Sicherheit auf Reisen – Ängste und wie du am besten mit ihnen umgehst

Für viele Backpacker, insbesondere Frauen, ist die Sicherheit auf Reisen wohl DAS beherrschende Thema. Das Thema, das sowohl in der Vorbereitungsphase, als auch während der Reise die meisten Kopfschmerzen bereitet.

Wo genau liegt die Grenze zwischen unnötiger Paranoia und berechtigter Sorge oder gar Angst?

Gleich vorweg: Alles ist möglich! Vom smoothen, chilligen, unspektakulären Herumreisen, über Unfälle, Krankheiten, Seuchen und Raubüberfälle, bis hin zur Vergewaltigung und Mord kann Euch kurz gesagt ALLES zustossen. Muss aber nicht.

Es gibt nun mal keine Garantie im Leben, aber ist es nicht das was wir wollen, wenn wir uns auf so eine Reise begeben? Die pure Freiheit? Freiheit hat nur eben auch einen Preis und dieser Preis ist das Risiko, das das Leben mit sich bringt. Alles ist möglich!

Bisher erstreckte sich euer (Sicherheits-)Horizont im schlechtesten Fall auf den Weg von der Haustür zum Auto und vom Auto ins warme Büro? Der letzte Urlaub war spektakulär, denn er führte

„…in den fernen Orient, 5 Sterne All Inklusive, Ägypten mit Pyramidenbesteigung und Nilkreuzfahrt. 2 Wochen Durchfall, das war ein Ding, Abenteuer pur und die Toilettenspülung war ja auch im Arsch. Und im Nil, ganz krass….da solls Krokodile geben, habe ich gehört! Leute ich kann Euch sagen, mich macht so schnell nix mehr fertig. “

Wenn dies auf dich zutrifft (wovon ich nicht ausgehe, wenn du einen Backpackerblog liest), dann mach dich auf einen bunten Strauß Erlebnisse gefasst, Dinge auf die du zum Teil gerne verzichten würdest, aber leider nicht verzichten kannst, denn manchen Dingen bist du bedingungslos ausgeliefert, sobald du dich in die große weite Welt hinaustraust. Die Welt außerhalb deiner Komfortzone ist rau, wild und erbarmungslos aber auch wunderschön, voller Herausforderungen und vollgepackt mit unvergesslichen Erlebnissen, dazu gehören die guten wie auch die schlechten.

Tipp: Niemals mit weniger als 5 Personen auf einem Motobike fahren! Die verbesserte Airbag Funktion durch menschliche Körpermasse kann Leben retten.

 

Es gibt durchaus Mittel und Wege, das Risiko in bestimmten Bereichen zu minimieren und darum soll es in einer Reihe von Artikeln gehen, die ich heute starte. Ich würde mich mal als durchschnittlich paranoiden und planungskranken Organisationsjunkie bezeichnen. In 1,5 Jahren der Weltreisevorbereitung hatte ich ausreichend Zeit, jedes erdenkliche Risiko 1 Mio. mal durchzuspielen und über mögliche Lösungen nachzudenken. Ich habe dabei sicher jedes „Was-wäre-wenn-Szenario“ bis zum Verlust der Atmung in Gedanken durchlebt. Die Folge war, dass ich äußerst gut vorbereitet war, aber letztendlich auch auf der Reise selbst Strategien entwickelt habe, die mir das Leben deutlich vereinfacht haben und durch die ich mich wesentlich sicherer fühlte. Tipps, die auch für euren nächsten Pauschalurlaub, definitiv aber für die Planung eurer Weltreise nützlich sein können.

Sicherheit auf Reisen – vor allem auf Weltreise

1. Tipp: Bleib mal locker.

Je mehr du über Unfälle und Katastrophen nachdenkst, desto verrückter machst du dich. Vor allem greift auch gerne einmal das Prinzip der magischen Anziehung. Wer gar nicht nachdenkt, ist zu beneiden, doch im Ernstfall womöglich unvorbereitet. Ich empfehle den gesunden Mittelweg und die Arbeit mit Statistiken. Sich die Reise mit der Angst vor einem Flugzeugabsturz zu katastrophisieren (dieses Wort gibt es tatsächlich), ist unnötig, wenn der Statistik nach nicht einmal eine prozentuale Wahrscheinlichkeit errechnet werden kann. Sie liegt bei 0.000000usw. Prozent, während das Ausleihen eines Motorbikes in Hanoi, Vietnam mit 12.000 Toten pro Jahr auch mal schnell zum Himmelfahrtskommando werden kann.

