Vogelrotze

Vogelrotze

Heute habe ich mich einer asiatischen Delikatesse gewidmet, deren Zutat und Zubereitung mir einen Artikel zur Themenreihe “Ich probiere Dinge, die Ihr zum Kotzen findet” wert ist. Die Speise oder besser gesagt das Getraenk nennt sich Birds Nest und fragt man Locals, wird mir tatsaechlich erklaert, dass hierzu ein Vogelnest in einen Topf geschmissen, zu Brei gekocht und dann unter Beigabe von Zuckersirup serviert wird. Das ist zum Glueck Humbuck, bzw, eigentlich ist es wohl doch korrekt. Nur, dass ich dabei automatisch an das typische aus Zweigen, Laub und sonstigem Müll zusammengetragene Vogelnest denke, wie ich sie von daheim kenne.

Nun weiß ich nicht, ob ich sogar gekochten ZweigeLaubMüll-Vogelnest-Brei als das geringere Uebel ansehen würde, denn bei Birds Nest handelt es sich um nichts anderes als um den Speichel des Mauerseglers, den der Vogel zum Bau des Nestes verwendet. Über die Konsistenz des Vogelspeichels möchte ich gar nicht weiter nachdenken, denn es gelingt dem Tier wunderbar, sein Nest damit an glatten Klippen und Steilwaenden zu befestigen. Da müsste ich ganz schön tief in die Nasennebenhöhlen greifen, um gleichartige Kunststücke mit meinem Speichel zu vollbringen, also eine ganz schön klebrige Angelegenheit oder auf gut Deutsch: Vogelrotze!

Tapfere Arbeiter erklimmen die Steilwaende, um verlassene Nester einzusammeln, was Birds Nest zu einer unverschaemt teuren Delikatesse macht. Der Speichel wird dann aufwaendig gereinigt (wobei mir mal jemand erklaeren muss, wie man Spucke so reinigt, dass sie nicht mehr ekelhaft, dafür aber geniessbar wird und dabei trotzdem Spucke bleibt), dann in einem langen Prozess gekocht, mit Suessungmitteln versetzt und in Einmachglaesser und Dosen abgefuellt. Auf so etwas koennen natuerlich nur Chinesen kommen.

Ein Kilo von dem Zeug ist bereits für läppische 5000,- € erhältlich aber es gibt auch die Discounter-Variante in der Dose für wenige Euro. Ich unterziehe mich dem ultimativen Selbsttest, obwohl ich weiß, dass Käferesser und Madenlutscher über Birds Nest nur lachen können. Ich taste mich gerne aber gemächlich an die Ekelhaftigkeiten dieser Welt heran. Als ich das Einmachglas öffne, riecht das Gebraeu zunächst nicht weiter streng oder ungewöhnlich.

Wenigstens wurde mir die exclusive Variante unterbreitet, sodass in mir die Hoffnung aufkeimt , dass es sich um ein besonders gepflegtes Exemplar des Mauerseglers handelte, der sich hier seiner Vogelrotze entledigte.

Das Gesöff kommt mir dickflüssig daher und es schwimmen kleine Stücke darin, mmmh lecker! Also, gar nicht drüber nachdenken und rein damit…ein kleiner Schluck…

…und Überraschung: Gar nicht mal so übel das Zeug. Schmeckt wie Zuckersyrup mit Fruchtfleisch, eigentlich sogar ganz passabel.

Nein, ganz ehrlich! Schmeckt sogar verdammt gut!

Die Chinesen sind davon ueberzeugt, dass Birds Nest die Zellregenerierung anregt und sind daher bereit, immense Preise fuer den Saft zu zahlen. Dahinter steht ein riesiger Produktionsapparat und ein lukratives Business.

Birds Nest – kann ich nur empfehlen! Aber 50 Euro für so ein kleines Einmachglas?!

Na dann mal Prost…

 

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7 comments

  1. Claudia

    nächste Stufe Ekelfaktor: Balut -.-
    Respekt übrigens für’s ausprobieren, ich könnte das nicht 🙂

    • admin

      Balut…das mußte ich jetzt erstmal googlen. Das…ähm…nein Danke! 😉

      • Claudia

        Da geb ich dir vollkommen recht! Ich kenn’s (ironischerweise) aus den USA, da gibt’s sogar Essenswettbewerbe dazu (für mich als Deutsche ehrlich gesagt undenkbar, aber andere Länder, andere Sitten 😉 )

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