Muay Thai – Immer schön auf die Fresse

Muay Thai – Immer schön auf die Fresse

Da ich hier gerade in Singapur rumgammle, schieße ich mal eben einen Artikel aus Thailand nach, für den ich bisher keine Zeit hatte.

Muay Thai – der Volkssport Thailands. Selbst auf den kleinsten Inseln, wie hier auf Koh Phangan, Koh Samui und Koh Tao wimmelt es von kleinen Boxschulen und Kampfarenen, in denen Wettkämpfe ausgetragen werden. Die Thais sind verrückt danach. So werden bereits Kleinstkinder in die Schulen geschickt, um sich gegenseitig schön die Birne weichzuklopfen.

Wer sich in Thailand befindet, sollte unbedingt einen Wettkampf besuchen und auch selbst einmal ein Training mitmachen. Ich melde mich an im Jungle Gym auf Koh Phangan. Inhaber und Trainer ist eine Frau. Zunächst bin ich etwas skeptisch und auch enttäuscht, da ich erwartete von einem kleinen zarten Thailänder verprügelt zu werden. Stattdessen kommt eine breitschultrige Muskel bepackte Amerikanerin (oder so) rein. Na dann mal Prost Mahlzeit.

Sie startet die erste Session soft und spaßig. Ganz schön clever. Denn so entscheide ich mich, am nächsten Tag wieder zu kommen. Der Tag wird dann schon BEDEUTEND härter. Gnadenloses Pratzentraining ist angesagt. Tritte und Schläge bis zum Abwinken. Und wenn ich wirklich am Ende bin und um Gnade bettle:

„Cum on, guy, gimme 20 more kicks. One, two, three, CUM ON! FASTER! four, five…“

Die Alte macht mich fertig!

Nach 1 Stunde kann ich meine verdammten Beine nicht mehr bewegen und kriege die Arme nur unter höchsten Schmerzen gehoben…mit meinen Schienbeinen stimmt auch iiiiiirgendwas nicht…aber das zeigt sich erst am nächsten Morgen. Interessant, wie das Bein von Stunde zu Stunde blauer anläuft.

Ich hätte wissen müssen, dass es nicht gesund ist, 100 mal mit dem Schienbein gegen diese sch**** Pratzen zu treten…und das mit beiden Beinen, damit ich am Strand auch schön gleichmäßig dämlich aussehe. Die Abwehrtritte des Gegners beim Sparing allerdings sind noch mörderischer. Schienbein gegen Schienbein, klack klack klack, ich warte auf ein Geräusch des Knochenbrechens, zum Glück vergeblich.

Und so brauche ich nach den folgenden Trainingseinheiten meist einen Tag Pause um meine Wunden zu lecken. Aber es gibt auch sowas wie Schienbeinschoner, wie ich leider zu spät erfahre (100 pro Absicht!!!). Mit ihnen geht’s dann schon etwas besser, wenn ich wieder und wieder und wieder genötigt werde, mit meinen ohnehin bereits grün und blau getretenen Schienbeinen gegen die Pratzen zu treten oder Eva mir zu Abwehr mit ihren Schienbeinen meine wegtritt (danke nochmal).

Also eins ist mal klar, Muay Thai ist nichts für Weicheier und speziell in Thailand nochmal eine Nummer härter, als bei uns in deutschen Schulen. Für die Reise kann es nicht schaden, sich zu Beginn hier mal ordentlich abhärten zu lassen. Allerdings ist die Verletzungsgefahr groß, ein gebrochenes Bein zum Anfang der Reise…nicht so prickelnd. Mit Gips am Strand schwitzt es sich doppelt hab ich mir sagen lassen.

Wenn ich meine Reisevorbereitungen nicht so übertrieben ernst genommen hätte und ich mich insbesondere körperlich über alle Maßen vorbereitet hätte, würde das Kampfweib mich jetzt noch mehr ärgern können. Aber ich bin fit wie nie zuvor in meinem Leben und das zahlt sich nun aus. Ich habe 6 Monate intensivst Kraft-, Ausdauer- und Kampfsport betrieben und überlebe daher das Training knapp.

Wer unvorbereitet an solch einem Training teilnehmen möchte, dem wünsche ich jetzt schon mal viel Spaß. Zumindest ein Mindestmaß an Kondition kann ich nur jedem empfehlen. Mein Gegner im Ring erzählt mir von einem Kollegen, der sich am Vortag zunächst eine Runde übergeben musste, nachdem er für 30 Minuten teilnahm.

Kein Wunder, wo sich auf Koh Phangan eigentlich alles um eines dreht – Party und Saufen, bis der Arzt kommt! Hier wird jede Nacht durchgemacht. In welcher Verfassung und mit welchem Restalkoholspiegel ich und Eva das Training absolvieren, zeigen Jaques und Nadine, die es nicht einmal schaffen 10 Minuten wach zu bleiben. Sie lassen sich erfolgreich am Ring fallen…und schlafen ein…super Leute, danke für Eure Unterstützung!

Und das, während wir in diversen Muay Thai Fights alles geben (obwohl…mich übergeben könnt ich ja schon mal, so zwischendurch).

Was den Sport an sich angeht, so sollte man schon über einige Nerven verfügen, wenn man sich ein Turnier ansieht. Wie kleine 10 jährige Kinder sich dermaßen aufs Maul hauen, dass sie KO gehen und bewusstlos am Boden liegen, ist für mich im ersten Moment schwer verdaulich.

Mich beschleicht ein mulmiges Gefühl gepaart mit blankem Entsetzen als ein Kind durch einen Schlag in den Solar Plexus zu Boden geht. Es liegt minutenlang bewusstlos im Ring. Mit diversem Riechkram versucht man den Kleinen wieder wach zukriegen, was nach einiger Zeit auch gelingt. Die Menge tobt derweil und ist begeistert. Sie haben im Vorfeld auf die einzelnen Kontrahenten gewettet, um Geld. Um Geld, dass ein Kleinkind ko geschlagen wird. ZIEMLICH übler Tobak, wie ich finde. Doch so sieht es die Kultur hier nun mal vor. Bei uns werden die Kids zur Verdummung in den Fußballverein geschickt und hier halt zum Gehirn-zu-Brei-schlagen in den Muay Thai Club. Eigentlich kaum ein Unterschied.

Nach 3 Kämpfen sind die Kidfights dann auch vorüber und die Großen dürfen ran. Hier macht es Spaß zuzusehen. Zum Beispiel wie dieser Guy einen lustigen Muay Thai Dance hinlegt, als er einen über die Rübe kriegt.

(ich find ja verschwommene pics im Internet echt schrecklich)

Hier hätt ich mir ja noch ein Schlammbecken dazu gewünscht. Aber war nix zu machen!

Der Endkampf zwischen dem einzigen westlichen Kämpfer (Aussi) gegen einen Thai ist dann eine Riesenüberraschung. Dachte man doch, dass man gegen die quirligen durchtrainierten Thais keine Chance hat, beweist der australische Kämpfer hier eindrucksvoll, dass das Gegenteil der Fall ist. Die körperliche Überlegenheit gegenüber den Thais ist ein haushoher Bonus. Drei, vier Schläge und der thailändische Kämpfer torkelt bereits in der ersten Runde. Nach 2 weiteren geht er dann KO.

Thaiboxen…für jeden fitten Thailandurlauber ein Erlebnis, für alle anderen eher eine Folter.

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