Flugzeugabsturz = 0,00000000000000000001% Wahrscheinlichkeit

Tote durch Verkehrsunfall in Hanoi, Vietnam = 12.000/Jahr

Der Motorroller stellt schon rein optisch ein geringeres Risiko dar, als der große Furcht einflössende Flieger, in dem du zudem für mehrere Stunden eingesperrt wirst. Mit Logik hat das ganze aber dann nichts zu tun.

Zwischen Bus und Tuk Tuk eingeklemmtes Motobike in Kambodscha

2. Tipp: Schau weniger Nachrichten

Was führt denn dazu, dass wir uns des Risikos eines Flugzeugabsturzes eher bewusst sind, als dem eines Verkehrsunfalls? Die Nachrichten! Es stürzen nur etwa 3-10 Flugzeuge pro Jahr ab und das meist aufgrund technischen Versagens. Das Problem dabei ist doch, das jeder einzelne Absturz wochenlang in den Nachrichten breitgetreten wird, während über Tausende von Verkehrstoten pro Tag weltweit kaum ein Wort verloren wird. Ich habe nicht bewusst aufgehört Nachrichten zu schauen, sondern eher zwangsläufig komplett auf Fernsehen verzichten müssen, ab dem Tag an dem ich die Weltreise gestartet habe. Das ist nun über 3 Jahre her und ich schaue absolut kein TV mehr! Wenn ich heute den Fernseher einschalte, kommt es mir geradezu lächerlich vor, wie die gesamte Menschheit durch eine grausame Art der Berichterstattung Tag für Tag ängstlicher gemacht wird. Ich habe einfach beschlossen, dass in meinem Kopf für Müll kein Platz mehr besteht – und es ist einfach fantastisch!

 

Als junges Mädchen alleine auf Weltreise?

Ich erhalte eine Menge Emails, insbesondere von jungen Mädels erhalten, die alleine auf die Weltreise gehen möchten und mich fragen, wie gefährlich es werden könnte und ob sie es sich wirklich alleine wagen sollen.

Meine Antwort darauf lautet:

1. Warum sollst du nicht das tun können, was Tausende andere Mädels auch tagtäglich tun?

Zunächst einmal möchte ich meinen größten Respekt aussprechen, für eine unfassbar große Anzahl 18 bis 25 jähriger Mädels, die tatsächlich alleine mit Rucksack und Hello Kitty Kulturtasche losziehen, um die Welt zu erkunden, ohne sich in die Hosen zu machen. Mit 18 habe ich nicht einmal gewusst, wie „Weltreise“ geschrieben wird und mich hätte in dem Alter sicher niemand über Europäische Grenzen hinaus gekriegt. Eins kann ich euch versichern: Ihr seid nicht alleine. Die Welt wimmelt geradezu von Weltreisenden. Das stellst du aber eben erst dann fest, wenn du unterwegs bist. Nach meinem Empfinden war die Gruppe allein reisender Mädels in dieser Altersklasse definitiv die größte und auch in der Geschlechtergewichtung allgemein kann ich zusammenfassend sagen, dass wesentlich mehr Mädels den Mut beweisen alleine um die Welt zu reisen, als Jungs.

2. Du könntest ermordet werden!

Entweder auf Weltreise oder daheim, wer weiß das schon.

Die Chance einen Absturz zu überleben, ist im Heck eines Flugzeuges am größten

Wovor hast du Angst auf Reisen?

