Chichen Itza und die Pyramide der Pyramiden

Chichen Itza und die Pyramide der Pyramiden

Wir starten von Cancun aus Richtung Chichen Itza, der wohl bekanntesten Ruinenstätte der Maya. Sieht man in den Medien eine Maya Pyramide, dann ist es zu 90% die Kukulcan-Pyramide von Chichen Itza. Zwischen dem 8. Und 11. Jahrhundert hatte Chichen Itza seine Blütezeit und war eine der bedeutendsten Hochburgen der Maya, bevor es im 16. Jahrhundert von den Spaniern erobert wurde.

Chichen Itza ist vor allem wegen seiner Architektur berühmt, die aus diversen verschiedenen Bauten besteht. Pyramiden, Tempel, Säulengänge, Ballspielplätze, Höfe, usw. Die 30 Meter hohe Stufenpyramide des Kukulcan ist dabei das bedeutendste Bauwerk und sicher das meist verkaufte Postkartenmotiv Yucatans. Markus, unser 2 Meter großer, bayrischer Reiseführer, erzählt uns beeindruckende Details vom Bau der Pyramide.

Die Anzahl der Stufen jeder Seite (91) + der Sockelstufe ergeben exakt die 365 Tage des Sonnenjahres der Maya. Durch die Treppen werden die 9 Terrassen der Pyramide in 18 Segmente geteilt, was wiederrum den Monaten des Mayajahres entspricht. So fungiert die Pyramide als exakter Kalender, dessen Genauigkeit verblüffend ist. Die Pyramide ist so ausgerichtet, dass sich an ihr die 2 mal jährlich stattfindende Tagundnachtgleiche ablesen lässt. Am 21. März steigt nach Maya-Glauben Kukulcan aus dem Himmel hinab. Die Pyramide verschwindet dabei im Schatten, während die letzten Sonnenstrahlen über die Treppen der Pyramide fallen und auf ihr den Schatten eines geschwungenen Schlangenkörpers abbilden, der sich mit dem Schlangenkopf am Fuße der Haupttreppe verbindet und mit untergehender Sonne die Pyramide hinabkriecht. Am 21. September sieht es dann andersherum so aus, als wenn die Schlange die Pyramide wieder hinaufkriecht und die Erde verlässt. Unglaublich faszinierend. Hierzu versammeln sich zu diesen Terminen immer Tausende von Menschen in weißen Gewändern, um dieses Schauspiel zu beobachten, also quasi die White Sensation Yucatans, nur ohne Techno-Musik, aber sicher mit genauso vielen verstörten weiß gekleideten Menschen auf einem Haufen. Dennoch muss ich zugeben, dass ich dieses Spektakel sehr gerne mal sehen würde.

Das Areal ist riesig. Zwischen den alten Bauten laufen gewaltige Echsen herum oder liegen faul in der Sonne. Bei der ersten glaubt man noch, das Foto seines Leben geschossen zu haben, nachdem man sich mühsam anschlich, am besten auf allen vieren, das Tier bloß nicht aufschrecken und dann in einigen Metern Abstand vorsichtig den Auslöser drücken, klick. Wahnsinn, wie der junge Kieling! Später wird jedoch klar, dass sich hier massenhaft dieser Tiere aufhalten und sie scheren sich einen Dreck um die Touristen. Die Gelegenheit für tolle Tierfotos.

Todesopfer der Neuzeit

Bis vor einigen Jahren war die Pyramide noch für Touristen zugänglich. Auf Fotos sieht man nicht wirklich, wie steil die Treppe und wie kurz die Stufen nur sind. Auch Touristen haben dies desöfteren unterschätzt und es kam immer häufiger zu Todesfällen durch hinabstürzende Reisende. Markus macht dies am Beispiel des fetten, amerikanischen 150 Kilo Standardtouris deutlich, der rückwärtslaufend die Pyramide besteigt, während er lachend, seine Kinder beim hinterherklettern filmt. Das gab dann meist einen ganz bösen Fettfleck am Fuße der Pyramide, daher hat die Regierung beschlossen, die Besteigung zu verbieten. Oft konnte man auch auf allen vieren hinabkletternde Menschen beobachten, die mit Begeisterung die Pyramide hinaufstiegen, um dann beim Anblick der Stufen von oben festzustellen, dass das Ding abartig steil ist. Die einzige Möglichkeit war dann, rückwärts auf alles Vieren im Zeitlupentempo hinunter zu kriechen.

Todesopfer der Mayazeit

Die Maya gelten den Erzählungen nach als äußerst grausames Volk. Zum Teil wurden in monatelangen Ritualen mehrere 10.000 Menschen auf einmal den Göttern geopfert. Diese wurden dann von der Spitze der Pyramide die Treppen hinuntergestoßen. Anlass hierfür sollen grausame Rituale der Wilden sein, die Ihre Gefangenen auf diese Art töteten. Soweit die Kenntnisse, die wir über die Maya aufgrund Reportagen in den Medien erhalten. Markus erzählt uns, dass dies längst durch Forschungen widerlegt und bei einem hochentwickelten Volk, wie dem der Maya, von Wilden zu sprechen, lächerlich sei. Längst ist bewiesen, dass diese „Wilden“ uns in vielen Dingen deutlich überlegen waren. Eine hoch entwickelte Kultur, die nichts dem Zufall überließ. So ging es bei diesen Opferzeremonien ums nackte Überleben nach durchstandenen Dürreperioden. Der Herrscher über das Volk Chichen Itzas hatte die Verantwortung über sein Volk und deren Überleben. Wurde das Land von einer Dürre heimgesucht, fiel die Ernte entsprechend schlecht aus, was zur Folge hatte, dass Menschen hungern mussten. Die Aufgabe des Herrschers war es, unter anderem mittels „Dezimierung“ des Volkes dafür Sorge zu tragen, dass die Ernte ausreicht und das verbleibende Volk nicht von Hunger geplagt wurde. Er ordnete in Dürrejahren Massenopferungen an, zu der sich durchaus Freiwillige zum Wohle der Allgemeinheit opferten, um das Überleben des verbleibenden Volkes zu sichern. Gäbe es das heute noch?! Mit Sicherheit nicht. Obwohl mir auf Anhieb einige Menschen einfallen, denen ich gerne einen Schubs von der Pyramide geben würde…“hups, er wollte sich opfern, er hat sich nur nicht getraut zu springen…“ *Fettfleck*.

Ich würde eine wahre Fettfleckorgie veranstalten.

 

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