Erinnerungen einer Nanny an London, England

Erinnerungen einer Nanny an London, England

Ich brauche auch mal Urlaub vom Urlaub, oder? Also geht´s ab in die Karibik. Die Seele baumeln lassen, nichts tun, nur abgammeln, von hier zum Bier und vom Bier zum hier. Und so lange gibt´s einen

Gastartikel von Bethula Schu

Meistens ist es ja so, dass man im Rückblick Dinge ganz anders sieht, als man sie damals empfunden hat. Die Perspektive, mit der man sie betrachtet, hat sich verändert, man hat neue Erfahrungen gesammelt – gute und weniger schöne – ist daran gewachsen, hat dazu gelernt und ist schließlich ist man zu der Person geworden, die man heute ist.

Heute, sechs Jahre später, erscheint der Sommer, den ich damals in London, Birmingham und Umgebung verbracht habe, wie aus einem anderen Leben zu kommen. Es fühlt sich sogar fast so an, als wäre das garnicht ich gewesen, die damals als 18-jährige Nanny auf zwei kleine Jungs – sechs Monate und 4 Jahre alt – aufgepasst, sie gewickelt, gefüttert und bespaßt hat.

Den Großteil des Sommers verbrachte ich damals mit der Familie in einem beschaulichen Kleinstädtchen namens Stourbridge in den West Midlands, wo die Straße vor unserem Haus eine Einbahnstraße war, weil sie so schmal war, wo morgens der Milchmann noch die Milch in Glasflaschen vor die Haustür stellt und wo jeder jeden kennt und zumeist auch grüßt. Von dort aus unternahmen wir immer viele Ausflüge in die umliegenden atemberaubend schönen Naturparks mit riesigen alten Eichen und historischen ‚Castles’ und den obligatorischen Schafherden.

Eines schönen, verlängerten Wochenendes fuhren wir dann jedoch endlich nach London zu den „wohlhabenden Großeltern“, die im reichen Viertel Kensington wohnten. Alternativ hätten wir eine der zahlreichen Ferienwohnung in London mieten können. Die britische Hauptstadt sollte das absolute Kontrastprogramm zu dem ländlichen Leben werden, das ich bis dahin erlebt hatte. Ich weiß noch genau, wie sie mir damals etwas Taschengeld in die Hand drückten und ich den Rest der Zeit frei hatte, um die Stadt zu erkunden. Ich staunte nicht schlecht, als ich mich das erste Mal in den berühmten ‚Tube’ und das verwirrende Untergrundbahnnetz wagte, voller geschäftiger Businessmenschen und einfach zu vielen Menschen. Den Rest meiner Zeit bewegte ich mich dann vorzugsweise zu Fuß oder mit den berühmten leuchtend roten, nostalgischen Doppeldeckerbussen fort, auf die man immer noch hinten aufspringen konnte wie im letzten Jahrhundert. Natürlich stattete ich auch allen den famosen Sehenswürdigkeiten einen ehrenvollen Besuch ab, Buckingham Palace, Big Ben, Westminster Abbey, London Bridge, Hyde Park, Trafalgar Square, Picadilly Circus etc., nur das London Eye begutachtete ich nur von außen, weil mir dann die Schlange doch zu lang war.

In guter Erinnerung ist mir die Art der Londoner und auch der Engländer im Allgemeinen geblieben: sie sind ein angenehmes Völkchen und immer zu einem Witzchen aufgelegt und hier und da einem Kosewort und außerdem sind sie äußerst höfliche und hilfsbereite Menschen.

Aus meiner jetzigen Sicht war dies eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte und die damals einen wichtigen Grundstein für meinen Zugang zur englischen Sprache gelegt hat und meine Freude daran bis heute wachgehalten hat.

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