Teils bewölkt

Während uns die Wettervorhersagen mit Aussagen wie „Teils bewölkt“ oder „leichter Regenschauer“ in Deutschland die Haare raufen lässt, titscht mein Fotografenherz in Äquatornähe im Dreieck. So ein leichter Regenschauer kann hier auch gerne mal in eine Gotham-City-Weltuntergangs-Atmosphäre ausarten. Während sich ein kleines Wölkchen über die Skyline Singapurs schiebt, sitze ich also hier, in einigen hundert Metern Höhe und fotografiere die Szenerie mit Begeisterung, während ich beobachte, wie sich Menschen, wie kleine flinke Punkte in den Straßen, vor den ersten fallenden Tropfen in Sicherheit bringen, wohlwissend, was da gleich runterkommt.

Der Himmel verdunkelt sich innerhalb weniger Minuten und die Wolkenschicht zieht sich wie ein Teppich über die Stadt. Kurz und schmerzlos knallen hier gefühlte 1000 Liter pro Quadratmeter auf den Asphalt und pressen Deinen Körper in den Grund. Gleichbleibende 35 Grad machen den Schauer zu einer warmen Dusche. Wer schon mal den täglichen Schauer, während der Regenzeit in Asien live miterlebt hat, wird nie wieder ein paar fisselige Tropfen in Deutschland als Regen bezeichnen können. Wann auch immer ich mich während solch eines Regengusses am Strand aufhielt, wie in Thailand oder auf den Philippinen, habe ich die Chance genutzt, im Meer zu baden und den warmen Schauer auf mich herab prasseln zu lassen, während andere unwissende Touristen den Schutz von Bars und Restaurants aufsuchten. Es ist einfach ein unvergessliches Erlebnis!

Im Kessel der Wolkenkratzer und auf dieser Höhe gleichen Blitz und Donner gewaltigen Explosionen und lassen mich immer wieder zusammenzucken. Während des Regens versteht man sein eigenes Wort nicht. Die Regenwolke zieht mit einer beträchtlichen Geschwindigkeit weiter und ich kann zwischen den Gebäuden bereits sehen, wie sich auf dem offenen Meer die ersten Sonnenstrahlen durchkämpfen. Vielleicht noch 5 oder 10 Minuten, dann wird die Sonne wieder am Himmel stehen und mir ein komplett anderes Bild liefern. Ich liebe diesen Ort, war hier für 1 Woche untergebracht und habe mit der Location richtig Glück gehabt. Ich war sicher mehr damit beschäftigt aus meinem Fenster zu fotografieren, als mir die Stadt anzusehen. Aber wie bin ich hier gelandet? Wir drehen die Zeit eine Woche zurück.

Asien, ist ja bekanntermaßen das ultimative Preis-Leistungs-Wunder. Der Kontinent, auf dem eine Nacht im Stroh bedeckten Beachbungalow am weißen Palmen gesäumten Traumstrand weniger kostet als ein Big Mac Menü im Restaurant meines Vertrauens. Ein paar kleine Ausnahme gibt’s da allerdings…Hong Kong, Singapur und ganz schlimm Tokyo. Die Kostengranaten Asiens. Nicht ohne Grund. Gleichzeitig einige der fantastischsten Städte der Welt mit den teuersten Immobilienpreisen unter diesem Sternenhimmel. Das sollte niemanden davon abhalten, ihnen einen Besuch abzustatten, denn es lohnt sich, worüber ich mich hier bereits zu Genüge ausgelassen habe. Hohe Immobilienpreise bedeuten leider nicht automatisch, qualitativ hochwertige Hostels mit sauberen Zimmern und wenig Getier. Die sauberste Stadt der Welt, Singapur, beschert mir im letzten Jahr einen freudigen Nager, der mir insgesamt 3 Monate Gesellschaft in meinem Zimmer leistet und sich scheinbar hervorragend von der kinderreichen Kakerlakenfamilie ernährt.

Das soll diesmal definitiv anders werden. Mein Verlangen nach geruchsintensiven Mehrbettzimmern mit einem Haufen müde gelatschten Männerschweißquanten, ist mehr als gestillt.

Was tun, wenn einem Hotelpreise Tränen in die Augen treiben aber Hostels keine Alternative sind? Inzwischen gibt es Portale, auf denen Locals freie Zimmer in ihren Privatwohnungen zur Miete anbieten. Für die Kategorie „Praktische Reisetipps“ habe ich im Oktober aufopferungsvoll einen dieser Anbieter für Euch getestet.