Zunächst einmal solltest du für dich persönlich erörtern, vor welchen Situationen oder Ereignissen du dich überhaupt fürchtest. Eine allgemein gültige Liste der Gefahren oder Ängste auf Reisen könnte sein:

  • Diebstahl
  • Raubüberfall
  • Mord
  • Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe
  • Tiere
  • Krankheiten
  • Unfälle
  • Naturkatastrophen
  • Terroranschläge
  • Ladyboy-Katatrophen
  • Flugzeugabstürze, Schiffsunglücke, Verkehrsunfälle

…usw., usw. Für dich mögen einzelne Punkte lächerlich erscheinen, während für andere Menschen, genau diese Angst einen absoluten Albtraum darstellt. Es gibt Menschen, die noch nie in ihrem Leben ein Flugzeug oder Schiff bestiegen haben oder aus Angst vor Terroranschlägen und Raubüberfällen keine Reise unternehmen oder bestimmte Regionen und Kontinente meiden.

Ängste sind unkontrollierbar und in Notsituationen durchaus auch überlebensnotwendig, wie z.B. der natürliche Instinkt ordentlich mit der Schüppe draufzuhauen, wenn dir unter dem Tisch ein Skorpion über die Füße krabbelt.

Angst vor giftigen Tieren. Ein Skorpion im Restaurant in Kambodscha

Maßnahmen gegen Reiseängste

1. Bewerte die Wahrscheinlichkeit

Nachdem du deine Ängste definiert hast, stelle dir die Frage der Wahrscheinlichkeit.

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass du dich beim nächsten Erdrutsch durch langanhaltende Regenfälle in Japan exakt in dieser Region aufhältst?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass du dich exakt in einem der 3-10 Flugzeuge befindest, die während eines gesamten Jahres weltweit abstürzen?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass du dich beim nächsten Megaschiffsunglück, wie dem Untergang der Titanic, gerade auf einem Bootscruise befindest?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass dich nicht nur jemand überfallen sondern gleich umbringen will? Ist es wahrscheinlich, dass dir dies auf offener Straße am helllichten Tage passiert? Und wenn in einer dunklen Gasse, irgendwo in Südamerika, wie wahrscheinlich ist es, dass dich die Vernunft verlassen hat und du dich mitten in der Nacht in der gefährlichsten Gegend Rios aufhältst?

2. Vergiss alle Risiken mit geringer Wahrscheinlichkeit

Bei allen oben genannten Unglücken, und vielleicht auch einigen deiner persönlichen Ängste, würde ich das Risiko für äußerst gering halten. Vergiss sie einfach. Es ist absolute Lebenszeitverschwendung, daran überhaupt einen Gedanken zu verlieren.

3. Sorge gegen alle anderen Risiken bestmöglich vor  

Konzentriere dich auf die Risiken, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben und die du aus eigener Kraft minimieren kannst.

  • Wenn du Angst vor Krankheiten hast, pack alles ein, was du an Medikamenten für notwendig hältst. Mach dir keinen Kopf, ob das paranoid ist oder Freunde dich für einen Hypochonder halten könnten. Wen interessiert, was andere denken? Das wird dich in naher Zukunft sowieso nicht mehr jucken, wenn du dich aus der Gesellschaft komplett ausgeklinkt hast. Das Risiko auf Reisen zu erkranken ist durchaus real (das Risiko einer tödlichen Krankheit eher gering) und wenn es dich beruhigt, mittels Medikamente vorgesorgt zu haben, dann ist dies dein Mittel zum Zweck. Falls es dich beruhigt, so sah meine Medikamentenbox aus, die ich auf Weltreise mit mir herumgeschleppt habe. Schnelle Erkenntnis, wenn du erst einmal unterwegs bist: Du bekommst alles, was es bei uns in Deutschland gibt auch in jedem anderen Land dieser Welt 😉 Dennoch wirkt es beruhigend, das Nötigste griffbereit zu haben.
Medikamente auf Reisen

Medikamente auf Reisen

  • Auch die Angst vor gefährlichen Tieren ist berechtigt. Sorge vor und lass dich z.B. gegen Tollwut impfen! Noch wichtiger: Wenn du Angst vor Tieren hast, fasse niemals wilde Tiere an (auch keine Straßen- und Strandhunde oder -Katzen), auch nicht, wenn sie noch so niedlich wirken. 
  • Die Angst vor Verkehrsunfällen lässt sich durch reine Vernunft drastisch minimieren. Trage immer einen Helm, wenn du dir ein Motobike leihst und fahre niemals auf dem Rücksitz bei Lokals mit, die dir anbieten, dich kostenlos irgendwo abzusetzen. Nimm dir ein Taxi, wenn du dir selber nicht zutraust in einem fremden Land im Linksverkehr einen Mietwagen zu fahren.

