Cook Island Adventisten (Part II)

Cook Island Adventisten (Part II)

Nach dem Jugendgottesdienst in Aitutakis Adventistenkirche, besuchen alle Gemeindemitglieder gemeinsam das örtliche Krankenhaus. Wir schwingen uns auf die Laderampe von 5 Pick Ups und düsen in einer Kolonne Richtung Hospital. Dort liegt genau 1 (in Worten: EIN) Patient im Krankenhaus. Mit nicht weniger als 30 Mann fallen wir dort ein, wie die Allierten in der Normandie. Der Patient wird jedoch nicht frontal belästigt, sondern alle stellen sich bedächtig in den Flur und es beginnt eine Predigt für den Kranken mit Gebet und Gesang.

Hinter einem Vorhang hört er/sie sich das Ganze an, gesegnet damit, dass ich die Texte nicht kenne, denn das würde seinem Genesungsvorgang schwerlich schaden.

Geschlossene Zimmer gibt es nicht. Nach etwa einer halben Stunde sprechen einige der Adventisten zum Patienten, wünschen ihm eine gute Genesung. Ich bin zwar ein Papparazzi, die Cam schon im Anschlag, aber den Kranken frontal abzulichten, konnte ich mir dann so gerade noch verkneifen.


Zum Sabbath-Abschluss bei Cookies

Auf dem Rückweg fährt der PickUp in die Einfahrt einer Hütte, anstatt mich zurück zur Kirche zu bringen. Ich werde noch eingeladen, bei einer Adventisten Familie am Abschluss des Sabbaths teilzunehmen.

Dieser besteht darin, sich zusammenzusetzen, um gemeinsam über den Tag zu sprechen. Inhaltlich geht es hauptsächlich um mich und meine Besuch dort, ich höre aus dem Maori-Gebrabbel in jedem Satz meinen Namen und ab und zu übersetzt man auf Englisch. Ich werde wieder gebeten, aus Deutschland zu berichten. Anschließend essen wir gemeinsam.

Man reicht mir einige (undefinierbare) Gemüsesorten (fragt mich nicht wie das Zeug heißt). Es handelt sich um die lokalen Hauptspeisen von eigenen Plantagen, teils mit Kokosmilch verkocht und zu fester Materie verarbeitet. Mmhh…schmeckt EXAKT so, wie es aussieht. Dazu gibt es selbst gefangenen Fisch.

Gegessen wird mit den Fingern. -Gib Besteck keine Chance-. Selbst eine puddingartige Masse aus einem Bottich wird mit den Fingern geleert, als sie herumgereicht wird. Unbezahlbar, wenn man das Zeug als Letzter gereicht bekommt, nachdem bereits alle, bis zum Arm dringesteckt haben, wie der Befruchter im Arsch einer Kuh.

„Oh thank u, but i am SO full. Thank u very much! It looks so good!“

Ich ernte einen verständnislosen Blick, als ich versehentlich die Gabel verwende, die eigentlich dazu gedacht war, eine bestimmte Speise aus einem tiefen Gefäß herauszufischen. Als Getränk erhalte ich eine Kokosnuss.

Seit meiner Ankunft frage ich mich, wie die Locals, die nicht im Tourismus ihr Geld verdienen, sich die Lebensmittel aus den kleinen Supermärkten leisten zu können. Können sie nicht. Das komplette Essen des Abends ist für Noppes und stammt von den eigenen Plantagen. Kokosnüsse, Bananen, Popos und Papayas, undefinierbare lokale nachnichtsschmeckende Frucht und der Fisch direkt aus dem Ozean, so sieht der tägliche Speiseplan aus. Und er kostet die Einheimischen nichts als den eigenen Schweiss. Die Häuser wurden selbst gebaut, Mieten zahlt man nicht. Nur so ist auch ein Leben als Local auf einer der teuersten Inseln der Welt möglich. Die Menschen sind glücklich, mit dem Wenigen, das sie haben. Sie vermissen nichts und geniessen das Inselleben mit ihrer Plantagenarbeit und der Fischerei in vollen Zügen. Sie zeigen ein großes Interesse an meiner Heimat, denken jedoch im Traum nicht daran, einen Gedanken daran zu verschwenden, dieses Paradies zu verlassen. Hätten Sie auch nur den Hauch einer Ahnung, mit welchen Belanglosigkeiten man sich in unseren Regionen beschäftigt und wie sehr uns Status und Oberflächlichkeiten beherrschen, würden sie vermutlich die Welt nicht mehr verstehen.

Wir tauschen uns noch ein wenig über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und der Südsee aus, bevor der Abend dem Ende zugeht. Ein Nachmittag, ein Abend und eine Begegnung, die ich wohl so schnell nicht vergessen werde, an Gastfreundlichkeit nicht zu übertreffen.

Der Artikel hat dir gefallen?
Mehr coole Tipps direkt in dein Email-Postfach und die automatische Teilnahme an Gewinnspielen gibt's hier. Go VIP!

Weiterlesen macht klug

Leave a Reply

*

5 comments

  1. Antje

    Wow… sicher total eindrücklich…
    hoffe, du wirst mal keine schwierigkeiten haben nach deiner reise wieder in deutschland zu sein ! 😉

    weiter so… geniess deine zeit und verlier die lust am schreiben nicht ! 😉

    • admin

      „hoffe, du wirst mal keine schwierigkeiten haben nach deiner reise wieder in deutschland zu sein !“

      mit Sicherheit werde ich das!

  2. Simone

    Hey Ho,

    mal wieder schön und diesmal zwei wichtige Fragen:
    1. Wie konnte der Knabe bei derartigem Local Food so dick werden?
    2. Mir ist neu, dass Kühe jetzt durch den Arsch befruchtet werden 😀 😀 😀

    Liebste Grüße von mir

    • admin

      Hahahaha, ok jetzt lag ich grad mal unterm Tisch 🙂 Aber MEINEN Informationen nach (und ich beschäftige mich durchaus mit der Besamung von Kühen), erfolgt der Vorgang durchaus durch genau diesen Eingang! 🙂

      Und zu 1.
      Das ist ein Mädchen und die lokalen Früchte und Gemüsesorten sind reich an Kohlenhydraten und Zucker. Ich kann Dir versichern, dass das Durchschnittsgewicht der Cook Isländer jenseits der 100 Kilo Marke liegt. In der Regel ist man dort etwas „massiver“ unterwegs.

Like what you read? Be a fan!schliessen
oeffnen