Auf diesen Portalen stehen oftmals über 50.000 Unterkünfte zur Verfügung, das sollte ausreichen, um eine bezahlbare Hostelalternative im unverschämt teuren Singapur zu finden. Funktioniert im Grunde, wie Couchsurfing, nur eben gegen Bezahlung und dafür mehr Komfort und Privatsphäre. Ich gebe meine Daten ein und siehe da, privates Zimmer ab 21,- €!!! Ich bin begeistert, denn eine Übernachtung im Hostel kostet 15,- € im 10er Dorm.

Viel kann man für den Preis logischerweise nicht erwarten. Einfache Ausstattung bei einer Familie, die sich, durch Untervermietung eines kleinen Zimmers, ein paar Dollar dazuverdienen will. Aber gerade wenn man zu zweit unterwegs ist, kann sich die Sache schon lohnen.

Ich bin mit meiner Freundin unterwegs und wir schauen uns Wohnungen im Bereich von 30,- € an, soviel würden wir zusammen im Hostel zahlen, im 10-Bett-Zimmer wohlgemerkt. Ein Hotelzimmer würden wir aber für diesen Preis hier unter keinen Umständen kriegen, maximal in einer fragwürdigen abgeranzten Kaschemme mit durchgescheuerter Matratze, im Rotlichtviertel außerhalb der Stadt. Wir wollen es etwas komfortabler haben und gesucht, gefunden: da lächelt uns ein Doppelzimmer an, mitten in der City, alles Wichtige in fußläufiger Entfernung.

 

Gebucht ist die Unterkunft in weniger als einer Minute, bezahlt wird online. Der Vermieter erhält eine Anfrage von mir und bestätigt, dass er mich als Mieter akzeptiert. Und als wir dann einige Tage später einchecken trifft uns der Schlag. Die Aussicht auf die Skyline Singapurs ist einfach….a-tem-beraubend. Während der Vermieter hinter uns ein „Is that ok?“ haucht, grinsen wir uns an und erwiedern ein kurzes „Perfekt“. Ich sollte dann auch in den folgenden Tagen die meiste Zeit vor dem Fenster sitzend und stumm auf die City starrend verbringen.

„Willst Du nicht mal raus gehen, oder so?!“

„Sag mal, siehst Du nicht, dass ich beschäftigt bin???“

Noch mal zum Vergleich:

Zwei Betten in einem Hostel ohne Fenster, inkl. Mäuschen und Kakerlaken. Breakfast and Schweissquantengeruch for free. Dafür höherer Socialising-Faktor (ihr wisst schon: 10 neue Facebook Freunde pro Nacht) – 30,- €.

Privates Doppelzimmer bei Lokals, kein Frühstück, dafür atemberaubende Aussicht, Plasmabildschirm mit 20 Programmen und Top Korea-Movies mit chinesischen Untertiteln, mehr Privatsphäre und ggf. direkten Kontakt zu Lokals – 39,- €.

Wer wirklich Wert auf die Unterbringung bei Lokals legt, sollte dies jedoch vorab per Mail abchecken, denn hinter vielen Angeboten tummeln sich rein gewerbliche Immobilienangebote oder Hostels, die Doppelzimmer anbieten. Für Reisende mit höherem Budget ist Wimdu auch eine echte Hotelalternative. Für den Preis eines einfachen Hotelzimmers um die 50-60,- € kriegt man hier schon ein ganzes Appartement zur Miete. Ziemlich nice!

 

Der Artikel hat dir gefallen?
Mehr coole Tipps direkt in dein Email-Postfach und die automatische Teilnahme an Gewinnspielen gibt's hier. Go VIP!

Weiterlesen macht klug

Leave a Reply

*

19 comments

    • admin

      Thanks Ed, nice to know, that my shitty google translater isn’t completely useless 😉

  1. Tolle Fotos + tolle Tipps. Habae Wimdu bereits hier in Deutschland genutzt und alles prima.
    Danke sagt Dani

  2. Sehr schöne Fotos! Ich mag Äquator-Wolken-Stimmung total gerne. Wimdu kenne ich bisher nur vom „hören sagen“, tönt aber nach einer guten Alternativen.

