Highway No. 1 – von San Francisco bis Machu Picchu

Highway No. 1 – von San Francisco bis Machu Picchu

Ich bin auf dem Weg zu Thrifty und hole meinen Mietwagen ab. Ja, ein Auto! Oh mein Gott, nach 10 Monaten wieder in ein Auto zu steigen und selbst zu fahren, fühlt sich quer an. Vor mir steht ein weisser Ford Focus, gut. Ein Mustang Cabrio wäre mir zwar lieber gewesen, doch schattige 18 Grad an der US-Westküste schließen einen gechillten Cabriodrive aus.

„Der schönste Highway der USA“, „die beeindruckendste Küstenfahrt“, „eine der Highlights dieses Landes“, Aussagen diverser USA-Fans schrauben mal wieder meine Erwartungen ins Unermessliche. Niemals zuvor in den 10 Monaten wäre ich bereit gewesen 600 Tacken für eine weiße Familienkutsche hinzulegen, um damit 10 Stunden (!) über eine dämliche Straße zu cruisen, wo ich doch in 1 Std. für 50 Euro per Flieger von San Francisco nach LA jetten könnte.

Doch es hat sich gelohnt…

Der Highway wurde in den 20er und 30er Jahren mit Dynamit aus den Felsen des Santa Lucia Gebirges gesprengt und dann innerhalb von 18 Jahren von Strafgefangenen gebaut. „Get 1 for 2“ – Für 2 Tage knochenharter Arbeit erhielten die Gefangenen einen Tag Straferlass, auch kein schlechter Deal.

Nachdem ich erstmal das Stadtgebiet um SFO verlassen hatte, dauerte es nicht lange, bis mich der Anblick der ersten nicen Strände aus dem Focussitz haut. Es wird gebirgiger. Grün bewachsene Hügel, gelbe Rapsfelder, die Felsküste glänzt ockerfarben in der (kalten) Sonne und der Highway No. 1 zieht seine Bahn in immer enger werdenden Schlangenlinien durch die umwerfende Landschaft. Ich passiere Gegenden, die direkt aus einem Winnetou-Movie stammen könnten. Prärielandschaften, kahle Berghänge und endlose Weiten vor meinen begeisterten Augen. Ich bin jederzeit darauf vorbereitet, meinen alten Freund und Kupferstecher Old Shatterhand mit seinem indianischen Freund um die Ecke reiten zu sehen. Yeah…ich bin im Wilden Westen.


Die Landschaft ändert sich laufend. Sie geht über in schroffe Küstenlandschaft mit tosenden meterhohen Wellen, die gegen schier unendlich hohe graue Felswände schlagen. Wer den Schritt an den Abgrund wagt, erkennt weit unten einen goldgelben Sandstrand, menschenleer, unangetastet…ich bin in Frankreich!

Ein ahnungsloser Rezeptionist in SFO versicherte mir, die Fahrt dauere etwa 5 Stunden. Nach besagten 5 Stunden habe ich exakt ein Viertel der Strecke zurückgelegt. Ich erreiche Monterey, eine süße kleine Stadt, die es Wert ist, eine Nacht mit ihr zu verbringen.

Der Küstenabschnitt um Monterey ist besonders schön. Unzählige Segelboote liegen im Hafen an. Menschen pilgern gen Westen, dem Sonnenuntergang entgegen und Möwen und anderes Getier tummeln sich auf den angehäuften Felsbrocken und lassen sich den (scheiss kalten) Wind um den Schnabel pfeifen. (China produziert wahnsinnig warme Daunenjacken!). Ein uralter VW-Bus parkt irgendwo im Sand, zwei Jungs schauen aufs Meer hinaus, beobachten die Wellen, schauen den Möwen zu, wie sie um den Bus kreisen und genießen ihren Joint zu Musik aus den 70ern…(Hilfe Polizeeeei!).

Hier in Monterey beginnt der 17 Miles Drive, ein abgesperrter Küstenbereich der Schönen und Reichen, der für 10 Dollar an den Millionärsvillen und Golfplätzen vorbeiführt. Ich beschließe ihn auszulassen (hab ich ja selbst bald alles, Villa, Golfplatz und so).

Im Hostel findet heute eine Präsentation über Maccu Pichu statt. Ich nehme mir fest vor, daran teilzunehmen. Als ich mich zum Präsentationsraum aufmache, strömen 40 Rentner, um die 70-185 Jahre alt, in das Hostel, als ginge es hier direkt zur Massen-Mummifizierung. Ich drücke das Durchschnittsalter um 3 komplette Leben.

Eine betagte Lady präsentiert…per Diashow…sie war vor 30 Jahren dort. Fotos, wie aus einer Einwegkamera und ihrer Dynamik nach, hat sie mindestens einen Liter Codein intus.  Ich beschließe die Präsentation zu verlassen und mir Machu Picchu lieber life anzusehen.

Eine der jung gebliebenen  Teilnehmerinnen verwickelt mich in der Küche in ein Gespräch. Sie ist locker um die 75, wirkt wie 25, macht Witze, lacht mit mir, packt ihre Deutschkenntnisse aus (ooh i´m quarter german). Sie redet und redet und redet und redet. Sie ist cool. Sie fragt nach meiner Telefonnummer…sie kichert…sie fragt nach meiner Adresse…sie lacht ununterbrochen. Wir wollen uns Briefe schreiben…sie verhält sich tatsächlich wie ein Teenie, unglaublich. Sie wird doch nicht (?!)…nein…oder? Doch…!!! Sie fängt an mit mir zu flirten…ich glaube, ich muss dann mal ins Bett.

 

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6 comments

  1. Tina

    …du bist echt der “ Knaller „…

    gib uns mehr davon…

    weiterhin viel spaß und liebe Grüße von

    Ingo und Tina

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