Plastic phantastic – Perhentian Islands

Nach einer anstrengenden Nachtfahrt aus KL, legen wir an Perhentian Kecil Island an. Nach 4 Tagen KL mehr als strandreif, die romantischen Erzählungen anderer Reisenden von der einsamen Insel ohne Autos und Stress, mit traumhaften Stränden, treiben unsere Erwartungen ins Unermessliche.

Und dann das:

Long Beach, der Hauptstrand der Insel überschwemmt von Plastikstühlen und bunten Sonnenschirmen. Ballermann-Optik. Der Strand ist menschenleer, scheinbar kein Grund die Plastikgarnituren abzuräumen. Was die Einheimischen aus dem Strand machen, eine Katastrophe. Wir wollen gleich ins Wasser springen, dort schwimmen Zigarettenkippen und -schachteln, leere Bierflaschen und anderer Müll. Dutzende von Booten steuern ihr Übriges zur Optik und Sauberkeit des Meeres bei.

Überall liegt haufenweise Müll. Der Rest der Insel, eine riesige Baustelle. Wir sind geschockt! Es kommt schlimmer. Es ist Wochenende…so suchen wir 6 Stunden nach einem Zimmer. Perhentian Islands sind insbesondere bei den Malayen ein beliebtes Wochenendreiseziel WARUM???). Wir weichen aus zum Coral Beach, schleppen unsere Rucksäcke den beschwerlichen Weg zur anderen Seite der Insel und finden dort mit Glück einen der wenigen freien Bungalows zu einem inakzeptablen Preis. Der Bungalow – ein Drecksloch.

Wie wir später feststellen, gibt es hier nur sehr wenige gute Anlagen. Die Insel ist „very basic“ wie uns einige Reisende mit strahlenden Gesichtern versichern. Sie finden das gAnz gAnz toll! Ganz einfache Hütten. Strom gibt’s in den meisten Hütten nur über Nacht, damit die Ventilatoren die Hitze erträglicher machen. Unsere Hütte hat Strom, wie wir später feststellen, jedoch keine Steckdosen, also keine Chance, Lap Top, Cam-Akku oder Handy aufzuladen. Wir haben das Gefühl, dass wir in einem Nest verstrahlter Romantiker gelandet sind. Jeden, den wir fragen ist begeistert…“Oh its so beautifull.“  Sie sehen keinen Müll, keine Boote, laufen strahlend unter Schmerzen über die scharfen Korrallen ins Wasser  und wie mir scheint haben sie auch nie zuvor einen schönen Strand gesehen, sonst wüssten sie, dass dies das größte Drecksloch Asiens ist.

Ein Jammer, wieder Hunderte von verstörten Augenkranken, die begeistert von den Perhentians berichten werden.

„Its so nice! Very basic.“

Am nächsten Tag haben wir die Chance auf einen wirklich coolen Bungalow im Senja Resort, also checken wir sofort um. Hier lässt sichs wenigstens im Bungalow aushalten. Er ist mitten in den Hang gebaut, der dichte Inseldschungel gleich beside. Riesige Varane schwarwenzeln um die Häuser, etwa 1,5 m groß.

Dann kommt die Ernüchterung in der Nacht. Ich mache kein Auge zu, weil stundenlang etwas an meiner Tür kratzt und in regelmäßigen Abständen scheinbar seinen Kopf gegen die Tür rammt. Zuvor lief im Resort-Restaurant ein Horrorfilm über aggressive Krokodile, die ganz wild auf Menschenfleisch sind. Wie schön.

„Kratz kratz kratz….“

und dann ein Bungalow erschütterndes Knallen…immer wieder. Keinen Bock aufzustehen, also schiebe ich meinen Kopf unters Kissen, in der Hoffnung, dass das Viech sich früher oder später das Hirn aus dem Schädel rammt. Nach einigen Stunden dann plötzlich Stille.  Endlich.

Hai! Wo?

Was wirklich lohnenswert ist, ist eine Schnorcheltour zu den wichtigsten Spots der beiden Inseln, darunter Sharks Point und Turtle Point. Hier kann man allein per Schnorchel mit Haien und Riesenschildkröten tauchen. Nachdem die erste Begegnung auf Koh Tao verdaut ist, fasse ich Vertrauen in die netten Tierchen und meinen ganzen Mut zusammen. Diesmal ist es ein unfassbares Erlebnis. Zu fünft schwimmen die Haie um mich herum, ich schwimme minutenlang hinterher, um diesmal ein besseres Foto zu ergattern. Sie sind völlig relaxed, stören sich nicht an mir, wollen jedoch nicht, dass ich ihnen zu nah komme und halten eine Distanz von mindestens 5 Metern. Ist mir recht.

