Bravo Puerto Rico! (…in einem unbekannten Land)

Bravo Puerto Rico! (…in einem unbekannten Land)

Es geht zurück in die Karibik. Nach einer standesgemäßen Einstimmung in Miami bin ich bereit für hotte Salsa-Rythmen, rassige schwarze Schönheiten, traumhafte Strände, verlebte braungebrannte Karibianer, die genüsslich an der Havanna nukeln und selbstgebrannten Rum direkt über den Tropf intravenös einlaufen lassen.

Gespannt inwiefern sich meine klischeehafte Wunschvorstellung bewahrheitet, fliege ich in einen Inselstaat ein, der in aller Regel von Urlaubern nur per Kreuzfahrtschiff angelaufen wird und politisch zu den USA gehört. Puerto Rico selbst, karibisch den Großen Antillen zugehörig, liegt inmitten tief abfallender Seebecken und Gräben.

Für Nichtschwimmer absolut ungeeignet, geht es nördlich der Insel knapp 10 km ab, Richtung Erdmittelpunkt, wo bereits Jules Verne sein Unwesen trieb. Die Inselbewohner sehen sich selbst wohl weniger als US-Amerikaner, sondern als Abkömmlinge der Spanier und der ursprünglichen Inselbewohner vor der Zeit Kolumbus. Englisch wird kaum gesprochen und ich bereue auf ein Neues, dass ich im Spanischkurs bitter versagt habe (wieso ist eigentlich überall wo USA draufsteht, Espana drin?!).

Cuba und Jamaica, Haiti und die Dominikanische Republik, Barbados, die Bahamas, Trinidad und Tobago, Curacao und Margarita, obwohl das Areal der Karibik relativ knapp bemessen, sind uns einige exotisch klingende Inseln bekannt, wohl auch aus dem Spirituosenregal Deines Vertrauens. Doch niemand spricht von Puerto Rico, für mich ein guter Grund, mal eben vorbeizujetten.

An der Spitze Puerto Ricos Nordküste liegt San Juan, Hauptanlaufpunkt für Touristen und Kreuzfahrtdampfer, von zwei massiven Festungen geschützt. Kinder lassen hinter den Festungsmauern im Wind des Atlantiks auf saftig grünen Wiesen Drachen in die Lüfte steigen. Erinnerungen an Schottland kommen auf (ich war noch nie dort, aber rein theoretisch müßte es dort genau SO aussehen), wären da nicht die in allen erdenklichen, karibisch anmutend grellen Farben bepinselten, süßen Häuser, die dem farblosen Europäer (in Köln sind übrigens alle Häuser Domgrau) die pure Puerto Ricanische Lebensfreude ins Gesicht bläst. Ein Fest für jede Megapixelkanone, wenn ich meine Cam nicht schon wieder geschrottet hätte, aber auch meine neue kleine Digicam sahnt sagenhafte Bilder ab.

Puerto Rico lässt sagenhafte weisse Sandstrände mit karibisch türkisem Wasser vermissen. Auch die Kriminalität bewegt sich nicht gerade auf niedrigem Niveau, Augen offenhalten und keine Wertsachen zur Schau stellen! Relativ sicher (wobei die Beschreibung  “weniger unsicher” passender wäre), ist man in San Juans Oldtown, der von den alten Stadtmauern umgebenen Altstadt. Meinem Kumpel, den ich noch auf St. Maarten kennenlernen werde, wird gerade einige Straßen weiter am hellichten Tag eine großkalibrige Waffe in die Magengegend geschoben, wärend er unter Todesangst all seine Habseligkeiten herausrückt. Zur falschen Zeit am falschen Ort und der größte Albtraum, den ich mir vorstellen kann. Sein Hostel befand sich nicht innerhalb der Altstadt.

Und dennoch, San Juans Altstadt, von 2 Festungen an der Nordküste umgeben, die leicht hügelige Graslandschaft, die sattfarbigen Häuser und ein absolut abgefahrener Friedhof, über den ich noch schreiben werde, entführen mich, nach langem Reisen über drei Kontinente, in eine völlig andere Welt.

Absoluter Ausnahmezustand! Ich bin unendlich begeistert! Und damit schießt Puerto Rico oder zumindest San Juan auf, in die Top Ten der beeindruckendsten Orte, die ich auf dieser Reise und in meinem Leben jemals sah! Verdammt sehenswert! Die Kulisse ist wahrer Balsam für meine erschöpfte Weltreiseseele und wie bereits des öfteren, erfreut es mich umso mehr, dass ich mit nichts gerechnet habe. Die Erwartungen stehen auf Null, bei der Einreise in ein mir und anderen völlig unbekanntes Land. Keine Erzählungen, keine Reiseberichte von Bekannten, keine Beeinflussung, die irgendeine Erwartung hätten wecken können.

By the way ist Puerto Rico auch noch eine wahre Miss Universe Brutstätte. Gemeinsam mit Venezuela bringt der kleine Inselstaat die meißten schönsten Frauen der Welt auf die selbige. Neben Bruttoinlandsprodukten, Arbeitslosenzahlen und Staatsverschuldungen endlich mal eine brauchbare, sinnvolle und von mir gern gelesene Statistik.

Da kann man auch mal Danke sagen!

Gracias Amigos!

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2 comments

  1. Melissa Lee

    Awesome photos!! You have excellent eyes for photography! Thanks for sharing!

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