Die Angst vor Überfällen, sexuellen Übergriffen und Diebstahl stellt einen eigenen großen Themenkomplex dar, den ich in einem separaten Artikel behandeln möchte. Hier kann mit entsprechender Vorbereitung und hilfreicher Ausrüstung vorgesorgt werden. Wenn du einen Blick auf meine Packliste wirfst, stellst du fest, dass die nützlichsten Dinge in meinem Rucksack alle meine Sicherheit auf Reisen erhöht haben. Ich wurde nie bestohlen und nie beraubt (tock tock tock, Klopf auf Holz) und bin fest davon überzeugt, dass dies

  • an meiner Vorbereitung
  • an meinem Verhalten auf Reisen
  • und an meiner Ausrüstung liegt.

Auf alle Punkte gehe ich im Detail im nächsten Artikel zum Thema Sicherheit auf Reisen ein und ich bin überzeugt, dass dich die Maßnahmen, die ich dir empfehlen werde, während der Planungsphase gehörig beruhigen und zum Antritt der Reise deines Lebens motivieren werden. Keine Sorge!

Und bis dahin…

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10 comments

  1. Immer wieder geil Deine Berichte!

    Solltest Reisejournalsist werden.

    Grüße aus Phnom Penh

  2. Das erste was mir in den Kopf kam, war unter den Tisch zu gucken ob hier nicht auch ein Skorpion auf dem besten Weg ist meine Nähe zu suchen.

    Viele Grüße aus Sihanoukville.

    „Keiner entkommt dem kambodschanischen Durchfall“

    • Jonny

      Glückwunsch, GENAU DA hab ich den Skorpion fotografiert 🙂
      Und der Durchfall…keine Sorge, dieser Zustand hält nur 3 Wochen an!

  3. CC

    ich als 21 jährige bedanke mich herzlich. heute gerade darüber nachgedacht wie gefährlich es wohl ist bzw wieviel gefährlicher es ist als weibchen allein durch die welt zu reisen. aber eigentlich hast du recht, kann auch direkt vor der haustüre überfahren werden.

    • admin

      So siehts aus! Unterwegs ist es aber dann doch ein wenig gefährlicher als zu Hause. Das Auto mit dem Du dann überfahren wirst, hat vermutlich keinen TÜV.

  4. Carina

    Jedes Mal freu ich mich, wenn du einen neuen Artikel veröffentlichst.
    Themen so zu behandeln, dass sie informativ und gleichzeitig so viel Witz haben ist wirklich eine Kunst 🙂 Echt supi!

    Und zum Thema des Artikels:
    Ich bin auch der totale Planungsjunkie, unsere Reiseapotheke war so gut gefüllt, ich hätte mich damit an einen Straßenrand stellen können und es wäre nicht aufgefallen, dass ich gar keine offizielle Apotheke bin. Ich hab auch viele Lacher dafür eingesteckt, aber wir du schon schreibst: kann mir doch egal sein!
    Spätestens als wir das ein oder andere brauchten war ich froh, trotzdem alles eingepackt zu haben 😉

    Man darf sich von seiner Panik und Angst von nichts abhalten lassen (in vernünftigem Rahmen: natürlich lasse ich mich von meiner Angst abhalten, nachts alleine mit meiner Spiegelreflexkamera um den Hals durch Buenos Aires zu laufen, aber da ist wohl auch angebracht 😉 )

    Super Artikel und ich freu mich auf die nächsten Artikel zu dem Thema, weil ich mich persönlich auch zu den Schissbuchsen dieser Welt zähle 😀

    • Jonny

      Ach vielen lieben Dank für Das nette Kompliment, Carina 😀 Das freut mich sehr! Und viel Erfolg mit deinem Blog!

      • Carina

        Aber gerne doch 😉
        Danke danke! Der steckt ja nicht mal in den Kinder- sondern noch in den Babyschuhen 😀

      • Carina

        Gerne gerne 🙂
        Ja danke, wobei der ja nicht mal in den Kindern-sondern eher in den Babyschuhen steckt 😉

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