Am Turtle Point schwimmen die Riesenschildkröten in etwa 5 Metern Tiefe, sodass man mit relativ viel Luft weit hinuntertauchen muss, um ein einigermaßen gutes Foto zu schiessen. Sie sind riesig, ich schwimme einige Sekunden neben einem Tier, das nahezu meine Größe hat.

– Mira, for u 🙂 –

Per Boot können auch weitere, durchaus schöne Strände der Insel besucht werden. Sie sind verlassener. Keine Plastiktstühle weit und breit. Größtenteils ist es aufgrund der toten Korallen jedoch nicht möglich, barfuss ins Wasser zu gehen. Aber zumindest die Optik stimmt.

Beispiel für ein attraktives Übernachtungsangebot auf den Perhentians:

Tja, was soll ich sagen…die Perhentians, zumindest die kleine Insel, ist leider nicht empfehlenswert. Wer Wert auf einen sauberen Strand mit entsprechender Optik legt, ist hier falsch. Die Insel ist verwahrlost, zugemüllt und bemüht sich zum Abend hin, mittels zweier Vollblutamateure eine einigermaßen akzeptable Feuershow auf die Beine zu stellen, die mehr einer Comedy Show gleicht.

…and by the way:

 

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12 comments

  1. Judith

    Wow, das klingt nicht gerade erholsam. Aber die Unterwasserfotos sind klasse! Wo gehts als Nächstes hin?

  2. Pingback: Die Nowaks op Jöck – Weltreiseblog | Weltreise

  3. Andi

    Shit, den Bericht hatte ich übersehen. Morgen gehts von KL da hin..
    Mal schauen, wie mein Eindruck sein wird…man liest ja sonst immer die schönsten Inseln in der Region..

    • admin

      Dann bin ich mal gespannt Andi, ich wünsche Dir, dass es Dir besser gefällt als mir! 🙂

      • Andi

        bin inzwischen 4 Tage hier (Kecil, Longbeach) und muss leider deinen Bericht bestätigen.
        Schon schade, was sie aus den Stränden (Longbeach und Coral Bay) hier gemacht haben (zugeparkt mit Stühlen und Schirmen) :. Auch aktuell Baustellen bei Coral Bay..

        Weiss jetzt aber nicht wie es in Besut aussieht. Kann gut sein, dass es da besser ist.

        Auch nicht gerade günstig hier. Essen finde ich fast nur ab 10 Ring.
        Trotzdem bereue ich den Besuch nicht ganz, die Unterwasserwelt und die Strände, die man nur per Boot erreicht entschädigen dafür schon einiges.

  4. Goelles

    Hallo sehr guter Beitrag!
    Uns ging es ähnlich nur dass wir schon nach einem Tag auf kecil weitergezogen sind! Die arme Insel ist leider Soooo dreckig! Wieso will da niemand aufräumen????
    Und die Leute die es einfach so hinnehmen und sagen wie toll es da sei??? Ja ist toll wenn man von weitem alles betrachtet. Was von der Verschmutzung her ok war, war die Unterkunft d’lagoon. An unserem einen Tag haben wir allerdings zwei Diebstähle fast live mitbekommen was unsere Laune auch nicht verbessern wollte!
    Unser Vorschlag: Pulau Tenggol!!!!! Ab jetty Dungun! Zwei Resorts auf der Insel, ein schöner Strand, tolle Korallen, Fische, Affen und sehr viel Ruhe zum Entspannen.

    • admin

      Exakt, Danke für die Bestätigung Goelles. Und danke für den Tipp Pulau Tenggol! Super! Wenn Du ein Foto hast, poste es doch mal als Prehentian Islands Alternative auf der Lookin for Jonny Facebook Page. Würde mich freuen!

  5. Ich habe deinen Bericht über die Perhentians schon vor knapp 2 Jahren zum ersten Mal gelesen, bevor meine Reise mich auch nach Malaysia führte. Ich hatte somit von vornherein Vorbehalte gegen die Insel. Da ich haber einige Traveller getroffe habe, die ganz begeistert waren, beschloss ich, es auf einen Versuch ankommen zu lassen und bin auf Perhentian Kecil gefahren, um mir meine eigene Meinung zu bilden. Im Hinterkopf hatte ich Jonnys Beschreibung vom größten, plastikstuhlverseuchten Drecksloch Asiens… innerlich bereitete ich mich also auf einiges vor.

