip.

Wind und Wellen haben an einigen Stellen eine steil abfallende Neigung in den Sand gefressen, grüne Vegetation zieht sich über den oberen Strandabschnitt, darauf einige Bambushütten zwischen dicht wachsenden Kokospalmen. Rastafarbene Kites und kunterbunt gekleidete Localkids lassen schon mal den Eindruck erwecken, man befinde sich in der Karibik. Es weht ein beständig starker Wind, der sattgrüne Wellen mit weißen Schaumkronen Richtung Strand schiebt. I LIKE! Mein Vietnam Strandhighlight!

Wer bereits eine coole Sau auf dem Brett ist, kann hier zeigen was er oder sie kann. Am goldgelben Sandstrand von Mui Ne reihen sich Schirm an Schirm geduldig auf die nächsten Surfer wartend, die wegen des nur engen Strandabschnitts per Wasserstart loslegen müssen. Wer in Sachen Kite-Surfing noch ahnungslos ist, so wie ich, kann hier einen 3tägigen Kurs belegen und seine Zeit nutzen, seine Wassersportfertigkeiten um ein Kapitel zu erweitern. Am Strand reihen sich einige Kitesurf-Schulen auf und bieten verschiedene Angebote an, es lohnt sich zu vergleichen.

Da bin ich doch dabei und nehme einen Kurs in Angriff, zuversichtlich, anschließend zum Who is Who des Kitesurf-Sports zu gehören, ein paar Wellen zu reiten, übers Wasser zu brettern, ein paar Pirouetten in der Luft zu drehen, mit meinem Schirm abzuheben und die coole Jonny-Sau raushängen zu lassen.

Kaitsürfinggg ich komme!!!

Doch weit gefehlt! Ich muss schnell feststellen, Kitesurfen ist nicht ohne, vor allem, wenn man als blutiger Anfänger einen Wasserstart hinlegen soll.

Die Schwierigkeit liegt darin, drei verhältnismäßig schwierig unter Kontrolle zu bringende Kräfte zur gleichen Zeit zu bewältigen,

  • den unregelmäßigen Wellengang,
  • einen gewaltigen Schirm, der mit jeder winzigen Bewegung erstaunliche Kräfte freisetzt und
  • die eigene Balance,

KEINEN Plan wie das gehen soll. Mitunter gibt’s schon Probleme mit der eigenen Balance, wie zum Geier soll ich den ganzen anderen Kram noch regeln?!?!

Der Schirm hat eine unfassbare Kraft und kann zur gefährlichen Waffe werden, wenn man ihn nicht unter Kontrolle hat. Das ist auch der Grund, warum ein Start vom Strand strikt untersagt ist, denn der ein oder andere Anfänger segelt das Teil auch mal gerne mit voller Wucht in den Sand. Bei 5-10m Spannweite und der entsprechenden Hebelwirkung in Verbindung mit ständigem blasendem Küstenwind, kann das den ein oder anderen Sonnenanbeter auch mal easy den Kopf kosten.

Die Virtuosen unter den Kitsurfern allerdings verstehen es den Schirm unter Kontrolle zu bringen und vollbringen mit seiner Hilfe imposante Flüge durch die Luft. Sie nutzen jede kleine Welle als Sprungschanze im Ozean und lassen sich von der Kraft des Windes fünf, zehn oder mehr als 20 Meter durch die Luft ziehen.

Was so einfach aussieht ist leider knüppelhartes Training und mit viel Wasserschlucken und einigen Enttäuschungen verbunden, von blauen Flecken ganz zu schweigen.

Zunächst einmal nimmt mir mein Kitesurf-Lehrer die Illusion vom coolen Kitesurfschüler und verpasst mir diesen….HELM!

„Mhh sorry?!? Wie kommst Du darauf, dass ich das Ding anziehe?“

„Aus Sicherheitsgründen!“

„Aber ich dachte Kitesurfer sind cool, DAS IST UNCOOL!“

„Zieh mal an und Du wirst schnell herausfinden warum.“

Er grinst mich so wissend an, das hätte mir schon zu diesem Zeitpunkt spanisch vorkommen müssen.

Auch am Anfang des dritten Tages gelingt es mir nicht die drei scheinbar unkontrollierbaren Kräfte in den Griff zu bekommen. Immer wieder zieht mich die Kraft des Windes mit dem Schirm wie einen nassen Sack  frontal in die Fluten, immer schön mit der Visage über die Wasseroberfläche, bevor ich gnadenlos meinen nächsten Salzwassercocktail serviert bekomme. Währenddessen schwingen sich begabtere Kollegen mit einer Leichtigkeit aufs Brett das man meinen könnte, ich sei der untalentierteste Bewegungslegastheniker auf diesem Kontinent.

Am Nachmittag dann…endlich…ich sitze mit meinem Po im Wasser, die übliche Haltung beim Wasserstart erinnern an einen Durchfallkranken in Bückhaltung, die Knie gebeugt, den Po nach hinten und die Arme nach vorne gestreckt, der gewaltige Schirm steht senkrecht im Wind. Ich schwinge den Schirm zur Seite, ziehe ihn zurück gen Himmel, um mir den nötigen Schwung zu versetzen, mich aus dem Wasser aufs Brett zu zi…

wooooaah…ich STEHE….

ich stehe…naja es folgen ein paar Saltos und Sprünge, ihr kennt das ja…ungefähr wie in dem Beetles Video, keine große Sache….NICHT! Nein, ich kann mich genau 3 Sekunden auf dem Brett halten, bevor mich wieder irgendeine der (mir ist inzwischen auch egal welche) Naturgewalten herunterreißt, schubst, weht…keine Ahnung und wieder heißt es Wasser schlucken. MIR REICHTS!

Der Lehrer schaut mich mit großen Augen an und ruft mir zu:

„Hey Jonny, das war doch super!“

(äh Nein! WAS genau war super?)

„Hats Dir gefallen?“

Nein“. (Ich huste nochmal das Salzwasser aus den Lungen, nur um ganz sicher zu sein.)

„Cool, dann lass uns zum Strand zurückgehen. Vielleicht willst Du ja morgen weitere Stunden nehmen.“

„Mmmh NEIN!“ (Scheinbar hab ich doch eine grandiose Figur auf dem Brett gemacht?!)

„Hey mach Dir keinen Kopf, viele stehen nach einem Tag aber bei manchen dauerts halt auch mal was länger.“

Aaaarrrrgggh 🙁

Es ist ganz erstaunlich, wie sich die Meinung über einen coolen, bewundernswerten Sport mit dem eigenen Versagen von einem auf den anderen Tag ändern kann. Ich begnüge mich die folgenden Tage damit, die (geringfügig) talentierteren Jungs und Mädels aus sicherer Entfernung zu bewundern und meine Wunden zu lecken.

Mui Ne Beach – TOP! Kitesurfing – FLOP! Zumindest in meinem Fall! Aber ich sage mir immer, man kann nicht alles können.

Welcher ist Euer Traumstrand in Vietnam?

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