Kachelabteilung for rent

Kachelabteilung for rent

Während so einer Reise nächtigt man hier und da auch mal unter, ich möchte mal sagen „interessanten“ Wohn-Bedingungen. Aber was solls, man ist schließlich Rucksackreisender, das Budget ist schmal und überhaupt, selbst mit ´ner Million auf dem Konto hat man gefälligst in einem Hostel mit neun anderen stinkenden Schnarchsäcken zu schlafen, wo bleibt sonst der Spaß.

In Hong Kong ist es um Hostel-Unterkünfte nicht sehr gut bestellt. Als Metropole der Superlative mit einem Meer an Wolkenkratzern und den teuersten Immobilienpreisen weltweit (gemeinsam mit Monaco und London), wundert es mich eigentlich, dass Hong Kong, als sechst teuerste Stadt der Welt, nicht schon längst 400-Betten-Hostels vorzuweisen hat, in denen Traveler wie Hennen in Legebatterien gehalten werden. Selbst auf den paradiesischen Fidschi-Inseln gibt es bereits so eine Hütte mit mehreren hundert Betten – in EINEM RAUM wohlgemerkt!

Nein, nicht so in Hong Kong! Hier bekommt man ein komfortables Bett in einem Single- oder Double-Room. Hört sich zunächst einmal ganz toll an, auch wenn die Preise abschrecken. Für asiatische Verhältnisse eben ganz schön happig dieses Hong Kong. Ist mir schon einmal so begegnet, in Singapur vor allem, aber auch in den USA und Australien. Hier nächtigt ihr für den gleichen Preis in 10-Bett-Hostels. In Hong Kong springt dafür zumindest mal wieder ein Einzelzimmer raus.

Nicht wegen des Preises ist mir die Unterbringung in Hong Kong einen Artikel wert, sondern wegen der „besonderen“ Art der „Raumgestaltung“, die mir so bisher nicht wieder begegnet ist. „…mal eben in die Kachelabteilung“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Als ich mein Zimmer betrete, muss ich zunächst lachen, ist ja auch irgendwie witzig. Die letzte Nacht in einer voll verkachelten Toilette habe ich immerhin vor 15 Jahren, volltrunken über die Schüssel gebeugt, in Mainz verbracht. Auf ein Neues also.

Willkommen in der Chung King Mansion, der ersten Adresse für Backpacker in Hong Kong. Mein Zimmer überzeugt neben seiner Top-Lage durch Großzügigkeit und Raumaufteilung, ein Traum in weiss. (Ich stehe übrigens am Ende des Raumes AUF meinem Rucksack, um dieses Foto zu schiessen).

Über das kürzlich sanierte Treppenhaus gelange ich über 1.478 Stufen rasch in den Eingangsbereich mit sympathischen indischen Sim-Karten-Händlern und hervorragenden chinesischen Straßenküchen, die den Besuch der eigentlichen Kachelabteilung anschließend mehr als notwendig machen könnten. Ich könnte auch den Aufzug nehmen, falls er in den kommenden Tagen einmal auf meinem Stockwerk hält, doch wer schneller unten „aufschlagen“ will, springt am besten gleich durch den praktischen kleinen Innenhof, der ganz einfach über diverse Zugänge erreichbar ist.

Die gemütliche Holzbank an der einladenden Rezeption lädt zum Verweilen ein, die Weihnachtsdeko macht auch im September noch Laune und der freundliche Service zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht

„U wan room? Wan room or not ha? I hav!“

Die Kommunikation mit den Hongkongnesen ist weitaus schwieriger als mit den hervorragend Englisch sprechenden Singapurern oder Indonesiern. Wer noch größere sprachliche Herausforderungen liebt, der sollte die Grenze zu China überschreiten. Mir werden äußerst interessante Stories von Backpackern berichtet, die auch gerne mal 3 Tage an einer Busstation verbringen, weil alle Busse mit chinesischen Schriftzeichen bestückt sind und kein einziger Local der englischen Sprache mächtig ist…DREI volle Tage lang! Ein Traum! Nichtsdestotrotz hat gerade China eine überwältigende landschaftliche Vielfalt zu bieten, die bereist werden will. Vielleicht sollte man jedoch gerade in China eine teilorganisierte Reise in Betracht ziehen, sofern man plant, die touristischen Pfade zu verlassen. Anbieter, wie Djoser.de haben sich auf derartige Rundreisen spezialisiert und bieten interessante Touren an.

