Vom Zug zum Flug, NoShow und Dunkler Materie

Vom Zug zum Flug, NoShow und Dunkler Materie

Deutsche Bahn

NoShow! Hört sich zunächst einmal cool an – ist es aber nicht. Zumindest nicht für die Fluggesellschaften. Wenn ein Gast seinen Flug nicht antritt, kann es mitunter zu enormen Verzögerungen beim Abflug kommen. Gut, wenn 300 urlaubsreife Gäste ungeduldig im Flieger warten, während man mal wieder die Anreisezeit total unterschätzt hat und zum Gate hechtet. Schlecht, wenn man den Flug überhaupt nicht antritt, aber keine weiteren Gedanken an die anderen Fluggäste verschwendet und diese dann verspätet Richtung Urlaub abheben.

Erst vor 2 Wochen bin ich einen Flug nicht angetreten. Also habe ich fairerweise bei der Airline angerufen und angekündigt, dass ich nicht kommen werde. Ich finde, so gehört sich das.

Was es jedoch für Auswirkungen haben kann, wenn man den Zug zum Flug nicht antritt, darüber war ich mir nicht im Klaren und diese Unwissenheit hat mich letzte Woche beinahe 1000 € gekostet. Damit Euch das nicht passiert, hier die Vorgeschichte und einige Tipps, für eine Kombinationsreise inkl. Bahn.

Zunächst ein Tipp zum Sparen.

Es gibt Fluggesellschaften, die den Zug zum Flughafen im Preis inkludiert haben. Gewöhnlich sucht man nach dem günstigsten Flug und kümmert sich anschließend erst um die Anreise. Z.B. nach Frankfurt, weil die meisten Langstreckenflüge nun mal von Frankfurt abfliegen und nicht vom nächsten Flughafen um die Ecke.

Die Zugreise kann dann noch einmal locker mit zusätzlichen 100,- bis 200,- € zu Buche schlagen. Es lohnt sich, bei den teureren Airlines einen Blick in die Reisedetails zu werfen. Der Flugpreis mag zwar wenige Euro teurer sein, beinhaltet aber eben die Anreise zum Flughafen, sodass die Endsumme letztendlich geringer ausfällt, als mit der Billig-Airline + Deutsche Bahn-Ticket. Und letztendlich fliegt man dann sogar z.B. mit einer Lufthansa anstatt Germanwings.

Aber hier kommt die Tücke!

Jetzt wird es etwas technisch.

Wichtig bei der Kombinationsbuchung ist, dass der Zug zum Flug vom Anbieter nicht als Zugreise, sondern als Flugreise betrachtet wird!

Das bedeutet:
So wie man mit seinem eTicket, bzw. dem eMail-Ausdruck am Flughafen einchecken und sich eine Boardkarte besorgen muss, so möchte der Anbieter auch, dass man sich eine „Boardkarte“ für den Zug ausdrucken lässt und in den Zug „eincheckt“.

Tut man dies nicht, hat das verheerende Folgen, für die Anschlußflüge/-züge:

=> Sie werden ersatzlos GESTRICHEN!

Und das musste ich in der vergangene Woche am eigenen Leib erfahren. Ich habe mal wieder Urlaub in Deutschland eingelegt und einen schmerzhaft teuren Flug buchen müssen.

Asien -> Deutschland 900,- €.

Typisch Backpacker jedoch, freut sich Jonny immer, wenn es etwas FOR FREE gibt – nämlich den Zug zum Flug! Ich bin mit einer guten Airline nonstop gejettet und der Zug nach Köln war auch noch inklusive! Was will man mehr.

Nun bin ich davon ausgegangen, dass ich mit meinem eTicket auch einfach in den Zug steigen kann und habe mir keine „Boardkarte“ für den Zug ausdrucken lassen. Wer checkt auch in einen Zug ein, also bitte!? Im Zug schaute mich die Fahrkartenkontrolle zwar etwas schief an, hat aber mit keinem Wort erwähnt, was die fehlende Boardkarte für Auswirkungen auf meine Rückreise hat.

Und zwar folgende:

Für die Airline bin ich die Zugfahrt in Deutschland offiziell gar nicht angetreten! Denn ich bin nicht ordnungsgemäß eingecheckt. Interessant oder?

Obwohl ich also mit dem Flieger von Asien nach Frankfurt flog und dort eingecheckt war, Gepäck aufgegeben habe, 2 aufgewärmte Flugzeugessen vertilgt und meinen obligatorischen Tomatensaft mit Pfeffer und Salz bestellt habe, konnte man im System nicht feststellen, dass ich im Zug nach Köln saß und das nennt man dann eben:

NoShow.

