Lombok: Sasak – Zum Lachen bitte einmal daaa, ganz weit nach unten

Lombok: Sasak – Zum Lachen bitte einmal daaa, ganz weit nach unten

 

Ich bin in Lombok. Mir scheint, als wäre ich der einzige Tourist auf dieser Insel. Kilometer lange Strände, nur für mich allein. Kein anderer Mensch weit und breit. Ich genieße die Zeit der Ruhe, gönne mir 5 Tage fernab von jeglichem Trubel. Die Strände hier in Sengiggi sind schwarz oder zumindest dunkler. Man verbrennt sich die Füße mit jedem Schritt.

Lombok wird beherrscht vom Rinjani, dem dritthöchsten Vulkan Indonesiens. Auch als ich mit meinem Roller die 6 stündige Fahrt zum Rinjani und zurück antrete, treffe ich auf keinen einzigen Touristen. Die Fahrt führt durch kleine Dörfer, kilometerlange Wildnis, an Reisfeldern vorbei…äußerst nice, jedoch nicht vergleichbar mit der Fahrt durch Balis Norden. Die Besteigung des Rinjanis dagegen soll überwältigend sein, Erzählungen nach ist der Rinjani einer der härtesten Treks für Normalsterbliche (nicht Hardcoretrekker)…sagen zumindest Reisende, die schon einiges an Vulkan- und Bergerfahrung auf dem Buckel haben. Ich weiß ja gar nicht, wieso das immer so anstrengend sein muss. Ich persönlich genieße den Anblick des Gipfels lieber gepflegt bei einer kühlen Cola aus dem gepolsterten Sitz (m)eines Fliegers.

Auf dem Rückweg vom Rinjani nehme ich eine Abzweigung in die „Pampas“ und fahre einige Kilometer landeinwärts, bis ich auf ein kleines Dorf treffe. Ein Dorf der Sasaks, der Ureinwohner Lomboks, einer ethnischen Gruppe, denen ein Großteil der Inselbewohner angehört.

Argwöhnisch betrachtet mich eine Gruppe Kinder. Ich stoppe mein Motorbike und setze mich zu Ihnen, in Erwartung der typisch asiatischen Neugier und Gastfreundlichkeit. Nichts dergleichen. Sie schauen mich erster Miene an. Mmh..vielleicht doch keine so gute Idee hier einfach zu stoppen.

Ich versuche mit Händen und Füssen zu kommunizieren, keiner der Anwesenden versteht auch nur ein Wort Englisch und macht Anstalten mir zu antworten, weder mit Mund, Hand oder Fuß. Auch ein breites freundliches Grinsen hilft nicht. Nie habe ich eine Gruppe freundlicher Japaner mehr vermisst.

Kids um die 8-10 Jahre ziehen bereits gierig an ihren Kippen, lässig lassen sie den Qualm aus ihren Mundwinkeln entweichen, während sie mich mit halbgeschlossenen Augen anstarren. Ich überlege, ob ich mich von diesen Blicken, davon abhalten lassen soll, durch das Dorf zu laufen und lieber die Fliege machen soll. Gastfreundschaft ist Feind!

Was solls, ich beschließe, einen Blick in die Häuser zu werfen und treffe auf weitere Kinder jüngeren Alters. Das gleiche Bild. Todernste, düstere Blicke. Ich grinse noch breiter. Keine Reaktion. Eine Tonne Lachgas würde jetzt Wunder wirken. Oder auch nicht, wer weiß das schon.

In einer überdachten Hütte, die zu allen Seiten hin offen ist, sitzt eine Gruppe Frauen und bearbeiten Reis. Der gleiche Blick. Sie ignorieren mich. Hier scheint man buchstäblich zum Lachen in den Keller zu gehen. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Hütten gar keinen Keller haben. Aha!)

Die Atmosphäre ist ziemlich strange. Irgendwie bedrückend. Ich fühle mich nicht willkommen. Doch muss ich das überhaupt? Womöglich bin ich der Tausendste Weiße, der in diesem Jahr durch das Dorf latscht und die Menschen in ihrer Einfachheit (ich vermeide das Wort Armut) beglotzt, als seien sie ein lebendes Völkerkundemuseum. Doch Selbstkritik liegt mir in diesem Falle fern. So offenbart sich nun einmal eben die Möglichkeit fremde Kulturen kennenzulernen. An mir liegt es, mich demütig der Situation anzupassen, an ihnen, das Beste aus dem Besuch der Touristen zu machen. Diese Chance nehmen sie nicht wirklich wahr.

Wie ein Alien marschiere ich also durch dieses traditionelle Sasak-Dorf Segenter Village.

Die Hütten sind nach einem alten Baustil der Urahnen erbaut, daran hat sich bis heute nichts geändert. Jede Familie hat hinter dem Haus einen kleinen eingezäunten Bereich mit einer Kuh oder Ziegen. Mitten am Wegesrand dann, sitzt eine scheinbar Hundertjährige auf dem Boden, ihr Oberkörper entblößt…meine Herren, dieser Anblick wird sich wohl für ewig in meine Netzhaut gebrannt haben.

In einer Hütte sitzt eine Frau und kocht auf dem Boden hockend. Ich betrete die Hütte und grüße sie. Keine Reaktion. Die Hütte besteht nur aus dem einen Raum, überall hängen Kuhglocken, aber immerhin ein richtiges Bett und 2 kleine Schränke stehen zur Verfügung. Man hat nicht das Gefühl, dass die Menschen in totaler Armut leben, sondern einfach nur „einfach“. Die Zeit scheint hier stehengeblieben. Ein Leben wie vor Hunderten von Jahren vermutlich. Die Menschen halten die Kultur der Sasak am leben und der Staat hat vermutlich ein berechtigtes Interesse daran, dass die Dörfer erhalten bleiben, auch des Tourismus wegen. Ein wahrer Schatz in meinem Reisetagebuch.

Irgendwann verlasse ich dann das Dorf.

Wer Ruhe sucht und wem der Trubel auf Bali zuviel wird, für den ist Lombok eine willkommene Alternative. Etwas weniger vielfältig, aber auch deutlicher weniger (bis gar nicht) touristisch, vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück zu dieser Jahreszeit.

Mein Fazit: Es ist nicht immer überschwängliche Gastfreundschaft von Nöten, um ein unvergessliches Erlebnis für sich verbuchen zu dürfen. Dies war ganz sicher so eines, dass ich so schnell nicht vergessen werden. Die Erkenntnis, dass nicht immer alle Völker exakt so reagieren müssen, wie wir uns das wünschen oder vorstellen, kommt irgendwann, beim einen früher, beim anderen später. Bei mir heute…

Und jetzt noch eine Runde Kuhball.

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