    Mit jedem Meter, dem das Boot der Coral Bay näher kam, schwanden meine Bedenken dahin. Ich weiß nicht, ob es das perfekte Abendlicht war, oder die Tatsache, dass ich so gelangweilt vom malaysischen Festland war und mich extrem nach Strand und Meer sehnte, aber beim Anblick dieser komplett mit dichtem Dschungel zugewucherten Insel, der auf dem weißen Strand aufgereihten kleinen, einfachen Hütten und der Farbe des Wassers, kam es mir vor, als könnte ich gerade an keinem besseren Ort sein. Ich war insgesamt fast ein Jahr in Südostasien unterwegs und ich stimme dir zu, die Perhentians sind nicht gerade die saubersten. Aber sooo schlimm fand ich es wirklich nicht und wenn man sich ein bisschen umsieht, wird man feststellen: so ist das nun mal leider an vielen Orten in Asien. Der Tourismus hinterlässt keine schönen Spuren und das Bewusstsein für Umweltschutz ist bei den Einheimischen nicht gerade ausgeprägt. Im Vergleich mit einigen Stränden in Kambodscha, auch Thailand oder sogar Kuta Beach zur falschen Jahreszeit ich fand die Perhentians nicht dreckiger und du hast Recht, Plastikstühle sind an keinem Strand schön. Die Perhentians sind einfach für den Backpacker-Tourismus schon recht entwickelt – das schließt Mini-Shops, Souvenirläden und baufällige unterkünfte am Strand ein – aber wo soll man die auf der Insel sonst hinbauen?

    Südostasien hat generell ein ziemliches Müll- und Verschmutzungsproblem, gerade in den Touristengebieten – es sei denn man befindet sich in einem 5-Star-Resort, wo eine Horde Angestellter dafür sorgen, das man sich wie am saubersten, idyllischsten und wohlhabensten Ort der Welt vorkommt, auch wenn es ein Entwicklungsland ist.

    Ich habe dort jedenfalls 10 wundebare, extrem entspannte Tage verbracht, einen der nettesten und wahrscheinlich günstigsten Diveshops in Asien gefunden, durchgeknallte, tiefenentspannte und selten nette Locals und Traveller getroffen und – wenn man über das vom Meer angeschwemmte Plastik ein wenig hinwegsehen konnte – auch wunderschöne, paradiesische Buchten und Strandabschnitte gesehen – insbesondere am Long Beach. Vielleicht lag es daran, dass ich in der Nebensaison auf Perhentian Kecil war, aber ich hatte eine fantastische Zeit dort und das Müllproblem hat mich, wie gesagt, nicht mehr geschockt als woanders. Die Perhentians sind längst kein Geheimtipp mehr, logisch. Vielleicht waren deine Erwartungen sehr hoch – ich hatte (Dank deines Artikels ;)) dagegen keine und wurde sehr positiv überrascht.

    • admin

      Mensch, vielleicht hätte ich auch zuerst meinen Artikel lesen sollen bevor ich auf die Insel fuhr 😉
      Nein, ernsthaft Alexandra, vielen dank für Deine Worte und den ausführlichen Bericht über die Perhentians. Mir tut es ja immer selber auch leid, wenn ich so etwas sehe. Die Lokals auf diesen Inseln sind einfach auch nicht wirklich Herr der Lage, wenn sich der Müll von uns Touristen dort anhäuft. Sofern es kein 5 Sterne Hotel gibt, was ja wiederum positiv ist, gibt es auch niemanden, der sich tagtäglich um die Säuberung der Strände kümmert. Aber es freut mich dass es Dir gefallen hat. Man sollte sich sowieso niemals von irgendjemandem beeinflussen lassen, wenn es um Reiseziele geht. Anregungen und Tipps holen, inspirieren lassen, das ist in Ordnung und dafür sind Blogs auch da. Aber letztendlich muß sich jeder sein eigenes Bild machen. Und wie Du schon sagst, dann stört mich persönlich vielleicht das Müllproblem gar nicht so sehr wie jemand anderen. Es ist ist und bleibt ja das Problem eines anderen 😉

  6. If you will have a next time then walk to the windmills. You will be surprised….

  7. Bine

    Hi Jonny,

    wie das Leben so spielt … Ich hatte am WE gerade eine lange Unterhaltung mit meinem besten Freund, der mir als Tip „zum Runterkommen meiner Tour“ die Perhentians empfohlen hat. “ So toll, so unberührt … und vor allen Dingen KEIN PLASTIK!“

    Allerdings war er vor 20 Jahren da … und ganz verliebt 🙂

    Es bleibt wohl nur die Hoffnung, dass sich jeder solcher ehemals „paradiesischen“ Eindrücke erinnert und sich nicht zu schade ist, den Müll wegzuräumen oder wegzusammeln ist …

    Viel Spaß noch … wo immer du auch bist 🙂
    Bine

  8. Pingback: Perhentian Islands: Ein Paradies mit Schattenseiten › Malaysia › Faszination Südostasien

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