  3. benny

    (ihr wisst schon: 10 neue Facebook Freunde pro Nacht)

    YES 😉

    • Jonny

      Korrekt gerechnet wärens im 10er Zimmer nur 9, ich weiß 😉

  4. CC

    haiiiii

    kannst du mir mehr über deinen Tauchunfall erzählen?
    Wo genau in Indonesien? und was genau passiert ist?
    Spitalaufenhtalt nach einem Tauchunfall ist schon eher heftig.

    liebe grüsse

    • admin

      Hi CC,

      Das war auf den Gili Islands. Was da genau passiert ist, darüber werde ich in Zukunft mal irgendwann berichten 😉 ist eine längere Geschichte.

      Jedenfalls war meine Tank 30 Minuten zu früh leer. Also immer schön den Tacho im Auge behalten 😉

      LG
      Jonny

      • Auf den Gilis… da hatte ich auch eine gute Zeit, wobei Air und Meno auf jeden Fall Trawangan vorzuziehen ist… Deine Geschichte kann ruhig lang sein, ich bin bereit sie mir anzuhoeren.

        Gute Nacht.
        Alexandros

        • admin

          Ja, ich war leider nur auf Trawangan und bereue dies heute sehr. Meno hätte mich auch sehr gereizt.

  5. Krasse Wetterfotos! Da wird einem bestimmt schon etwas mulmig in der Magenregion, wenn man sieht, wie sich über einem die Wolke auftürmt und es immer dunkler wird. Bilder von Sturm und Regen sind einfach immer sehr beeindruckend.

    • admin

      Man gewöhnt sich dran, dass bei strahlendem Sonnenschein jederzeit mal eben jemand das Licht ausknipsen kann. Aber wie die Blitze hier einschlagen, das ist schon ein anderes Kaliber, als bei uns. Eigentlich seltsam…

      …kann das mal grad jemand wettertechnisch erklären?!

      Nicht?

      ok…

      knallt jedenfalls ganz gut!

  6. Thomas

    Danke für den Tipp mit Wimdu.
    Ich war letzten Monat mit AirBnB in Rio. Ähnliches System wie wimdu, kann es auch sehr empfehlen. Wer den Kontakt zu Locals sucht, ist da bestens aufgehoben 🙂
    Und wer sich über den Link hier anmeldet, erhält ein Dankeschön von mir 😀
    *edit link*

    • admin

      Same same but totally different, würde ich sagen 😉 Was mir bei airbnb überhaupt nicht gefällt und mich zur direkten Abmeldung am gleichen Tage veranlasst hat, ist die extreme Vergewaltigung der Privatsphäre. Schon die Anmeldung läuft über eine Vernetzung mit Deinem Facebook-Profil, was aus meiner Sicht schon mal gar nicht geht!

      Als ich dann ein Zimmer buchen wollte, wurden zur Identifikation (!) zwei weitere Vernetzungen mit meinen Profilen bei LinkedIn, XING oder anderen und/oder meine Kreditkartendaten gefordert.

      Alles vor dem „Hintergrund“ der Vertrauenswürdigkeit! Sorry…aber, too much for me!

      Der Gastgeber bietet ein Zimmer zur Miete gegen Bares an! Bezahlung erfolgt sofort online! Eine Identifikation inkl. Runterlassen der Hosen in allen verfügbaren Profilen in Stasi-Manier ist da absolut fehl am Platze.

      Nur meine Meinung 😉

  7. Yeah our pictures are amazing – you have talent!

    I am sitting right now, in a studio in Belgrade, Serbia. I will show Monday the people your images… thanks.

    I have the luck, that I don’t need the google translater… I speak also German and I am happy about the fact, that you writing very nice. I like the style… one thing dude – what do you think about, using the nextgen gallery, so people will see the picture that you post into the article… but they can not click it, so it‘ s not opening in a new window and so we don‘ t have to click anytime, after looking to one image, back to the article.

    Just an idea… check it out, try – anyway I will follow you now.
    From studiothreedots in Serbia all the best.

    Alexandros

    • admin

      Thank you sooo much Alexandros 😉

      Nextgen is installed but doesn´t work properly. After few months I got some technical problems and all galleries disappeared.

      But you don´t need to click the pics, they should be shown in the biggest size already.

      Have a good time in Serbia.

      Cheerz
      Jonny

  8. Oh! Werde ich gleich mal testen sobald ich wieder in Asien bin.

    greetz alex

Like what you read? Be a fan!schliessen
oeffnen