Und jetzt kommt der Hammer, der sich jeder Logik eines Normalsterblichen entzieht:

Automatisch wird dann die Rückfahrt zum Frankfurter Flughafen UND der Rückflug nach Asien STORNIERT! Und zwar ersatzlos! Obwohl ich ja den Hinflug angetreten bin, geht die Fluggesellschaft dann doch irgendwie davon aus, dass ich ja gar nicht vor Ort sein kann, denn im Zug habe ich schließlich nicht gesessen. Habe ich aber doch! Nur halt nicht mit Boardkarte! Denn wer braucht schon eine Boardkarte für einen Zug? Ob das bescheuert ist? Natürlich! Macht das Sinn? Natürlich nicht!

Ich habe mich bemüht, die Angelegenheit einmal mittels Grafik darzustellen.

Zug zum Flug1) Im Prinzip gilt der sogenannte aviationsphliosphische Ansatz „Ich checke ein, also bin ich!“

2) Daraus folgt ganz eindeutig: Wer nicht eincheckt, ist nicht! Obwohl er eigentlich vorher bereits war. Ich möchte das mal am Beispiel der „Dunklen Materie“ verdeutlichen:

Ohne Boardkarte im Zug bin ich nichts weiter als „nicht direkt sichtbare Materie“. Obwohl ich dennoch mit einer sogenannten Gravitations-Wechselwirkung behaftet bin. Das bedeutet, wenn ich nun im Zug, während einer Beschleunigung von 200 km/h in die Luft springe, wird meine Masse von der Gravitationskraft der Erde angezogen und ich falle im ungünstigsten Fall aufs Gesicht (durch die Beschleunigung des Zuges übrigens an einer völlig anderen Stelle von Zeit und Raum, als zum Zeitpunkt des Absprungs, aber das ist eine andere Geschichte). Nun ist es in der Wissenschaft so, dass dumme Wissenschaftler davon ausgehen, dass sich dort, wo man keine Materie sieht, auch keine befinden kann. Die moderne Forschung allerdings setzt voraus, dass die Existenz von sichtbarer Materie nur erklärt werden kann, wenn es auch unsichtbare Materie gibt.

Übertragen auf meinen Fall also, kann man davon ausgehen, dass ich mich tatsächlich IM ZUG befinde, weil ich vorher den Flieger aus Asien genommen habe (sichtbare Materie), AUCH, wenn ich theoretisch „unsichtbar“ bin, weil ich ohne Boardkarte fahre – also unsichtbare Materie. So einfach ist das mit der Wissenschaft. Aber mach das mal einem Zugschaffner klar. Denn…

3) …der versteht das Prinzip im Zweifel überhaupt nicht. Er glaubt grundsätzlich nur das was er sieht. Also nicht physisch wohlgemerkt, sondern rein boardkartentechnisch.

4)   …und veranlasst ein Storno für Rückfahrt und -flug.

Ritter Sport Treppenwerbung am Kölner Bahnhof

Was tun als zahlender Passagier? 

Alle Logik nutzt leider nichts. Als Passagier hat man hier keine Chance! Eine Info über das Storno bekommt übrigens nicht, warum auch. Beinahe hätte ich also 900,- € in den Sand gesetzt und wäre „fluglos“ am Airport gestrandet!

Ob man in so einem Fall rechtlich wirklich keine Chance hat, kann ich nicht beurteilen. Für diesen Fall gibt es inzwischen Anbieter, die sich für die Rechte von Fluggästen einsetzen und den Streitfall kostenlos prüfen. Z.B. wenn man von der Airline nicht befördert oder der Flug gestrichen wurde. Davon hätte ich dann definitiv Gebrauch gemacht. Musste ich in diesem Fall glücklicherweise nicht, denn durch einen Zufall erhielt ich einen Tag zuvor die Information über das Storno für die komplette Rückreise. So hatte ich noch die Möglichkeit das Ticket für den Zug und auch einen Platz im Flieger zu ergattern, gegen einen Aufpreis wohlgemerkt!

Meine Anmerkungen, dass ich es für die Pflicht der Schaffner im Zug halte, einen Gast darauf aufmerksam zu machen, dass die gesamte Rückreise storniert werden könnte, wollte man so nicht einsehen. Obwohl der gesamte Planet inzwischen mit eTickets, Vouchers und eMail-Ausdrucken arbeitet, „sei doch wohl logisch, dass ein Zug nur mit einem Print-Ticket funktioniert.“

Also mein Tipp an dieser Stelle:
Checkt einfach mal die Preise inkl. Flughafen-Transport. Das kann sich preislich lohnen und erspart Freunden die lästige Fahrt zum Flughafen. Doch Vorsicht, wenn dann die Zugfahrt nicht in Anspruch genommen wird oder wenn ihr vergesst, die Boardkarte zu ziehen.