Aber zurück zu meiner Kachelbehausung: Nach 2 Tagen haut es mich in Hong Kong mit hohem Fieber um. Ich komme in den Genuss, eine ganze Woche rund um die Uhr in meinem kleinen neuen schönen Kachelraum in der Chung King Mansion zu verbringen. Hochinteressant, was ein weisser Raum mit Dir im Fieberwahn so anrichtet. Ich verbuche diese Tage unter der Kategorie „sich selber kennenlernen, während man dahin vegetiert“. Ich spreche also meinen netten chinesischen Rezeptionisten an und erkläre ihm mit Händen und Füßen, dass ich sein kleines Zimmer über alles liebe, aber gerne etwas mehr Komfort hätte. Ich würde ja zur Abwechslung mal aus einem Fenster schauen wollen.

„Of coulse we have window room. No ploblem mista.“

Und er zeigt mir seine Suite mit Blick auf die nächste Wolkenkratzerwand. 50% Preisaufschlag und das Fenster ist geradezu gigantisch, ich lehne dankend ab.

Ich erkläre ihm, dass ich hohes Fieber habe und gerne etwas mehr Komfort hätte. Endlich kommt er meinem Wunsch nach und kurze Zeit später ziehe ich in ein schönes großes Dreierzimmer zum doppelten Preis. Mit Fenster! Wahnsinn!

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Hinter dem dicken Vorhang offenbart sich ein klaffendes Loch in der Wand mit einem bisschen Glas drumherum, durch das sich frostige 10 Grad ihren Weg in mein Zimmer bahnen. Auch ziemlich praktisch für die Durchlüftung: Die Klimaanlage wird einfach mitten ins Mauerwerk gesetzt, sodass kalte Luft durch die Kunststofflamellen zieht.

„Hey Mister! Kannst Du mal die Heizung anmachen, ich friere!!!“

„Heatel? We no have Heatel!“

„WIE? No have???“

Nein, in Hong Kong gibt es keine Heizungen. Macht ja auch fast keinen Sinn, bei 10 Grad. Ich bin begeistert.

 

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15 comments

  1. …über das kürzlich sanierte Treppenhaus… 🙂 Darum lese ich deine Beiträge so gern. 😀

  2. einfach der hammer deine beiträge . als ich in hongkong war war es schon grauenvoll bei den ganzen hostels.. wo die 100 inder unten abhängen und „u wanna watch“ den ganzen tag sagen 😀

  3. chiara

    zitat …über das kürzlich sanierte Treppenhaus… Darum lese ich deine Beiträge so gern. ende

    Find ich auch witzig! :-))

  4. Na, da bin ich aber froh, daß ich in Hong Kong couchsurfen war und mit Host und mitsurfern die Honk Kong Version von Monopoly gespielt habe (übrigens nicht mit Bargeld, sondern mit Kreditkarten!! :D)

    • admin

      Monopoly mit Kreditkarten?! Hört sich lustig an 😉

    • admin

      Danke Danke 🙂
      coole Unterkunft hattest Du da!

  5. Daniela

    Mahahaha, tja, in Hong Kong ist es eben etwas spezieller 🙂 Es gibt aber auch Hostels, die für etwas mehr Geld auch etwas mehr Lebensqualität bieten. Keineswegs Luxus, aber wenigstens auch nicht den Wunsch, sofort mit dem Kopf gegen die gekachelte Wand zu schlagen XD Chunking Mansion ist halt dann doch eine Welt für sich, bei der jeder selbst entscheiden muss, ob er sich in diese Untiefen begeben will (oder lieber nicht – me!). Im Krimi „Der Leopard“ von Jo Nesbo landet Komissar Hole übrigens auch in Hong Kong und lebt dort mit den Afrikanern in den von dir sehnlichst gesuchten 300+ Bettenburgen, bei den Chunking Mansions, wobei ‚lebt‘ vermutlich nicht treffend beschrieben ist. Sehr lesenswert, falls du Sehnsucht haben solltest.

    Ansonsten mag es dich trösten, zu wissen, dass die meisten Hong Kong Chinesen nicht viel besser leben, auf max. 30-40 qm mit Kind, Oma, Schwester und mehr. Eventuell mit Fenster.

  6. Wie immer sehr gut geschrieben!

    Wird Zeit, dass du wieder auf Reise gehst und uns mit neuen Beiträgen und Geschichten unterhältst:)

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