Intercity DB in FrankfurtKooperationsartikel

 

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8 comments

  1. Eine wahrlich absurde Geschichte. Die DBler haben wohl eine gewisse Unschärfenrelation, wenns um den gesunden Menschenverstand geht.

    Vor dem Angebot Zug zum Flug kann ich übrigens nur ausdrücklich warnen. Vor etwa zwei Jahren habe ich meinen Rückflug von Peking nach Frankfurt um zwei Tage vorgezogen. Ich habe das über die Airline gemacht und nicht übers Reisebüro, weil die fürs Umbuchen eine zusätzlichen Gebühr wollen und ich ja nicht Krösus bin. Anrufen kann ich ja echt aus selber.

    Nur hat China Airlines offenbar im System nicht gesehen, dass es einen Weiterzug von Frankfurt nach Basel gibt, der halt auch umgebucht werden musste. Als ich also in Frankfurt ankam, war im System kein Ticket hinterlegt. Am Schalter gabs ebenfalls keine Hilfe: „Ja, ich sehe auf ihrer Buchungsbestätigung, dass Sie eine Zugverbindung zu Gute haben. Aber die ist nicht im System. Da kann ich nichts machen.Kommen Sie doch am Montag nochmals vorbei.“

    Ich hab ja nichts gegen Frankfurt. Aber nur weil diese DB-Tröte nicht in der Lage war, mein Ticket zu finden, will ich nicht zwei Tage in Hessen bleiben! Ich musste also ein zweites Ticket kaufen, das nochmals 70 Euro oder so kostete. Die verlorene Zeit gar nicht zu rechnen. Weil ich etwa 25 Minuten anstehen und 15 Minuten rumstreiten musste, verpasste ich zwei Züge.

    Zurück in Basel ging ich dort auf den Deutschen Bahnhof und man hat mir einen Teil des Ticketpreises zurückerstattet. Allerdings nicht alles. Für mich ist klar: Ich zahle lieber 100 Euro mehr, dafür brauche ich nicht mit der Deutschen Bahn zu fahren.

    • admin

      Eine nette Abholung per PKW ist noch immer am besten 🙂

  2. wo ist in Basel der Deutsche Bahnhof?
    Wie war Deutschland? Welche Airline war das?

    • admin

      Tag Boje,

      Deutschland war KALT, schrecklich KALT!
      Möchte ungern die Airline an den Pranger stellen, weil die Prozesse vielleicht nicht optimal durchdacht sind. Der Service war ja ok 😉

    • Oli

      Im Norden. Er heisst Badischer Bahnhof, was lustigerweise als „Bad bf“ angeschrieben ist. Eine Ex-Freundin fragte mich mal, ob ich mit „bad boyfriend“ gemeint sei…

  3. Jojo

    Du hattest doch bestimmt kein normalen Zug-zum-Flug sondern einen Code-Share bzw. Lufthansa Airrail „Flug“ oder? Soweit ich weiß gibt es da zwei Arten, zum Einen den Zug-Zum-Flug aus Deutschland nach FRA (und alle anderen Fughäfen) – da gibt es dann einen Gutschein (von z.B. Tui) oder einen Code um sich sein Bahnticket am Automaten auszudrucken. Hier bekommt man dann ein Bahnticket der DB mit den Daten Railway Germany –> Flughafen und Flughafen –> Railway Germany.

    Die andere Geschichte ist Lufthansa AirRail… Hier gibt es auf einige ICE-Verbindungen (Köln, Stuttgart und DUS nach FRA) quasi Code-Share auf die Deutsche Bahn… Und ja, da dies Technisch ein Flug ist, sollte man sich vorab ein Bordkarte besorgen. Vorteil für den Kunden ist dann in FRA, dass er bereits eingecheckt und damit sein Gepäck durchgecheckt ist, Nachteil… Naja anscheinend verfallen alle weiteren Segmente wenn man nicht eincheckt… oO

    • admin

      Bitte Jojo, ich versuche gerade die Sache zu „verdrängen“ 😉

  4. Jojo

    Aso, Köln HBF hat bei der Lufthansa auch einen eigenen Flughafencode – QKL und einen Schalter um für AirRail einzuchecken 😀

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